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Goetheturm Frankfurt Der Goetheturm - Frankfurts sympathischstes Wahrzeichen

Der Goetheturm ist Frankfurts sympathischstes Wahrzeichen. Ein Blick zurück in die Geschichte des Aussichtssturms.

Goetheturm
Der Goetheturm diente einst auch als Sendeturm für Mobilfunk- und Fernsehumsetzer. Foto: Christoph Boeckheler

Genaugenommen geht der Goetheturm gar nicht auf Goethes Konto. Sondern auf das von Karl Heinrich Ehrt, einem heute weitgehend vergessenen Heimatdichter, der anno 1861 den heutigen Standort des Turms, damals in Frankfurt als „Hexeneck“ in seinem Gedicht „Goethes Ruh“ als Gegend lobpries, in denen der Dichterfürst zu Brunftzeiten bevorzugt geröhrt habe. Und vorschlug, den geheiligten Grund in einen Ort der Ruhe und der schönen Aussicht zu verwandeln.

Ruhe- und Aussichtsplätzchen zu errichten. Die Frankfurter waren sofort Feuer und Flamme. Die Forstbehörde spendierte Bänke und einen Steintisch, und die Frankfurter kamen in so großer Zahl, dass der Frankfurter Verschönerungsverein 1871 entschloss, die Goethe-Ruh‘ durch Aufwurf eines künstlichen Hügels „als freien Aussichtspunkt zur Geltung zu bringen sowie durch einen auf der Höhe errichteten einfachen Tempel zu einem der köstlichsten Aussichtspunkte der näheren Umgebung umzuschaffen.“ Gesagt getan, und 1877 legte der Verein noch eine Schippe nach und ließ, unterstützt durch Spenden von Bürgern, einen 22 Meter hohen, hölzernen Aussichtssturm errichten. Und da war er nun, der Goetheturm.

Zumindest bis 1920, da wurde das mittlerweile wurmstichige Türmchen abgerissen.

1932 aber stand Goethes 100. Todestag ins Haus, und bereits im Vorfeld der anstehenden Feierlichkeiten fiel den Frankfurtern wieder ein: Da war doch was! Das soll wieder her!

Wer soll das bezahlen?

Nur wer soll das bezahlen? In diesem Fall sprang der steinreiche Kaufmann Gustav Gerst in die Bresche. Dank seiner großzügigen Spende konnte der neue Goetheturm bereits ein Jahr vor dem Goethejahr eröffnet werden. Höher, teurer und 150 Meter neben der alten Stelle. 32 000 Reichsmark ließ Gerst springen, und er knüpfte nur zwei Bedingungen an seine großzügige Spende: Erstens: Sein Name sollte niemals genannt werden. Zweitens: Der Turm solle mindestens 200 Jahre stehen.

Beide Wünsche blieben unerfüllt. Stattdessen beraubten die Deutschen den Kaufmann jüdischer Herkunft seines Vermögens und seiner Gemäldesammlung und trieben ihn ins Exil, wo er 1948 starb.

Der Turm aber überdauerte den Weltkrieg, und weil das Forstamt regelmäßig die Bolzen nachschraubte und alle Jahrzehnte das Holz nachimprägnierte, hielt er auch eine ganze Weile. 1981/82 wurde er noch einmal aufwendig restauriert, seit der damaligen Wiedereröffnung feiert der Vereinsring Sachsenhausen dort einmal im Jahr das Goetheturmfest. Von 2010 bis 2014 war der Goetheturm nicht begehbar, weil er grundlegend saniert wurde. Mehr als eine halbe Million Euro hat die Sanierung gekostet.

Kostenlos hingegen war stets der Besuch des Turms, und nicht nur darum ist der Turm das wohl sympathischste Wahrzeichen der Stadt. Vor allem, seitdem der zweite sympathische Turm auf Sachsenhäuser Gemarkung zum Ekeltower umgewidmet wurde.

Sendeturm für Mobilfunk

Zudem hat der Goetheturm auch niemals einem schnöden praktischen Zweck gedient – mal abgesehen davon, dass er so nebenbei als Sendeturm für Mobilfunk und Fernsehumsetzer genutzt wurde.

Der alte Goethe hätte an dem Turm wahrscheinlich gar nicht allzu große Freude gehabt – ihn soll die Höhenangst geplagt haben. Und wer sich die 196 Stufen zur schönen Aussicht hinaufquälte, der musste schon halbwegs schwindelfrei sein.

Für Schönheit aber hatte der Dichterfürst immer ein Auge und ein Händchen. Und so lässt er auch im zweiten Teil seines Fausts den Turmwächter Lynkeus frohlocken: „Zum Sehen geboren / Zum Schauen bestellt / Dem Turme geschworen / Gefällt mir die Welt.“ Die Sache hat nur einen Haken: In seiner Begeisterung für das bereits Gesehene vernachlässigt der Turmwächter seine eigentliche Aufgabe, das Erkennen gegenwärtiger Gefahr, und so entdeckt er das Feuer nicht, welches kurz darauf alles kurz- und kleinbrennt.

Unser Goethe – ein Visionär reinsten Wassers. Ein Dichterfürst, der auf Dauer nicht turmlos bleiben darf.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Goetheturm Frankfurt

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