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ABG Wohnhäuser Preiswert wohnen in Oberrad

Im Frankfurter Stadtteil entstanden im Auftrag der ABG Wohnhäuser, in denen die Nettokaltmiete maximal zehn Euro beträgt.

Mietshäuser der ABG
Projekt mit Modellcharakter: die neuen Mietshäuser der ABG in der Gräfendeichstraße Oberrad. Foto: Christoph Boeckheler

Der Regen hat den Boden aufgeweicht. Die Baustelle ist mit zähem braunem Schlamm bedeckt. Von Osten, aus Richtung Offenbach, kommt kalter Wind. Hier, am Rande Frankfurts, hat die städtische Wohnungs-Holding ABG vor mehr als zwei Jahren ein wohnungspolitisches Modellprojekt begonnen. Es soll Maßstäbe setzen für die Bundesrepublik: Neue Wohnungen, deren Nettokaltmiete maximal zehn Euro beträgt. Und die dennoch Qualität bieten bei Architektur und Bauausführung – auf den ersten Blick ein Widerspruch.

Diese Herausforderung hat Frank Junker gereizt. „In allen 16 Bundesländern wird am grünen Tisch immer über preiswerten Wohnungsbau geredet – wir wollten versuchen, ob das tatsächlich geht“, sagt der Geschäftsführer der ABG im Gespräch mit der FR.

Jetzt stehen hier an der Gräfendeichstraße in Oberrad zwei Blocks mit insgesamt 46 Wohnungen im Rohbau. Über den Erdgeschossen liegen jeweils noch zwei Etagen. Die Fenster und Türen sind schon eingesetzt, Gerüste schließen die Häuser ein. Die Fassaden sind beige gestrichen. Gerade graben die Bagger eine Stichstraße, die von der kleinen Erbacher Straße abgeht und die Wohnblocks künftig erschließen soll.

Früher führte die Gräfendeichstraße am südlichen Rand von Oberrad hinaus aufs freie Feld. Doch mit dem steten Wachstum der Stadt sind auch hier, an der östlichen Grenze der Frankfurter Gemarkung, immer neue Wohnhäuser entstanden. Keine hohen Gebäude, aber auch keine Einfamilienhäuser mehr, die viel Freifläche verbrauchen. Nein, meistens prägen hier mehrgeschossige Blocks das Bild, und die Häuser der ABG fügen sich da vom Maßstab ein.

Die Gräfendeichstraße wirkt ruhig, fast idyllisch. Kein einziges Auto ist an diesem Morgen hier unterwegs. Von ferne bellt ein Hund. Im Frühjahr 2018 sollen die ersten der 120 Mieter das neue Quartier beziehen. Im Januar beginnt die ABG mit der Vermietung – und die Verträge werden rasch unterschrieben sein. Denn eine Nettokaltmiete von zehn Euro ist in Frankfurt mittlerweile schon eher eine positive Ausnahme. Sie liegt 20 Prozent unter den üblichen Mieten bei Neubauten der ABG – und weit mehr als ein Drittel unter dem Durchschnitt der Mieten auf dem freien Markt in Frankfurt.

Außenliegende Treppenhäuser

Wie konnten die Baukosten so reduziert werden, dass diese verhältnismäßig niedrige Nettokaltmiete erreicht wurde? Die Gebäude, die vom Frankfurter Architekturbüro Schneider+Schumacher entworfen wurden, besitzen außenliegende Treppenhäuser und haben keine Keller. Dafür wurden notwendige Abstellräume in die Wohnungen integriert.

Die Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen setzen sich aus standardisierten Fassaden-Modulen zusammen. Sie sind zwischen 45 und 90 Quadratmeter groß. Auch Bauelemente wie Treppen und Fenster wiederholen sich. Die beiden Gebäude verfügen über eine gemeinsame Tiefgarage, die 32 Stellplätze zählt.

Die künftigen Mieter werden nur niedrige Nebenkosten zu zahlen haben, denn Photovoltaik auf den Dächern sorgt für eine hohe Energieeffizienz. Trotz der niedrigen Baukosten bieten die Häuser Balkone oder Terrassen.

Für den Architekten Michael Schumacher, der sich etwa mit den unterirdischen Gartenhallen des Städel-Museums weltweit einen Namen gemacht hat, ist das Modellprojekt in Oberrad eine besondere gesellschaftspolitische Herausforderung. „Die Tatsache, dass in Städten wie Frankfurt Wohnungen bereits für viele Menschen unbezahlbar geworden sind, ist schlimm“, sagt er im Gespräch mit der FR.

Rund 6,9 Millionen Euro hat die ABG Holding in das kleine, vorbildhafte Quartier am Rande von Oberrad investiert. Die Stadt hatte hier bereits vor Jahren ein Umlegungsverfahren begonnen, mit dem Ziel, aus vielen kleinen Parzellen bebaubare Grundstücke für Wohnungsbau zu schaffen.

Es gab sehr schwierige und aufwendige Verhandlungen mit rund 35 Grundstückseigentümern des Gebietes „Im Wiener“. Zum Teil wehrten sich die Eigentümer juristisch bis vor den Bundesgerichtshof (BGH) gegen das Umlegungsverfahren.

Der BGH wies am Ende alle Anträge auf Revision vorheriger Gerichtsentscheidungen ab und erklärte die Umlegung für rechtens.

Trotz des langwierigen Verfahrens, überhaupt Bauland zu schaffen, kündigt ABG-Geschäftsführer Junker schon an: „Wir werden solche Modellwohnungen jetzt öfter verwirklichen.“

Gemeinsam mit Architekt Michael Schumacher hat er bereits ein weiteres Grundstück in Frankfurt ins Auge gefasst. Details will er derzeit noch nicht preisgeben. „Kostengünstiges Bauen und gute Architektur sind jedenfalls kein Widerspruch“, sagt der Manager.

Er setzt darauf, dass die Fachleute anderer Wohnungsgesellschaften in Deutschland jetzt nach Oberrad kommen, um von der ABG zu lernen.

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