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Jil Sander in Frankfurt Selbst berühmte Modekritikerinnen schauten vorbei

Selbst die US-Modekritikerin Suzy Menkes ließ sich die Jil-Sander-Ausstellung in Frankfurt nicht entgehen. Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst, spricht über den Erfolg der Schau.

Museum Angewandte Kunst in Frankfurt
Das Museum ist jetzt wieder so transparent und lichtdurchflutet, wie Architekt Richard Meier es wollte: Direktor Matthias Wagner K im Treppenhaus. Foto: Christoph Boeckheler

Herr Wagner K, ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da hieß das Haus Museum für Kunsthandwerk, war buchstäblich verstaubt und dunkel, und es war ein spezielles Angebot für ein kleines Publikum, das sich für historische Keramik interessierte. Jetzt haben Sie gerade die erfolgreichste Ausstellung in der mehr als 100-jährigen Geschichte des Hauses kuratiert, „Jil Sander Präsens“, mit mehr als 100 000 Besucherinnen und Besuchern über Deutschland hinaus. Was ist geschehen?
Sie haben ja selbst damals vom Dornröschenschlaf gesprochen, in dem das Haus steckte. Wir haben nach meiner Berufung zum Direktor 2012 einen sehr, sehr radikalen Schnitt vollzogen. Wir haben das Gebäude wieder so hergestellt, wie es 1985 vom US-Architekten Richard Meier konzipiert worden war. Wir haben uns inhaltlich von einer großen Dauerausstellung verabschiedet, hin zu wechselnden thematischen Präsentationen, bei denen auch die Sammlungen immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen und Kontexten eine Rolle spielen. Wir zeigen jetzt Ausstellungen, die sich mit unserer Gegenwart auseinandersetzen. Wir holen die Leute bei Themen ab, die sie etwas angehen und beschäftigen. Wir verstehen Museum als Möglichkeitsraum, als Plattform für Auseinandersetzungen mit dem, was war, was ist und dem, was sein wird. Das macht den Erfolg des Hauses aus.


Eine wichtige Grundlage scheint mir zu sein, dass der Bau wieder als das Gebäude erfahrbar wird, das Richard Meier entworfen hatte: lichtdurchflutet, hell, transparent. Mit Ausblicken, mit Durchblicken. Auch unter Einbeziehung des Museumsparks.
Wie bewegen uns hier eben nicht durch Räume, die hermetisch abgeschlossen sind. Natürlich müssen auch wir je nach Ausstellungsinhalt verdunkeln, weil wir bestimmte Objekte schützen müssen. Aber es gibt durch die wechselnden Ausstellungsarchitekturen immer wieder den Ausblick, die Verbindung zur Stadt. Das, was Frankfurt ausmacht, kann auch in das Gebäude eindringen.

Sie wollen das Museum nicht isolieren, sondern Bezüge herstellen.
Ja, ganz klar. Es ist ein Museum im urbanen Raum. Was Meier vorgab, dass das Haus sich verändert mit dem Licht, mit den unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten, hat auch Einfluss auf unsere inhaltliche Arbeit und die Ausstellungsgestaltung. Wenn Schnee liegt, strahlt das Licht ganz anders ein in das Museum. Jetzt, wenn die Kastanien ergrünen, ist das Licht wiederum ein anderes. Für die Besucherinnen und Besucher ergibt das immer neue Stimmungen, in die sie eintauchen können. Das macht den Reiz der Architektur aus. „Jil Sander“ ist die 43. Ausstellung in fünf Jahren. Wir haben gezeigt, dass wir das Haus mit seiner Transparenz zu bespielen verstehen, was etwas mit Dramaturgie und der Inszenierung mit unterschiedlichen Aufmerksamkeitspotenzialen zu tun hat.

Sie haben das inhaltliche Spektrum entscheidend erweitert. Mode spielt jetzt eine wichtige Rolle, Fotografie auch. Ist es auch ein anderes Publikum, das jetzt kommt?
Ja. Es ist ein deutlich gemischteres Publikum. Vor meiner Zeit lag der Altersdurchschnitt bei 56 Jahren. Jetzt sind wir bei 38 Jahren. Das ist für ein Museum wirklich jung. Wir merken das auch, auch bei „Jil Sander“. Ich dachte zunächst, die Ausstellung holt die Generation ab, die Jil Sander getragen hat, vielleicht noch immer trägt, aber wir haben sehr viele junge Menschen im Haus. Auch viel internationalen Besuch. Es ist die einzige Station in Europa.


Es wurden internationale Mode-Bloggerinnen gesichtet ...
... ja, etwa Suzy Menkes, die gestrenge und wohl erfahrenste Modekritikerin, hielt sich hier drei Stunden auf und schrieb danach einen sechsseitigen Blog und garnierte ihn mit ihren Fotos. Sie war völlig begeistert.

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