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Body-Cams in Sachsenhausen Stehenbleiben, sonst filmen wir dich

Der Einsatz von Body-Cams in Alt-Sachenhausen zeigt laut Polizei Wirkung, die Angriffe auf Polizisten gehen zurück. Ein Ortsbesuch.

Body-Cam
Während seine Kollegen nach dem Personalausweis suchen, dokumentiert der Beamte mit der Body-Cam den Vorgang. Foto: Michael Schick

Die zwei jungen Männer schauen etwas verdutzt, als die Polizeibeamten sie ansprechen und nach ihren Ausweisen fragen. Es ist Freitagabend kurz nach 23 Uhr im Frankfurter Kneipenviertel in Alt-Sachsenhausen.

Viele junge Menschen sind auf den Straßen unterwegs, einige Hartgesottene sitzen trotz der tiefen Temperaturen auf den Bierbänken im Freien und trinken etwas. Einer der beiden kontrollierten Jungs hat seinen Ausweis griffbereit. Der andere schwankt wie ein Zweig im Wind, während er in seinen Jackentaschen nach dem Ausweis kramt.

Als er nach einer Minute immer noch nicht fündig geworden ist, sind die Beamten das Warten leid, sie fixieren den Mann am nahen Polizeiwagen und durchsuchen ihn. In seiner Männerhandtasche findet einer der Polizisten schließlich das Dokument. Schnell wird mit der Zentrale Rücksprache gehalten, ob einer der Durchsuchten jüngst polizeilich auffällig geworden ist. 

Als das nicht der Fall ist, dürfen beide ihrer Wege gehen. Während der Kontrolle hat Polizeikommissar Benjamin von Stein mehrfach wiederholt, dass er die beiden Männer filmt. Von Stein hat an diesem Abend eine Body-Cam an der Weste, die von den Beamten regelmäßig in Alt-Sachsenhausen angewendet wird.

„Seitdem sind die Angriffe auf Polizeibeamte zurückgegangen“, sagt Walter Hofmann, Leiter des achten Reviers in Frankfurt, das unter anderem für Alt-Sachs zuständig ist. Wie so ein Einsatz mit Body-Cam aussieht, hatte sich am Freitag die hessische Europaministerin Lucia Puttrich angeschaut. Von der Effektivität der Kameras wollte sie sich selbst überzeugen. Mehr Eindruck als die kleine Kamera der Polizisten machte aber die große Kamera auf der Schulter des Mitarbeiters von RTL. Und so posieren viele der anwesenden jungen Männer immer wieder vor dem Drehteam.

Kamera in sechs Revieren im Einsatz

„Für was wird denn hier gefilmt?“, fragt eine junge Frau, während die Beamten die zwei jungen Männer kontrollieren. „Das ist für den ,Tatort‘“, scherzt Revierleiter Hofmann. „Echt?“, fragt das Mädchen überrascht. „Können Sie mir sagen, ob das gerade gestellt ist“, fragt ein anderer Mann, der vorbeikommt. „Nein, das ist echt“, antwortet der Beamte Matthias Kapp. Er wird sich am Montag alle Aufnahmen der Body-Cam anschauen und dann bewerten, ob die Aufnahmen für eine mögliche Strafverfolgung relevant sind oder gelöscht werden können. Maximal sechs Monate dürfen die Aufnahmen behalten werden, wenn die Staatsanwaltschaft sie für nötig erachtet.

In sechs Revieren in Frankfurt kommen die Kameras mittlerweile zum Einsatz. Mehr als 20 Geräte gibt es, wobei die Anschaffungskosten bei 1500 Euro pro Kamera liegen. Dass die Kameras dem achten Revier helfen, ist für Hofmann unstrittig. Nicht nur die rückläufigen Zahlen sprechen dafür, auch das subjektive Empfinden der Beamten sei positiv.

„Die Reibungen mit der Polizei scheinen in Alt-Sachsenhausen dazuzugehören“, erklärt Hofmann. Spucken, pöbeln, schlagen – die Polizisten müssen mit allem rechnen. Die Kamera schrecke viele ab, helfe schlussendlich aber auch bei der Beweisführung. „Wenn jemand dann eine Gegenklage erhebt, können wir mit den Aufnahmen zeigen, wie es abgelaufen ist“, so Kapp. Die Kamera hat zudem eine Vor-Ereignisaufzeichnung. Drückt der Beamte auf den Knopf, werden auch die zehn Sekunden vor dem Drücken gespeichert. Etwa wenn eine Bierflasche auf die Beamten zufliegt. Passiere das öfters? „Ja“, sagt Kapp schlicht. Alt-Sachs ist ein hartes Pflaster.

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