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Frankfurt-Oberrad Grüne Soße in Gefahr

Die Entwässerungsgräben auf den Feldern im Norden von Oberrad bewältigen ihre Aufgabe nicht mehr. Für die Gärtner geht es um die Existenz - die Grüne Soße ist in Gefahr.

Auf dem Feld von Reinhold Scondo sollte eigentlich Kerbel für die Grüne Soße wachsen. Foto: Susanne Reichert

Reinhold Scondo schüttelt den Kopf. Der Oberräder Gärtner blickt auf Matsch und Wasserlachen. Wo eigentlich Kerbel wachsen sollte. Nun fürchtet er um seine Existenz. Im dritten Jahr stünden seine Felder im Norden von Oberrad unter Wasser. „Meine Gärtnerei ist ein See“, sagt er aufgewühlt. Nicht nur bei ihm sei die Lage ernst, auch bei seinen Kollegen. Die Gräben, die das Wasser von den Feldern ableiten sollen, bewältigen die Aufgabe nicht mehr.

Das liegt am anhaltenden Regen. Allenthalben sind die Wasserstände hoch. In Oberrad kommt erschwerend dazu, dass die Ablaufgräben ein geringes Gefälle haben, das Wasser fließt also recht langsam ab. Noch dazu sind die Rinnen verschlammt.

Die haben seine Vorgänger Ende des 18. Jahrhunderts angelegt, um das Wasser aus den Felder zu leiten, sagt Scondo. Vor etwa 100 Jahren seien die Gräben mit Betonplatten ausgekleidet worden. Mit der Zeit hat sich Bodensatz gebildet. „Da ist ein halber Meter Dreck drin“, schätzt Scondo. Zweimal im Jahr habe die Stadt früher gereinigt, so der Gärtner. In jüngerer Vergangenheit sei das aber vernachlässigt worden. Der für Oberrad zuständige Ortsbeirat 5 hat darum kürzlich einstimmig beantragt, die Entwässerungsgräben in Oberrad und Sachsenhausen zeitnah reinigen zu lassen.

Betonrinnen keine Lösung

Mit einem bisschen Reinigen ist es aber nicht mehr getan, sagt Scondo. Das Problem gehe tiefer. An manchen Stellen seien die Betonplatten eingestürzt. Teils habe sie die Stadt auch entfernt, um mit Holzpfosten eine naturnahe Gestaltung zu erreichen. Die Pfähle seien aber schnell vermodert. Was der Naturschutz in der Ablaufrinne verloren hat, will dem Gärtner nicht einleuchten. Eine reine Wirtschsaftsanlage sei das, eine Drainage für die Felder, kein Bachlauf. Er wünscht sich, dass die Stadt die Gräben richtig ausschaufelt und die Betonplatten wieder anbringt.

So einfach wird das aber nicht gehen. Jetzt ist Roland Kammerer von der Frankfurter Stadtentwässerung an der Reihe, mit dem Kopf zu schütteln. Es handle sich bei den Gräben eben nicht um eine Drainage, sondern um ein Gewässer. Und da sei eine vollkommen naturferne Gestaltung nicht mehr zulässig. Natürlich hätten die Gräben die Aufgabe, das Wasser abzuleiten. Aber nicht durch Beton-Rinnen, sondern auf naturnahe Weise. Die Stadt könne da nicht gegen geltendes Recht verstoßen.

Dennoch will die Kommune etwas unternehmen, sagt Kammerer. „Wir stehen im Dialog mit den Gärtnern“, das nächste Treffen sei im Februar anberaumt. Zu besprechen gibt es einiges. Die sogenannte Solräumung, also Steine und Dreck aus den Gräben zu holen, ist gar nicht so einfach zu bewerkstelligen, sagt der Experte.

Die städtische Parzelle ist so breit wie der Graben. Die Arbeiter können nicht mit dem Bagger ranfahren, müssen per Hand buddeln. Da könne mit den Gärtnern über eine Duldung gesprochen werden, oder eine Möglichkeit der Zufahrt. Auch über den Querschnitt der Gräben müssten Stadt wie Gärtner nachdenken. Die Rinnen-Wände sind senkrecht, das mache die Betonplatten oder Pfosten erforderlich. Möglich wäre es, die Wände durch schräge Böschungen zu ersetzen. Oder Natursteinschüttungen. Das Problem: „Dazu braucht man Platz", sagt Kammerer. Die Gärtner müssten auf ein Stück Feld verzichten.

Die Lage ist ernst. Immerhin ist Oberrads wichtigstes Exportgut in Gefahr. „Wir können uns in Frankfurt nicht mit der Herkunft der Grünen Soße rühmen, wenn den Gärtnern, die diese Kräuter anbauen, buchstäblich die Existenz wegschwimmt“, sagt Christian Becker, Ortsvorsteher und CDU-Vorsitzender in Oberrad.

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