Lade Inhalte...

Frankfurt-Oberrad Nach der Abfahrt einen Bembel

Die Mitglieder des Ski-Clubs laufen nicht nur Ski: Sie wandern auch und keltern Apfelwein.

Bild 1 von 2
Roland Hanselmann zeigt die Skier und Snowboards, von denen es in der Werkstatt wimmelt. Foto: Andreas Arnold (Andreas Arnold)

Wenn Roland Hanselmann auf einem österreichischen Berg steht und auf den Abhang schaut, kommen Glücksgefühle in ihm hoch. Dann bekommt er Lust, hinunterzufahren. Seit 1986 läuft er Ski. Gelernt hat er es im Oberräder Ski-Club, dem er seit 20 Jahren vorsteht.

Vorher konnte Hanselmann mit der Sportart nicht viel anfangen, da spielte er lieber Tennis und Fußball. Dass er ein Spätzünder war, sah man ihm offenbar an. Jedenfalls habe sein Vereinskollege Michael Koch, den im Stadtteil alle nur „Euro“ rufen, einmal zu ihm gesagt, dass niemand so oft hingefallen, wieder aufgestanden und weitergefahren sei wie er. Die frohe Botschaft: Hanselmann kann’s jetzt. Zumeist fährt er mit seinen Mitstreitern nach Österreich, um sich die Skier unter die Schuhe zu spannen. Einmal ging es aber auch nach Kanada. Und da trug es sich zu, dass einer der Männer um Mitternacht in einem Saloon einen Bembel rausholte, und die Gruppe auf Hanselmanns Geburtstag anstieß – mit Apfelwein.

Das kommt nicht von ungefähr: Die Mitglieder des Ski-Clubs laufen nicht nur Ski. Sie keltern auch Stöffche und richten dafür jedes Jahr ein Festival aus: im Frühjahr im Bürgertreff Depot an der Offenbacher Landstraße. Amtierender Apfelweinkönig ist ebenjener Michael Koch, der Hanselmanns frühere Fallkünste bemerkte.

Den Stöffche-Ausscheid ins Leben gerufen hat der Männerchor von 1873. Vor vier Jahren übernahm der Ski-Club die Verantwortung. 14 Hobby-Kelterer aus dem Stadtteil und ein Gastkelterer aus Wiesbaden haben bei der diesjährigen Auflage ihren hausgemachten Ebbelwei gepriesen. „Das macht unseren Ski-Club präsent“, erklärt Hanselmann, weshalb der Verein das Event ausrichtet. Und es liegt wohl auch daran, dass Apfelwein schlicht und ergreifend gut schmeckt.

Es ist ja so: Apfelwein hat in Frankfurt nicht nur Kultstatus, er ist auch Lebenselixier. Doch da sich dieser Text um das Thema Gesundheit drehen soll, erzählt Hanselmann lieber mehr über die wohltuenden Auswirkungen des Skilaufens. Was natürlich nicht heißen soll, dass Apfelwein ungesund wäre.

Wohltuende Auswirkungen des Skilaufens: Da fällt Hanselmann als erstes die gute Luft ein. Und das Gemeinschaftsgefühl. Ski läuft man nämlich nicht alleine, sondern im Team. Die jungen Leute erst recht. An der Jugendfreizeit – neben der Eröffnungs- und der Abschlussfahrt eine von drei Hauptfahrten – nehmen 120 Teenager teil und haben einen Heidenspaß dabei.

„Wir sind der größte Monosportverein im Rhein-Main-Gebiet“, sagt Hanselmann. Seit 1984 existiert die Gruppe. Damals gab es sieben Skiläufer, die eines Abends auf die Idee kamen, sich zu gründen. „Das hat rasenden Zuspruch erfahren, denn so etwas gab es in Oberrad ja nicht.“ Heute zählt der Verein 312 Mitglieder. Die hohe Resonanz liegt auch darin begründet, dass der Ski-Club in Oberrad präsent ist. „Wir haben einen Stand beim Weihnachtsmarkt und auf dem Stadtteilfest“, sagt Hanselmann.

Der Fokus liegt aber auf der Piste. Wer gerne Ski laufen möchte, braucht nicht mal eine passende Ausrüstung. Auf dem Areal der Gärtnerei Schecker verfügt der Ski-Club über eine Werkstatt. Darin lagern Skier neben Snowboards, Stöcke neben Helmen, die man gegen Gebühr leihen kann. Mittendrin: eine Schleifmaschine und ein Wachsgerät. Es soll ja niemand verunglücken.

Das war noch nicht alles: Die Mitglieder des Ski-Clubs laufen nicht nur Ski und keltern Apfelwein. Einmal im Jahr machen sie auch eine Bergtour. Zuletzt überquerten sie die Alpen – von Oberstdorf nach Meran in Südtirol. Eine schöne Strecke. Und das Gesündeste: viel gute Luft.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum