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Goetheturm in Frankfurt Nachts das Feuer, tags die Trauer

Als die Feuerwehr zum brennenden Goetheturm Frankfurt kommt, ist der schon nicht mehr zu retten. Am nächsten Morgen haben viele Passanten Tränen in den Augen, als sie die Zerstörung sehen.

Goetheturm
Am Vormittag beendet die Feuerwehr ihren Einsatz. Vom Goetheturm bleiben nur rauchende Trümmer. Foto: Michael Schick

Günter Neuroth hat Tränen in den Augen. Er kann es noch immer nicht fassen. „Ein Stück von meinem Leben ist zerstört, so kindisch das vielleicht klingt“, sagt er. „Eine Katastrophe.“ Am Donnerstagmorgen hat sich der 73-jährige Rentner aus Bad Vilbel auf den Weg in den Frankfurter Stadtwald gemacht, um die verkohlten Trümmer des Goetheturms mit eigenen Augen zu sehen. „Vor 70 Jahren war ich das erste Mal oben, mit drei oder vier Jahren“, erzählt der gebürtige Frankfurter. „Ich kenne das seit meiner Kindheit.“ Ob er an Brandstiftung glaubt? „Was soll es denn sonst sein?“, fragt Neuroth zurück. „Da liegt ja keinerlei Elektrik. Ein Wahnsinn.“

Der Schock sitzt tief am Donnerstagmorgen. Um kurz nach 11 Uhr beendet die Feuerwehr gerade ihren Löscheinsatz, zwischen Waldrand und Sachsenhäuser Landwehrweg liegen Schläuche im gelben Herbstlaub. Feuerwehrleute räumen Werkzeug weg, der Brandort ist mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Den Journalisten, die die Polizei zwischenzeitlich durchlässt, bietet sich ein Bild der Zerstörung: Wo der Goetheturm stand, ragen nur noch einige verkohlte Balken in die Luft, hier und da raucht und glimmt es noch.

An den Absperrungen und rund um den Brandort stehen Menschen wie Neuroth, die sofort in den Stadtwald gefahren sind, als sie von dem Feuer gehört haben. Einige ältere Leute haben gerötete Augen, ganze Familien sind mit dem Fahrrad gekommen. Peggy Maiwald ist aus Oberrad hergeradelt, nachdem sie schon am Morgen Brandgeruch wahrgenommen hatte. „Ich find’s schrecklich“, sagt die 31-Jährige. „Der Turm ist einzigartig in Frankfurt, den sollte man wieder herstellen. So eine Aussicht hat man nicht noch mal.“ Genauso sieht es Marco Demel, der sich etwas abseits auf einen großen Stein gesetzt hat. „Ein Stück Jugend, das hier sinnlos zerstört wurde“, sagt der 48-Jährige, der in Sachsenhausen aufgewachsen ist. „Ich hoffe, dass man diese Typen erwischt und zur Rechenschaft zieht.“ Für ihn sei der Goetheturm – genau wie der Henninger Turm – ein Wahrzeichen der Stadt, das man schon vom Flugzeug aus sehe, wenn man im Landeanflug auf Frankfurt sei. „Und irgend so ein Arschloch macht das kaputt“, sagt Demel.

Sechs Stunden zuvor. Schon um 5.30 Uhr am Morgen steht von Frankfurts Wahrzeichen nur noch der brennende Sockel. Feuerwehrleute und Polizisten vom achten Revier in Sachsenhausen schauen schweigend in die Flammen. Hektisch ist hier niemand, es herrscht fast ein bisschen Lagerfeuerstimmung. Im Flammenschein sind Feuerwehrleute zu erkennen, die aus Schläuchen Wasser auf die umstehenden Bäume spritzen. „Wir versuchen nur noch, das Übergreifen auf die Tannen zu verhindern“, sagt einer von ihnen.

Die Feuerwehr war um 3.17 Uhr gleich mehrfach von Anrufern alarmiert worden. Zu diesem Zeitpunkt hatten Autofahrer den Turm von der Babenhäuser Landstraße aus brennen sehen. „Als wir am Goetheturm eintrafen, hat er schon gebrannt wie eine große Fackel“, sagt Feuerwehrsprecher Rainer Heisterkamp. Da sei es bereits nur noch um ein kontrolliertes Abbrennen und die Eigensicherung gegangen. Der Funkenflug rund um den 43 Meter hohen Holzturm war zu diesem Zeitpunkt noch beträchtlich. 60 Feuerwehrleute waren im Einsatz, darunter die Freiwilligen Feuerwehren aus Sachsenhausen, Oberrad und Niederrad. Mit einem Wasserwerfer wurde das Übergreifen der Flammen auf das benachbarte Ausflugslokal verhindert. „Wir können von Glück sagen, dass das Feuer nicht auf den Wald übergesprungen ist“, sagt Polizeisprecherin Isabell Neumann.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Goetheturm Frankfurt

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