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Brände in Frankfurt Serientäter am Werk?

Mehrfach brennen in Frankfurt öffentlich zugängliche Holzkonstruktionen, zuletzt der Goetheturm. Ob ein Serientäter am Werk war, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Goetheturm
Polizisten an den Überresten des Goetheturms. Foto: Michael Schick

Die Ansage der Polizei kommt bereits gegen Mittag. An diesem Donnerstag werde es keine endgültige Festlegung in Sachen Brandursache geben, erklärt ein Sprecher der Frankfurter Polizei unweit der noch qualmenden Überreste des Goetheturms. Nur um dann doch noch etwas nachzuschieben. Derzeit gehe man von Brandstiftung aus.

Es wird vermutlich noch Tage dauern, ehe die Polizei sich endgültig auf eine Einschätzung festnageln lässt. Vor allem in der Frage, ob die Brandstiftung an dem Frankfurter Wahrzeichen nun vorsätzlich oder fahrlässig verübt wurde. Und damit unweigerlich verbunden ist die Frage, ob der Goetheturm einem Serientäter zum Opfer gefallen ist.

Denn bereits zum dritten Mal brannte in diesem Jahr in Frankfurt eine öffentlich zugängliche Holzkonstruktion. In der Nacht zum 1. Mai ging der Pavillon im Koreanischen Garten im Westend in Flammen auf, genau einen Monat später brannte der Pavillon im Chinesischen Garten im Bethmannpark. Beide Fälle sind bis heute ungeklärt.

Geringe Aufklärungsquote

Die Frankfurter Polizei betont, dass sie „keine heiße Spur“ und keine Täterhinweise habe. Trotz zahlreicher Spuren an den Tatorten. Die allerdings legen zumindest den Verdacht nahe, dass beide Pavillons vom selben Täter in Brand gesteckt wurden. An den Tatorten fanden sich Spuren des gleichen Brandbeschleunigers. Nähere Details behält die Frankfurter Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen für sich.

Brandstiftung zählt zu jenen Straftatbeständen, bei denen in nur etwa der Hälfte der Fälle Tatverdächtige ermittelt werden können. Die Zahl der gemeldeten Fälle von Brandstiftung in Hessen ist in den letzten fünf Jahren kontinuierlich gefallen: von 1621 im Jahr 2012 auf 1335 im vergangen Jahr. Gleichzeitig allerdings fiel auch die Aufklärungsquote von 53 auf knapp 47 Prozent. In Frankfurt selbst wurde 2016 von 206 Fällen nicht einmal jeder Dritte aufgeklärt.

In jenen Fällen, in denen Tatverdächtige ermittelt wurden, halten sich Fahrlässigkeit und Vorsatz in etwa die Waage. Von den 2016 ermittelten 297 vorsätzlichen Brandstiftern in Hessen handelte der weitaus überwiegende Teil allein. Im Gegensatz zu anderen Delikten spielen Alkohol- und Drogenmissbrauch nur in rund 17 Prozent der Fälle einer Rolle.

Die Motivlage stellt sich dabei äußerst vielfältig dar, erklärt Kriminalpsychologe Rudolf Egg. Von Rache über politische Motive bis hin zur puren Geltungssucht. „Brandstiftung ist ein Delikt, das sehr leicht durchzuführen ist. Im Gegensatz etwa zu einem Bankraub.“ Die Gefahr, auf frischer Tat ertappt zu werden, ist gering, und die Folgen sind für alle unübersehbar. „So ein weit sichtbarer Turm wie in Frankfurt ist da natürlich ein ideales Ziel.“

Dennoch verbietet sich aus Sicht des Kriminalpsychologen eine zu frühe Festlegung auf einen seriellen Brandstifter. Das käme erst in Betracht, wenn weitere Details über den Tathergang bekannt seien: Uhrzeit, Vorgehensweise, verwendetes Material. Denkbar sei etwa auch, dass sich nach den beiden Pavillonbränden ein Nachahmungstäter inspiriert gefühlt habe, so Egg. „Solche Taten motivieren auch Trittbrettfahrer.“

Allerdings ist bei seriellen Tätern auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie irgendwann gefasst werden. Nicht selten, weil sie in ihrem Umfeld mit ihren Taten prahlen. „Das gilt zumindest dann“, sagt Egg, „wenn sie nicht aufhören können.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Goetheturm Frankfurt

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