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Einkaufen in Frankfurt Selbst die Polizei bittet Eisen-Ernst um Hilfe

Das Haushaltswarengeschäft „Eisen-Ernst“ im Frankfurter Stadtteil Niederrad bietet für alle Bedürfnisse das passende Sortiment. Rundherum hat sich ein Wandel vollzogen, den nicht alle gut finden.

Eisen-Ernst
Erich Behrens und seine Ehefrau Erika bieten ein großes Sortiment. Hund Sammy bekommt von Kunden manchmal ein Leckerli. Foto: Renate Hoyer

Anekdoten über den „Eisen-Ernst“ können viele Niederräder erzählen. Eine von SPD-Ortsvorsitzende und Landtagskandidatin Stefanie Then sei exemplarisch erwähnt. „Wenn man einen Kirschentkerner braucht, geht man zum ‚Eisen-Ernst‘ – und der hat dann gleich mehrere Modelle zur Auswahl.“

Der „Eisen-Ernst“ ist mehr als ein Eisen- und Haushaltswarengeschäft. Mehr als eine Anlaufstelle, wenn man eine Kaffeekanne, einen Topf, Besteck, Geschirr, Aschenbecher oder einen Bilderrahmen braucht. Ober eben Kirschentkerner. Er ist eine Institution. Seit 1939 existiert die Firma, von Anfang an in der Schwarzwaldstraße. Erst bei Hausnummer 38, seit dem 20. Juli 1959 bei Hausnummer 48. Schon damals dabei: Erich Behrens.

Der heute 76-Jährige, der seit 1946 mit kleineren Unterbrechungen in Niederrad lebt, hat seine Lehre zum Einzelhandelskaufmann bei Karl und Margarethe Ernst gemacht. Nach sechs Jahren in anderen Branchen kam er 1966 zurück zum „Eisen-Ernst“, der nach dem Tod von Karl Ernst von dessen Frau geführt wurde. 1990 übernahmen dann Behrens und seine Frau Erika den Laden.

Damals sah die Schwarzwaldstraße noch anders aus. Es gab mehr Einzelhändler. „Niederrad wurde nicht umsonst früher ‚Stadtteil der Metzger genannt“, sagt Behrens. Er erinnert sich alleine an vier Metzgereien in der Schwarzwaldstraße. Er kennt noch die Zeiten, als es mehr Gastronomie, mehr Vielfalt gab, „und nicht nur Bäcker und Frisöre“.

Die Zeiten kennt auch die Niederräder SPD noch. In ihrem Programm heißt es, man wolle „die Schwarzwaldstraße wieder zu einem Ort machen, an dem man gerne einkaufen geht“. Denn die Fülle an bestimmten Branchen ist Petra Korn, die die SPD im Ortsbeirat 5 vertritt, ein Dorn im Auge. Aber nicht nur das: „Die Straße muss, vor allem im Bereich der Rennbahn, dringend saniert werden – und nicht erst, wenn der DFB mit seinem Bau beginnt.“ Das wäre ein erster Schritt. Darüber hinaus, so Korn, müsse man ganz allgemein die Anwohner dazu bringen, die Angebote vor Ort zu nutzen. Denn diese seien trotz der Entwicklung an manchen Standorten noch etwas ganz besonderes.

Dazu gehören die Fleckenbühler am nördlichen Ende der Straße, die ein Café und einen Hofverkauf betreiben. Das Schmuckatelier an der Ecke Bruchfeldstraße. Die Buchhandlung weiter unten Richtung Triftstraße und die gegenüberliegende Metzgerei, noch heute in Familienbesitz.

Erich Behrens kennt diese Läden alle. Nicht nur als Firmeninhaber und Niederräder. Er war jahrelang eine treibende Kraft im örtlichen Gewerbeverein, bis „das Ganze nach und nach eingeschlafen ist“. Ab 1981 organisierte er das Schwarzwaldstraßen-Fest, bis auch dort das Interesse und die Resonanz nachließen. Er schaut daher nicht gerade glücklich drein, wenn man ihn nach der aktuellen Situation in der Einkaufsstraße fragt.

Es kämen zwar immer mehr Leute nach Niederrad. „Aber haben die Händler was davon?“, fragt seine Tochter Sylvia Mundsberger rhetorisch. Vor allem das Internet mache es den Geschäftsinhabern schwer. Geschichten von Menschen, die sich im Laden beraten lassen und dann online bestellen, kann sie viele erzählen.

Und doch wirken Behrens und seine Ehefrau zufrieden. Auch seine Tochter und ihr Ehemann Frank Auerswald, die den Laden einmal übernehmen wollen. Denn der Laden läuft, vor allem dank des Schlüsseldienstes. Dieser kam Mitte der 90er Jahre zum Angebot dazu.

Erich Behrens hatte diese Arbeit in seiner Lehre gelernt. Seitdem macht der „Eisen-Ernst“ Schlüssel nach, baut Schließanlagen, bietet einen 24-Stunden-Notdienst an. Er macht Sicherheitsberatungen rund um das Thema Schlüssel, arbeitet eng mit Wohnungsbaugesellschaften zusammen, stattet ganze Häuser mit Schließanlagen aus. „Und das alles zu Festpreisen“, wie Behrens selbstbewusst feststellt.

Und manchmal klingelt auch mitten in der Nacht das Telefon. Am Apparat: Die Polizei, die einmal wieder in ein Haus muss und die Tür nicht aufbekommt. Da ruft die Einsatzzentrale schnell beim „Eisen-Ernst“ an, der Institution in der Schwarzwaldstraße.

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