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Frankfurter Stadtwald Jagdclub bläst für den Goetheturm

Der Sachsenhäuser Jagdklub sammelt Spenden für den Wiederaufbau des Frankfurter Wahrzeichens.

Jagdklub
Harmonisch und sonor schallen die Hörner durch den Stadtwald. Foto: Michael Schick

Harmonisch und sonor klingen die Hörner am Neujahrsmorgen im Stadtwald am ehemaligen Goetheturm. Beim „Turmblasen“ des Sachsenhäuser Jagdklubs (SJK) läuten 15 Jagdhornbläserinnen und -bläser das neue Jahr vor den umzäunten Überbleibseln des abgebrannten Wahrzeichens ein. In einheitlichem Olivgrün und teils in Lodenjacken gekleidet, eine Hand am Instrument, die andere in die Hüfte gestemmt, stimmen die Musiker neben einem Zapfenstreichsignal Stücke mit Titeln wie „Jäger-Marsch Nummer 2“ oder „Hunde-Fanfare“ an.

Seit 27 Jahren pflegt der SJK diese Tradition, in diesem Jahr erstmals ohne den Holzturm als Kulisse, der Mitte Oktober nach mutmaßlicher Brandstiftung abgebrannt war. Unterstützt werden die Freizeitjäger von drei Alphornbläsern eines Offenbacher Jagdvereins, die zum dritten Mal dabei sind. Der Platz vor dem einst 43 Meter hohen Aussichtsturm ist gut gefüllt. Viele ältere Menschen sind zu sehen, auch mehrere Familien mit kleinen Kindern. Rund 250 Besucher schätzt Horst Belz, der Pressesprecher des SJK, ähnlich viele wie im Vorjahr.

Bei dem Ständchen wippt das eine oder andere Bein im Takt leicht mit. Zwischen den Musikstücken legitimiert der Vorsitzende des SJK, Simon Böll, die Arbeit von Jägern, erinnert aber vor allem in launiger Manier an vergangene Neujahrsständchen vor und auf dem „Kamerad“ Goetheturm. „In einem Jahr haben wir die Jagdhornbläser auf die erste Galerie gestellt. Da haben die Offenbacher mehr gehört als die Frankfurter“, berichtet Böll und sorgt damit für Lacher. Diese Geschichte kann Ingrid Metzger bestätigen. Seit mehr als anderthalb Jahrzehnten kommt sie zu dem Stelldichein am 1. Januar. „Das stimmt“, sagt die 78-Jährige, „da hat der Wind so blöde geweht, dass die Offenbacher mehr gehört haben.“ Böll sagt, er habe sich das Turmblasen ohne Goetheturm, als der noch stand, nicht vorstellen können.

Spenden für den Wiederaufbau  gesammelt

Mit einer Geldbüchse sammelt sein Verein am Montagmorgen Spenden für den Wiederaufbau des Turms. Daneben weist der 47-Jährige auf weitere Spendenaktionen hin. Ingrid Metzger berichtet, für sie sei es ein Schock gewesen, als sie am Morgen nach der Brandnacht vor zweieinhalb Monaten mit ihrer Laufgruppe den Hang hinaufkam und den Geruch von verbranntem Holz eingeatmet habe. „Das hat so wehgetan“, sagt die Sachsenhäuserin. Die Turmreste hätten noch tagelang geglimmt. Metzger erzählt von Erinnerungen aus der Kindheit, als sie mit Schwester und Eltern den Hügel zum Turm hinauflaufen musste und die Geschwister sich als Belohnung ein Glas Limonade teilen durften.

Inge Hackenberg nickt zustimmend, sie habe ähnliche Kindheitserinnerungen. Erstmals ist sie mit ihrem Mann aus Bornheim zum Turmblasen gekommen, um nach dem Brand ein Zeichen zu setzen. „Da hängt die ganze Kindheit dran, und man ist mitgewachsen“, sagt die 71-Jährige. Die beiden Frauen und Hackenbergs Mann Walter sind sich einig, dass der Turm wieder aufgebaut werden müsse. „Man muss hoffen, dass sich die Politiker einigen, wie man das Ding wieder hochzieht“, sagt der 72-Jährige. Ob als mit Holz verkleideter Turm aus Stahl oder so, wie er gewesen sei: „Die ursprüngliche Art bevorzuge ich.“ Es sei jedoch auch eine Frage der Kosten.

Einige Meter den Hang hinab, vor dem Vereinshaus des SJK, sitzt nach dem Turmblasen eine Gruppe bei Suppe zusammen. Edda Helbig macht den ungewöhnlichen Vorschlag, den Turm künftig in ihrer Lieblingsfarbe Pink erstrahlen zu lassen. Martin Kunstleve, den die zurückgebliebenen Fundamentsockel an „Zahnstümpfe“ und damit an ungeliebte Zahnarztbesuche erinnern, wünscht sich den künftigen Aussichtsort zehn bis fünfzehn Meter höher. „Höher als sämtliche Bankgebäude“, sagt der 51-Jährige. Egal wie: 1063 Euro kommen am Neujahrstag bei der Sammlung des SJK für den Wiederaufbau zusammen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Goetheturm Frankfurt

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