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„Fabrik“ in Sachsenhausen Industriedenkmal öffnet seine Türen

Beim Fest der „Fabrik“ im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen können Besucher das denkmalgeschützte Gebäude erkunden.

Besucher des denkmalgeschützten Kulturwerks „Die Fabrik“ in Sachsenhausen bemerken schon beim Betreten des zwischen 1879 und 1881 erbauten Gebäudes die industrielle Geschichte der früheren Schmierstofffabrik: Der Geruch des Öls, das hier anfangs zu Petroleum und später zu Schmierstoffen verarbeitet wurde, hält sich noch immer im Mauerwerk und in den Böden. 
Am Sonntag kann das beim Sommerfest erlebt werden. Das bildet gleichzeitig den Abschluss der Tage der Industriekultur Rhein-Main. 

„Das hier ist die älteste Ölfabrik Deutschlands“, erklärt Karsten Heidebrecht, Vorstand der „Peter Paul und Emmy Wagner-Heinz“-Stiftung, die Eigentümer des Industriedenkmals ist. „Der ölige Geruch ist heute noch da, aber in keinster Weise gesundheitsschädlich.“ Die Besucher der rund 120 Kulturveranstaltungen, die pro Jahr im Rahmen von „Kultur in der Fabrik“ stattfinden, habe das Erbe der früheren Produktion bisher noch nie gestört. „Vom Poetry Slam über Lesungen bis hin zu Konzerten findet hier ein buntes Programm statt“, sagt Heidebrecht. 

Einen Querschnitt dieses Programms wird den Gästen des Sommerfestes geboten. Höhepunkt der Veranstaltung ist der gemeinsame Auftritt von Tatort-Kommissar Wolfram Koch und Mundart-Komiker Michael Quast, die zum ersten Mal zusammen auf der Bühne stehen. „Das ist in dieser Form noch nie dagewesen“, sagt Klaus Metz vom Kuratorium der Stiftung.

Auch eine Besichtigung der Räumlichkeiten des „Ateliers Goldstein“, in dem Menschen mit geistiger Behinderung kreativ tätig sind, ist möglich. „Das ist etwas ganz Besonderes, das nur ein Mal im Jahr stattfindet“, sagt Heidebrecht.

Neben dem künstlerischen Programm ist auch das Bauwerk selbst ein Höhepunkt der Veranstaltung. Mehrmals am Tag wird es die Möglichkeit geben, im Rahmen von Führungen die alte Fabrik zu erkunden. 

„Wahrscheinlich wird dies das letzte Mal sein, dass wir Führungen in dieser Form anbieten“, sagt Heidebrecht. Die Planungen für den Umbau und die Sanierung des Industriedenkmals laufen bereits. Unter anderem soll im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss ein Konzertsaal entstehen. Bereits in einem Jahr könnten die Arbeiten beginnen. „Wir befinden uns in der Planungsphase“, sagt Heidebrecht. „Wann es genau losgehen kann, steht derzeit aber noch nicht fest.“ 

Innerhalb des Gebäudes gibt es für Besucher eine Menge zu entdecken: Das Dachgeschoss wird von großen Balken getragen, die zur Originalstruktur des Bauwerks gehören. Lichtschächte führen bis ins Erdgeschoss und leiten Sonnenlicht von den Dachfenstern weiter, da es im Untergeschoss früher keine Fenster gab. „Die Anordnung des Gebäudes und die Deckenkonstruktionen stammen auf jeden Fall aus dem Ursprungsbau“, sagt Heidebrecht. „Was bis zum Ende der Produktion 1970 nachträglich eingebaut wurde, ist schwer zu sagen, da vieles schlecht dokumentiert ist.“ Gerade die Details wie alte Gaslaternen oder der Schließkasten für den Nachtwächter laden aber dazu ein, Geschichte hautnah zu erleben. 

„Viele historische Elemente werden wir im Rahmen des Umbaus erhalten“, sagt Heidebrecht. „Aber so wie jetzt wird man die Fabrik nach den Arbeiten nicht mehr entdecken können.“

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