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DFB-Akademie Bombensuche auf der Rennbahn

Der historische Turf ist verschwunden, doch Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs nicht.

Rennbahn
Wo früher die Pferde um die Wette liefen und die Zuschauer auf der großen Tribüne jubelten, liegt heute diese Steppe. Foto: Christoph Boeckheler

Es ist buchstäblich nichts mehr zu sehen. Keine Tribüne, keine Stallungen, keine anderen Gebäude. Nach 155 Jahren ist die traditionsreiche Frankfurter Galopprennbahn in Niederrad vollkommen vom Erdboden getilgt. Von der Schwarzwaldstraße aus geht der Blick ins Nichts. Doch halt: Ein kleines Bauwerk trotzt den von der Stadt Frankfurt betriebenen Abrissarbeiten.

Das sogenannte „Sarotti-Häuschen“ steht noch immer. Es wurde einst von der heute 76-jährigen Alexa zu Solms-Wildenfels errichtet, der Mutter des ehrenamtlichen Frankfurter Stadtrats Carl-Philipp zu Solms-Wildenfels. Die engagierte Reiterin hatte das kleine Haus zu einer Art Gedenkstätte für den Pferdesport in Frankfurt ausgebaut. 

Solms-Wildenfels klagt 

Am 28. August soll das Amtsgericht Frankfurt über die von der Stadt beantragte Räumung entscheiden. Doch Carl-Philipp zu Solms-Wildenfels, der Vizepräsident des Rennklubs Frankfurt, hat bereits Widerklage vor dem Landgericht eingereicht. „Auch der Rechtsweg vor das Oberlandesgericht steht uns damit offen“, sagt zu Solms-Wildenfels – dieser letzte Rechtsstreit zum Rennbahngelände könnte sich noch hinziehen.

Den Wandel auf dem riesigen Areal hält das allerdings nicht wirklich auf. Seit fünf Jahren ist hier die immer wieder verzögerte Akademie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geplant. Derzeit schlagen sich die Fachleute des DFB auf dem Gelände mit einem besonderen Problem herum. Im Zweiten Weltkrieg befanden sich auf dem Areal der Rennbahn ausgedehnte Flak-Stellungen. Die Flugabwehrgeschütze sollten die alliierten Bomber beim Anflug auf die Frankfurter Innenstadt stoppen – was nicht gelang.

148 sogenannte „Verdachtsstellen“

Aus dieser Kriegszeit werden auf dem Grundstück viele Munitionsüberreste, aber auch Bomben vermutet. 148 sogenannter „Verdachtsstellen“ sind ausgemacht, mit dem sich der Kampfmittelräumdienst beschäftigen muss. Eine erste Nachschau förderte bisher allerdings nur „alte Steinhäger-Flaschen“ zutage. Ein kleiner gepanzerter Bagger hilft bei der Suche.

Der DFB hat in die bisherigen Räumungs- und Prüfarbeiten bereits knapp über 500.000 Euro investiert. Der Abriss der alten Rennbahn-Haupttribüne als des größten Bauwerks auf dem Areal musste laut Vertrag mit dem DFB von der Stadt Frankfurt bezahlt werden. Der für die Fußball-Akademie nötige städtische Bebauungsplan ist „in der Endabstimmung“, wie Mark Gellert sagt, der Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). „Es gibt eine gute Chance, dass noch in diesem Jahr vom Stadtparlament der Satzungsbeschluss gefasst werden kann“, fügt Gellert hinzu.

2019 sollen Bauarbeiten beginnen 

Dieser und die Rechtskraft des Bebauungsplanes sind wiederum die Voraussetzung für die Genehmigung des Bauantrages für die Fußball-Akademie, den der DFB schon im März bei der Stadt eingereicht hatte. „Wir arbeiten beherzt am Bauantrag“, so Simone Zapke, Leiterin der städtischen Bauaufsicht. Stadt und DFB wollen die förmliche Übergabe des riesigen Grundstücks noch in diesem Jahr vollziehen. 2019 möchte der Fußball-Bund dann endlich mit den Bauarbeiten beginnen – drei Jahre später als geplant.

Die Baukosten für die Deutsche Fußball-Akademie haben sich auf dem Papier bereits verdoppelt, bevor die Baugrube ausgehoben wurde. Sie stiegen von ursprünglich 77 auf jetzt 150 Millionen Euro. Und das, obwohl das Projekt im Plan abgespeckt wurde. So ist die große Halle der Akademie kleiner geworden. Das Vorhaben gerät freilich in eine Phase, in der die Baupreise in Deutschland rasch steigen und alle Baufirmen ausgelastet sind.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Rennbahn

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