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Adlhochplatz in Sachsenhausen Mobile Stühle gegen Partys

Der Ortsbeirat 5 will gegen Ruhestörung am Adlhochplatz in Sachsenhausen vorgehen. Die Sitzgelegenheiten sollen nachts abmontiert werden.

Stühle
Stühle auf dem Matthias-Beltz-Platz. Foto: Christoph Boeckheler

Ein nieseliger Freitagabend im November. Es ist 23 Uhr. Bei Rewe im alten Straßenbahndepot an der Textorstraße ist noch Betrieb. Müde Männer schlurfen umher, kaufen ein paar Lebensmittel. Und ein Feierabendbier. Jugendliche schnattern fröhlich. Sie kaufen Bier und Energydrinks. Als ob sie die nötig hätten.

Am Adlhochplatz schräg gegenüber ist nicht viel los. Regen. Nur unter dem schützenden Vordach vor Bäcker Ernst bildet sich ein Traube von Menschen. Sie unterhalten sich, lachen laut. Im Gebäude darüber ist unter anderem ein Betreutes Wohnen für Senioren untergebracht.

Es ist ein friedlicher Moment. Doch Anwohner können sich an unzählige Abende erinnern, an denen sich der Mix von Bier und überschüssiger Energie weitaus unangenehmer bemerkbar gemacht hat. Es sind Geschichten von Radau und Gewalt, von Scherben, Urin und Erbrochenem vor Haustüren und in Vorgärten. Wenn es wärmer ist, ist der Adlhochplatz beliebter Treff und Party-Areal. Der Rewe unerschöpflicher Quell für Nachschub.

Der für Sachsenhausen zuständige Ortsbeirat 5 hat sich bereits mit dem Thema beschäftigt. Bislang ist es nicht gelungen, den Konflikt zwischen Anwohnern und Partyvolk zu entschärfen. Die FDP hat nun zur jüngsten Sitzung am Freitag einen weiteren Versuch eingereicht.

Der Magistrat möge prüfen, ob man nicht wenigstens die Bänke auf dem Adlhochplatz entfernen sollte. Um der nächtlichen Party die Sitzgelegenheiten zu nehmen. Für das friedfertige Publikum am Tage sollen mobile Klappstühle parat stehen. Darauf sollen sich Passanten ausruhen. Der Wirt des anliegenden Lokals oder der Kioskbesitzer sollen die Sitzgelegenheiten um 22 Uhr einsammeln, wegsperren und am nächsten Tag wieder aufstellen.

Vorbild für die Idee ist das Nordend

Vorbild für die Idee ist das Nordend, etwa die Stühle auf dem Matthias-Beltz-Platz oder auf dem Luisenplatz. Dort funktioniert es mit der mobilen Bestuhlung ganz gut. Auch für die Fußgängerzone der Königsteiner Straße in Höchst arbeitet die Verwaltung derzeit an einer Variante mit mobilen Bänken, die abends abgebaut werden sollen. Dort gibt es ebenfalls einen Rewe mit Spätausschank und entsprechend feiernde Menschen und genervte Anwohner.

Die SPD im Ortsbeirat 5 hat den FDP-Vorstoß am Freitag allerdings brüsk zurückgewiesen. „Hilflos“ sei der, sagte Thomas Murawski. Die FDP setze sich doch immer für die Deregulierung der Öffnungszeiten ein. Die seien genau das Problem am Adlhochplatz. Bänke abzumontieren sei da keine Lösung. Die SPD würde lieber mehr in Streetworker und in die Jugendarbeit investieren. Zumal die jüngsten Versuche in dieser Richtung gar nicht in der kritischen Zeit nach 22 Uhr geschehen seien, kritisiert Jan Binger. Überdies werde es keinen positiven Effekt haben, die Bänke zu entfernen, moniert Petra Korn-Overländer. „Die Leute stehen dann halt oder setzen sich auf den Boden.“

„Wir werden die Ladenöffnungszeiten nicht ändern können“, sagte dagegen Uwe Schulz (FDP). Viele Menschen seien aus beruflichen Gründen darauf angewiesen, abends einzukaufen. Und Streetworker würden nicht verhindern, dass der Platz nachts genutzt wird. „Eine andere Möglichkeit, als die Bänke zu entfernen, sehen wir nicht.“

So hat der Ortsbeirat den Prüfantrag auch mehrheitlich beschlossen. Die Koalition aus CDU, FDP und Grünen war dafür, SPD, Linke und BFF dagegen. Dem zweiten Teil des FDP-Antrags haben alle Fraktionen zugestimmt. Darin fragt der Ortsbeirat, wie oft Stadtpolizei und Ordnungsamt an warmen Tagen auf dem Platz kontrollierten und in welcher Intensität das für die Zukunft geplant ist.

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