Lade Inhalte...

Goetheturm in Frankfurt Ein Stück vom Frankfurter Goetheturm

Der Künstler Peter Schönwandt fertigt Kunstbilder aus Brandresten des Goetheturms. Wie viele Frankfurter wünscht er sich eine Rekonstruktion des Wahrzeichens.

Peter Schönwandt
Das Logo hat der Künstler Peter Schönwandt in seiner Werkstatt in der Seeheimer Straße entworfen. Foto: Christoph Boeckheler

Mit Wehmut blicken viele Frankfurter auf die Nacht des 12. Oktober 2017 zurück, in der der Goetheturm den Flammen zum Opfer fiel. Die Feuerwehr teilte damals mit, der Turm sei nicht zu retten, also ließen die Einsatzkräfte das Sachsenhäuser Wahrzeichen kontrolliert abbrennen.

„Der Turm darf aber nicht einfach verschwinden“, fand Peter Schönwandt. Mit seinen drei Söhnen und seiner Frau Kathrin war der Oberräder Künstler oft die 196 Stufen des Holzturms im Stadtwald hinaufgestiegen. Seine Frau, in Frankfurt aufgewachsen, verbindet viele Erinnerungen mit dem Wahrzeichen. Es sei für ihn nicht greifbar gewesen, dass der Goetheturm plötzlich nicht mehr da war. „Wenn ich jetzt nicht aktiv werde, ist das alles einfach weg.“ Er entschloss sich, Brandreste zu sichern, um daraus Kunst zu schaffen.

Schönwandt mag Geschichtsträchtiges. An einer Wand seines Wohn- und Arbeitszimmers hängen zwei Originalbuchstaben, die früher den Henninger Turm zierten. An der nächsten hängt ein Bild, das er aus alten Computertastaturen gefertigt hat. „Für mich hat Kunst aus alten Materialien einen ganz besonderen Charme“, erklärt der 50-Jährige.

Reste des abgebrannten Turms zu sichern war nicht einfach, erinnert sich Schönwandt. Seine Frau Kathrin machte sich am Morgen nach dem Feuer auf den Weg zur Brandstelle, traf dort auf Mitarbeiter des Grünflächenamts und der Feuerwehr. „Mit einem Hubwagen wurde Kupfer geborgen, das vom Dach des Turms stammte und in den Baumkronen hängen geblieben war“, berichtet der Künstler. „Es war alles abgesperrt. Aus Sicherheitsgründen durfte niemand durch den Zaun in die Brandstelle greifen.“ Schönwandt schrieb zahlreiche Mails, telefonierte sich durch die städtischen Ämter.

Brandreste gesichtet

Bis die polizeilichen Untersuchungen der Überreste abgeschlossen waren, verstrichen Wochen. Dann erhielt der 50-Jährige die Zustimmung von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und Grünflächenamtsleiter Stephan Heldmann. Er sichtete die Brandreste, barg Kupfer vom Turmdach und Holzbalken, in denen große Stahlnägel steckten. Weil viele Menschen in Frankfurt Erinnerungen mit dem Goetheturm verbinden, entschloss sich Schönwandt dazu, eine größere Anzahl kleiner Kunstwerke zu schaffen. „Die Werke sollen nicht wenigen Menschen vorbehalten sein, sondern in vielen Frankfurter Haushalten Platz finden“, erklärt der Künstler.

Er kreierte ein Goetheturm-Logo, stanzte es zahlreiche Male aus glatt gewalztem Kupfer aus. Aus Balkenholz fertigte er viele dünne Scheiben. Anschließend setzte er Kupferlogos und Holzschnitte in einen 18 x 24 Zentimeter großen Eichenholz-Fotorahmen und fertigte so eine Bilderreihe an.

Ein Exponat kostet 179 Euro. 500 Exemplare könne er fertigen, erklärt Schönwandt. Seit Mitte Dezember 2017 arbeitet er an den Erinnerungsstücken. Bis zu zehn Bilder schafft er am Tag. „Aber ich lasse mir dafür Zeit. Ich möchte, dass jedes Bild mit der gleichen Hingabe entsteht“, sagt Peter Schönwandt.

Wie viele Frankfurter wünscht auch er sich eine Rekonstruktion des Wahrzeichens aus Holz. „Es sollte diesmal aber vielleicht ein Holz sein, das nicht leicht entflammbar und sicher ist“, findet Schönwandt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Goetheturm Frankfurt

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen