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Einzelhandel in Frankfurt Auf der Suche nach dem Kundenmagnet

Im Frankfurter Stadtteil Oberrad macht Einkaufen nicht viel Freude. Es gibt keinen Metzger, keine Drogerie, keinen Kurzwarenladen. Das soll sich ändern, wenn die Offenbacher Landstraße fertig saniert ist.

Hermann Schöniger
Hermann Schöninger, Vorsitzender des Oberräder Gewerbevereins, arbeitet bei Bäcker Eifler auf der Offenbacher Landstraße 311. Foto: Christoph Boeckheler

Es fehlt hinten und vorne, sagt Eugen Müller. Der Vorsitzende des Bürgervereins zieht die Stirn in Sorgenfalten. Das Thema Einkaufen ist ihm keine Freude. „Wir haben hier viel zu wenig Einzelhändler für Waren des täglichen Bedarfs“, sagt er. Keinen Metzger, keinen Kurzwarenladen, keine Drogerie. Und das ist nicht nur der Sanierung der Offenbacher Landstraße geschuldet, die den Geschäftsleuten in den vergangenen Monaten zugesetzt hat. Das ist ein generelles Problem.

Immerhin: Die zentrale Verkehrsachse des Stadtteils ist fast fertig. Am Montag, 25. Juni, gibt die Stadt den Abschnitt zwischen Scheerengasse und Buchrainplatz wieder frei, nach 14 Monaten Sperre. Das wollen Verwaltung und Gewerbeverein auch groß feiern, aber nicht zur Eröffnung des Abschnitts, wie zunächst gedacht.

Die Feier ist für das Wochenende 15. und 16. September angesetzt. Die Stadt muss noch einige Restarbeiten in den Seitenbereichen erledigen. „Da kann man kein Fest ausrichten, wenn noch Steine herumliegen“, sagt Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD).

Eugen Müller hört es gern. Und doch: Zwei Schlecker-Filialen habe es früher gegeben, sagt er und seufzt. Seit der Pleite des Drogeristen stehen sie leer, oder sind zumindest ohne erkennbaren Mehrwert für den Stadtteil vermietet. Der Metzger hat vor vier oder fünf Jahren geschlossen. „Alle haben das bedauert, einkaufen waren sie aber bei Aldi oder sonst wo“, sagt Müller. Zumindest habe der Umsatz des Metzgers nicht gestimmt.

Andere Ladenflächen sind zu Shisha-Bars geworden. Die stören die Oberräder zwar nicht weiter, einkaufen kann man dort aber auch nicht. Den Rewe-Markt gibt es noch, samstags einen Wochenmarkt auf dem Buchrainplatz. Ansonsten orientieren sich die Oberräder nach Sachsenhausen oder Offenbach.

Der langwierige Umbau der Offenbacher Landstraße ist da nicht hilfreich gewesen. „Eigentlich bedarf es der Hilfe der Wirtschaftsförderung“, findet nicht nur Eugen Müller. Auch der Ortsbeirat 5 hat einen Vorstoß in diese Richtung unternommen. Die Stadt gewährt aber keine Entschädigung. Ein solcher Präzedenzfall würde Bauarbeiten künftig nahezu unerschwinglich machen, findet die Stadt.

Ein versöhnliches Angebot hat die Verwaltung aber parat, sagt Hermann Schöninger, der Vorsitzende des Gewerbevereins. Wirtschaftsförderung, VGF und auch das Amt für Straßenbauamt bringen sich beim großen Fest im September ein. Infostände werden sie aufbauen und Aktionen anbieten. Welche genau plant ein gemeinsamer Arbeitskreis derzeit noch. Sicher ist, dass die Wirtschaftsförderung die Werbung für das Fest übernimmt. „Das macht viel aus“, sagt Schöninger. „Wenn uns das aus dem Kreuz genommen ist, können wir uns auf die Inhalte konzentrieren.“

Zum Programm hält er sich bedeckt. Der Verein mietet das Depot an. Auf dem Buchrainplatz wird es eine Bühne geben. Für die Kinder kommt das Spielmobil zu Besuch. Allerdings müssen die Veranstalter dafür Platz schaffen. Sie wollen für das Wochenende die Parkmöglichkeiten sperren. „Das wird die Oberräder nicht begeistern, aber die Straße können wir ja nicht wieder schließen“, sagt Schöninger. Auf den so gewonnenen Flächen können sich auch die Gewerbetreibenden präsentieren, die nicht direkt an der Offenbacher Landstraße sind.

Das Fest sei eine Chance für die Geschäftsleute, wieder auf sich aufmerksam zu machen. Viele Oberräder haben sich während der Bauzeit anders orientiert, haben „sich das Brot bei der Arbeitsstelle gekauft“, das unwegsame Terrain Baustelle gemieden. Jetzt müssen die verbliebenen Geschäftsleute ihre Kunden zurückgewinnen. Schwer genug. „Das wird Monate dauern“, schätzt Schöninger.

Eine Drogerie nach Oberrad zu holen, ist allerdings noch schwieriger, sagt Schöninger. „Es braucht einen Ankerladen, einen Magneten, der Kunden lockt.“ Wenn es so einen gäbe, würde sich auch ein Drogerie-Markt ansiedeln, glaubt der Gewerbemann. Generell will er das Thema Leerstand zusammen mit der Wirtschaftsförderung künftig energisch angehen. Oberrad soll als Einkaufsmeile attraktiv werden. Das Straßenfest ist der erste Schritt dorthin.

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