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Brand Goetheturm Frankfurt „Wir machen weiter am Sockel“

Die Vereine in Sachsenhausen verlieren mit dem Goetheturm mehr als ein Ausflugsziel. Sie kämpfen für den Wiederaufbau.

Jägerblasen
Ständchen für den Turm. (Archiv) Foto: Monika Müller

Markus Mannberger ist entsetzt. „Wer tut so etwas?“, fragt der Vorsitzende des Sachsenhäuser Vereinsrings. Der in der Nacht zum Donnerstag abgebrannte Goetheturm hat eine große Bedeutung, nicht nur für die Menschen, auch für die Vereine des Stadtteils. Sie feiern dort Feste, halten Versammlungen ab. „Manche haben ihn im Wappen“, sagt Mannberger.

Der Vorsitzende ist kämpferisch gestimmt. Sein Goetheturmfest am 5. und 6. Mai wird der Vereinsring nicht absagen, auch nicht umbenennen. „Wir feiern in Erinnerung und als Zeichen, dass wir einen Wiederaufbau wünschen“, sagt Mannberger. „Dass muss sich eine Kommune wie Frankfurt einfach leisten.“ Da gehe es auch um die berühmten weichen Standortfaktoren, findet Mannberger.

Das Fest ist als offizielle Eröffnung des Turms nach der Sanierung von 1982 entstanden. Es hat sich als fester Termin im Sachsenhäuser Kalender etabliert. 2014 war es wieder die Eröffnungsfeier nach einer neuerlichen Sanierung. „Und ich hoffe doch stark, dass wir den Turm auch ein drittes Mal mit dem Fest eröffnen werden.“

Auch die Hornisten des Sachsenhäuser Jagdvereins blasen keineswegs zum Zapfenstreich. Am ersten Januar begrüßen sie am Fuß des Goetheturms traditionell das neue Jahr. Das werden sie auch 2018 tun. „Wir machen weiter am Sockel“, sagt Bläserobmann Walter Freyeisen. Auch wenn er und seine Mitstreiter den Turm sehr vermissen werden. „Es ist schlimm“, sagt er kopfschüttelnd.

Gaststätte Goetheruh von Feuer nicht betroffen

Jens Breidenstein kommt aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. Der Mitbegründer des Weihnachtsmarkts am Goetheturm will sich aber ebenfalls nicht entmutigen lassen. „Wir gehen davon aus, dass wir den Markt wie geplant eröffnen“, sagt er. Am Montag, 27. November, ist es so weit. Es sei denn, Polizei und Feuerwehr haben Sicherheitsbedenken. Breidenstein will das klären. „Einstürzen kann ja eigentlich nichts mehr.“

Die neben dem Turm gelegene Gaststätte Goetheruh habe vom Feuer zum Glück nichts abbekommen, erzählt Breidenstein. Das Lokal betreibt sein Weihnachtsmarkt-Kompagnon Roman Schmidt-Peccolo. Nur das Löschwasser setze dem Lokal etwas zu.

Auf jeden Fall möchte Breidenstein den Weihnachtsmarkt dazu nutzen, Spenden für einen Wiederaufbau des Turms zu sammeln. „Ich habe da schon als Baby gespielt“, erinnert er sich. Als er von dem Feuer hört, „hatte ich Tränen in den Augen“. „Der Turm gehört zu Sachsenhausen“, sagt Breidenstein noch energisch, dann legt er auf.

Da würden die Oberräder fast ebenso energisch widersprechen. Auch sie hängen an dem Wahrzeichen. „Ich bin sofort hingeeilt“, sagt Volker Hartmann vom Bürgerverein des Stadtteils. Vor Ort hat er etliche Bekannte getroffen, ebenfalls von den schlimmen Nachrichten über das Feuer aufgeschreckt. Beim Anblick der verkohlten Reste seien sie „unendlich traurig“ geworden. „Der Turm ist identitätsstiftend“, sagt Hartmann. Die 196 Stufen waren auch unter Oberräder Kindern eine beliebte Herausforderung. Auch die vielen Initiativen gegen Fluglärm haben sich immer an dem markanten Punkt getroffen. Auf dem Turm. Über sich die Flieger.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Goetheturm Frankfurt

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