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Fluglärm in Niederrad „Fünf Uhr acht – Deutschland schläft, wir sind wach“

Anwohner in Niederrad schmücken einen Weihnachtsbaum mit Forderungen gegen Fluglärm. Ihr Hauptziel ist die Schließung der Landebahn Nordwest.

Protestweihnachtsbaum
Mitglieder der BI Niederrad schmücken als Protest gegen Fluglärm einen Weihnachtsbaum, den sie unter der Einflugschneise auf dem Kreisel Waldfriedstraße / Waldstraße aufgestellt haben. Foto: Michael Schick

Stille Nacht, fünf Uhr acht – Deutschland schläft, wir sind wach“, singen zehn Niederräder am Samstag zu der Melodie des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“. Dabei schwenken sie Wunderkerzen. Bei der Aktion geht es ihnen um die Lärmbelastung durch die Landebahn Nordwest. „Lasst uns endlich in Ruuuuh, maaacht die Landebahn zu“, endet ihre Darbietung entsprechend.

Die zehn Mitglieder der Bürgerinitiative „Niederrad gegen den Flughafenausbau“ haben sich am Nachmittag auf dem Kreisel Ecke Waldfried- und Waldstraße versammelt. Direkt unter der Einflugschneise schmücken sie einen Weihnachtsbaum. Es ist bereits das zweite Protest-Schmücken der BI. Schon 2016 hatten die Aktivisten auf dem Kreisel einen Baum aufgestellt.

Der Baumschmuck zeigt dabei die Forderungen der Demonstranten: Die Botschaften, die neben Christbaumkugeln und Modellflugzeugen befestigt werden, lauten: „Stop Fluglärm“, „Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr“ oder „Keine Flughafenerweiterung“. „Unser Hauptziel ist die Schließung der Landebahn Nordwest“, sagt Benno Mayer, Mitbegründer der BI.

Als 1998 die Pläne für die Nordwestlandebahn öffentlich gemacht wurden, bildete sich die Gegenbewegung. „Seit dem Bau der Landebahn haben wir keine ruhige Minute mehr“, sagt Mayer. Insbesondere das Nachtflugverbot sei skandalös. „Wer definiert für uns Bürger die Nacht? Ich jedenfalls schlafe um fünf Uhr noch“, empört er sich.

Auch Tünde Riedel-Kiss leidet unter dem nächtlichen Fluglärm. „Dass wir morgens um fünf mit Gewalt geweckt werden, grenzt an systematische Folter“, so die Konzertpianistin. Auch ihre Arbeit leide unter dem Lärm. „Wenn ich mein Cembalo stimme, dann reagiert mein Stimmgerät nicht auf meine Musik, sondern auf den Flugverkehr.“

Für Lehrerin Waltraud Umbach ist die Geräuschkulisse eine psychische Belastung. „Es ist bedrohlich, wenn die Flugzeuge lautstark über das eigene Dach fliegen“, sagt die Niederräderin. Sie sorgt sich auch um die Kinder im Stadtteil; insbesondere die der Friedrich-Fröbel-Grundschule. „Die Schule liegt unmittelbar unter der Einflugschneise. Das führt zu Konzentrationsproblemen bei den Kindern. Während Prüfungen ist das fatal“, kritisiert die Pädagogin.

Auf die versprochenen Schallschutzgelder warte man noch: „Wessen Haus bereits mit 30-Dezibel-Fenstern ausgestattet ist, der bekommt sowieso kein Budget“, sagt Claudia Glock. „Für uns war das definitiv nicht genug. Deshalb haben mein Mann und ich die 50-Dezibel-Fenster aus eigener Tasche bezahlt.“

Kritik übt die BI auch an den Rodungen für die Ausweitung des Flughafens im Rhein-Main-Gebiet. „Das Thema Umweltschutz geht in der Politik in letzter Zeit unter“, moniert Mayer. Gemeinsam mit anderen Frankfurter Initiativen wolle sich die BI deshalb in die Oberbürgermeisterwahl einmischen. „Wir werden deutlich machen, dass wir niemanden wählen, der sich in diesem Punkt nicht auf die Seite der Bürger stellt.“

Kontakt zur Bürgerinitiative über Hans Glock, unter Telefon 676 409 und per E-Mail an: drglock@alice.de.

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