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Archiv in Frankfurt Gedenken an vergessene Musikerinnen

Das Archiv Frau und Musik im Frankfurter Stadtteil Niederrad ist weltweit einzigartig. Es beherbergt an die 25 000 Medien-Einheiten von Komponistinnen, Dirigentinnen und Musikerinnen.

Archive in Frankfurt
Mit viel Sorgfalt kümmern sich die Mitarbeiterinnen um die Dokumente. Hier: Vorstandsmitglied Heike Matthiesen (rechts) und die beiden Mitarbeiterinnen Anne-Marie Bernhard (Mitte) und Inge Matthiesen (hinten). Foto: Renate Hoyer

Wer Geschichte studiert und dafür in Büchern oder anderen Dokumenten forschen muss, geht in eine Bibliothek oder in ein Archiv. Was aber macht ein Musik-Student, der für seine Doktorarbeit Material zu Kompositionen von weiblichen Musikern im 19. Jahrhundert benötigt? Für ihn und Gleichgesinnte gibt es das Archiv Frau und Musik in der Heinrich-Hoffmann-Straße. Dort dürfte er auf jeden Fall fündig werden.

Nicht weniger als 25 000 Medien-Einheiten vereint das Archiv, fein säuberlich in Regalen sortiert. Darunter Noten von 1800 Komponistinnen aus 52 Ländern und mehreren Jahrhunderten; Konzertprogramme, Korrespondenzen, Fotos, Biografien und einzelne Instrumente. Exponate, die die schöpferischen Leistungen musikschaffender Frauen abbilden, heißt es in einem Expose des Archivs, das weltweit seinesgleichen sucht.

1979 in Köln durch Initiative von Dirigentin Elke Mascha Blankenburg gegründet, wird es seit 2008 in Frankfurt mit viel Sorgfalt und Liebe von Ehrenamtlichen gepflegt. Etwa von Daniela Weber, wissenschaftliche Mitarbeiterin, die sagt, dass sie „alle 500 Gitarrensoli unserer Sammlung schon einmal in der Hand hatte“.

Oder von Anne-Marie Bernhard, die den Bestand digitalisiert. Ehrfurchtsvoll öffnet sie eine Tür zur „Schatzkammer“ und präsentiert eine Sammlung von 600 Postkarten, die Damen-Blaskapellen zur Kaiserzeit zeigen. Damals war die Mitgliedschaft in einer solcher Kapelle ein Privileg für die Frauen, da sie Musik weder studieren noch professionell betreiben durften.

Vorstandsmitglied Heike Matthiesen, selbst Musikerin, begründet, warum das Archiv lebenswichtig sei: „Es versteht sich als kulturelles Gedächtnis der Komponistinnen.“ Die standen früher oft im Schatten ihrer männlichen Gegenparts. Etwa Fanny Mendelssohn, die Schwester des berühmten deutschen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847). Ihr wurde es untersagt, Musik zu machen, so dass sie viele ihrer Kompositionen einfach unter „F. Mendelssohn“ veröffentlichte.

Heutzutage sehe es zwar besser aus mit der Gleichbehandlung, sagt Heike Matthiesen, perfekt sei es aber immer noch nicht. Auch das Archiv muss stets um seinen Fortbestand kämpfen. 2014 strich die Stadt den Zuschuss, der neben Geldern des Landes Hessen die Hälfte der Finanzierung ausgemacht hatte. Die Mitarbeiterinnen suchten Stiftungen auf, sammelten Mitgliedsbeiträge ein, hofften auf Spenden, stellten Förderanträge. „Irgendwann konnten wir uns noch nicht einmal Briefmarken kaufen“, erinnert sich Daniela Weber.

So knapp sieht es derzeit nicht aus. Das Team hangelt sich von einem Förderantrag zum nächsten. Feste Stellen lassen sich damit nicht schaffen. Dennoch geben die Frauen nicht auf. Denn eins steht für Heike Matthiesen fest: „Unser Archiv soll es auch in 100 Jahren noch geben.“

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