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Frankfurt-Niederrad Ein verlässlicher Ort

Der Jugendtreff im Mainfeld in Frankfurt-Niederrad feiert seinen zehnten Geburtstag. Das Angebot hat geholfen, den sozialen Frieden in der Siedlung zu bewahren.

Die Jugendlichen freuen sich über eine Fotoausstellung. Foto: christoph boeckheler 0049.1702932067 mail@boeckheler.com

Früher hat es gebrannt im Mainfeld. Metaphorisch gesprochen. Der soziale Friede im Viertel war gestört. Heute qualmen nur noch die Kaffeetassen friedlich vor sich hin – zumindest auf den Tischen im Garten des Jugendtreffs. Der hat am Freitag zehnten Geburtstag gefeiert. Helfer haben Kaffeepulver in die Tassen gefüllt und angezündet. Der Rauch hält die Wespen von der Vesper fern.

Die Jugendlichen stehen gesittet am Büfett an. So gesittet Teenager zu stehen vermögen. Ein bisschen gerannt, geschubst und laut gelacht wird schon noch. Kleinkram verglichen mit der Lage 2007. Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) erinnert sich noch an die Spannungen. Es ist eine Zeit, in der sich Anwohner verstärkt beschweren, über Lärm, über rücksichtslose Jugendliche, über Provokationen, sogar die Polizei muss eingreifen.

„Wir boxen, trainieren, spielen Playstation – und Schach“

Die Stadt hat die Siedlung Mainfeld in den späten 60er Jahren errichtet. 2200 Menschen sind dorthin gezogen. „Es gab keine gewachsene Strukturen“, sagt Angelika Stock von der Kommunalen Kinder Jugend und Familienhilfe. Und: keine Angebote für Jugendliche. Das sieht auch Birkenfeld so. „Die Jugend der Siedlung ist vergessen worden.“ Spät reagiert die Stadt, schickt Sozialarbeiter, die einen Jugendtreff etablieren sollen.

Kai Lotz nimmt seinen Dienst im Keller auf, im Mainfeld Nummer 5. „Pionierarbeit hat er geleitet“, lobt Birkenfeld. Lotz muss zunächst Vertrauen schaffen, eine Kommunikation etablieren. Sicher hilfreich dabei: „Das Konzept wurde nicht am Schreibtisch erarbeitet, sondern mit den Jugendlichen zusammen“, sagt Birkenfeld. Ein ziemlich neuartiges Vorgehen zu der Zeit. Ebenso der Zeit voraus: einen Fitnessraum zu integrieren.

Der hat vor allem geholfen, die jungen Erwachsenen zu besänftigen. Die haben durchaus mit gemischten Gefühlen zugeschaut, wie die Stadt einen Jugendtreff für die Zwölf- bis 21-Jährigen schafft. Und nichts für sie. Aber Lotz hat sie eingebunden. Eine halbe Stunde dürfen sie in den Treff, um kurz was zu essen, oder Beratungstermine auszumachen, erklärt der Leiter. Und sie nutzen den Fitnessraum, der hat einen separaten Eingang.

Die Rechnung ist aufgegangen. Die jungen Erwachsenen haben den Treff akzeptiert. „Sie haben sich angesprochen und ernst genommen gefühlt“, sagt Lotz. Wichtig ist dem Pädagogen auch gewesen, die Eltern ins Boot holen, eigentlich die gesamte Siedlung. Mit dem Quartiersmanagement hat er viel für das Viertel erreicht. Etwa eine Fahrradwerkstatt. Oder das Suppenfest etabliert. „Die Idee habe ich aus dem Gallus geklaut“, sagt Lotz.

„Ich kann die Welt nicht ändern“, sagt Lotz. Also: den Eltern einen Arbeitsplatz besorgen oder die Wohnsituation verbessern. „Aber ich kann den Menschen, mit denen ich arbeite, schöne Momente bescheren.“ Mit den Kindern auf Jugendfreizeit fahren. Oder zur Lochmühle. Oder einfach nur ein verlässlicher Ansprechpartner sein.

Immerhin 36 Stunden in der Woche hat der Treff geöffnet. 132 Stammbesucher gibt es, also Kinder und Jugendliche, die die Mitarbeiter namentlich kennen. Sie kommen gerne her, das wird auch an diesem Nachmittag deutlich. „Es ist ein zweites Zuhause“, sagt einer. Regelmäßig komme er her, so oft es geht. „Wir boxen ein bisschen, trainieren an den Geräten, spielen Playstation – und viel Schach.“ Er lacht, als er den verblüfften Gesichtsausdruck seines Gegenübers sieht.

Kai Lotz lacht ebenfalls viel an diesem Nachmittag. Was ihn allerdings traurig stimmt: Kinderarmut. Auch die ist Thema im Mainfeld. Und das Sportangebot müsste verbessert werden. Seit Jahren kämpft Lotz für einen Aktivspielplatz im Quartier. „Ein Jugendhaus alleine reicht nicht.“ Der Bolzplatz müsste erneuert werden, der Belag ist hinüber. Es bräuchte auch einen Käfig drumherum und Kletter- und Spielgeräte für Jugendliche. Auch eine Wand, auf die Jugendliche legal sprühen können. Zusagen habe es mal gegeben, sagt Lotz. Ohne Folgen. „Das nervt mich.“

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