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Galopprennbahn Frankfurt Ein Ort von nordkoreanischer Trostlosigkeit

Eigentlich herrscht Totenstille auf dem ehemaligen Rennbahn-Gelände. Doch kaum verschenkt die Stadt die alten Klappsitze, kommt wieder Leben in die Bude.

Galopprennbahn
Steinar (5) wollte unbedingt den Klappstuhl Nummer 19 haben, weil er am 19. September Geburtstag hat. Foto: Michael Schick

Die Spielvereinigung 07 Hochheim kommt am Ende auf 200 Klappsitze, hat aber Rot und Weiß als Vereinsfarben, elf Jahre mehr auf dem Buckel als der RSV und mit Akku geschraubt, also gefühltes Unentschieden.

Einer aber setzt an diesem Morgen tatsächlich auf Sieg. Auch der Stadtrat schraubt einen Klappsitz ab. Als Trophäe. „Es war eine harte Zeit“, sagt Frank und meint damit die juristische Schlacht um die Galoppbahn, die Rennklub und Stadt durch alle Instanzen geschlagen haben – ein ermüdender Grabenkampf, dessen spannendster Moment wohl die Verhandlungspause war, die wegen der Penisruptur eines Verfahrensbeteiligten eingelegt werden musste. Die Klappstühle waren dafür zwar nicht verantwortlich, aber für Frank sind sie ein Siegessymbol.

Beinahe wie früher auf der Rennbahn. Es gibt Gewinner und Verlierer. Gewonnen hat die Stadt, die mit OLG-Unterstützung die Turf-Taliban aus deren letzter Hochburg vertrieben hat. Gewonnen hat auch der neue Eigentümer der alten Rennbahn, eine Organisation, der enge Kontakte zum organisierten Fußball nachgesagt werden. Gewonnen hat aber auch der ehrliche Fußball: Klappsitze, grün, grau, gratis. Die neuen Herren der Rennbahn stehen in dem Ruf, eher an ihren Stühlen zu kleben als sie zu verschenken.

Verloren hat die Stadt, und zwar den Geist der Rennbahn. Er wurde das letzte Mal an einem kalten Samstagmorgen im Februar 2018 gespürt. Wer das nicht wahrhaben will, der kann ja versuchen, ihn zu beschwören. Er wird noch nicht mal einen Sitzplatz finden. Und selbst wenn: Es wird nicht klappen!

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Rennbahn

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