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Zoo Frankfurt Gorillas mit dem Handy retten

Beim Aktionstag macht der Zoo auf die Bedrohung der Gorillas aufmerksam - und sammelt alte Handys zum Recyceln ein. So kann der Lebensraum der Gorillas geschützt werden.

Aktionstag
Beim Aktionstag zum Thema Gorillas hat Sitara auch eine tolle Gesichtsbemalung bekommen. Foto: Michael Schick

Viatu geht der ganze Trubel am Silberrücken vorbei. Bei dem Gorilla im Frankfurter Zoo kleben wie jeden Samstag aufgeregte Kinder an den Scheiben zum Gehege, für die er – wenn überhaupt – nur einen finsteren Blick übrig hat. Dabei versucht ein kleines Mädchen ihn noch aufzuklären, als er an ihr vorbeitrottet. Warum dieser Tag eben doch kein normaler Samstag ist. „Hallo, hallo“, ruft es fröhlich. „Heute haben wir kein altes Handy mit. Aber nächstes Mal bringen wir eins für dich vorbei.“ Viatu dreht ihr gelangweilt den Rücken zu. Was soll er auch mit einem Handy.

Aber er kann ja nicht um die Ecke gucken und sehen, dass dort im Foyer des Menschenaffenhauses der „Tag des Gorillas“ stattfindet. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und der Zoo machen auf die Bedrohung der Gorillas im östlichen Afrika aufmerksam – und neben den Infoständen werden dafür alte Handys gesammelt. Denn die wertvollen Rohstoffe in den Mobilfunkgeräten sollen recycelt werden. Der Erlös aus dem Verkauf fließt in den Schutz der Gorillas. Die ZGF will etwa den Aufbau eines digitalen Funknetzes für die Parkranger im Nationalpark Virunga in der Demokratischen Republik Kongo unterstützen. „Wenn die Fläche gut geschützt wird, dann kommt das den Gorillas zugute“, sagte Michael Kauder, Projektleiter der Ehrenamtlichen bei der ZGF.

Der zehnjährige Jonas weiß das schon alles, als er ins Foyer des Borgoriwaldes kommt. Dass im Lebensraum der Gorillas kostbare Rohstoffe in der Erde lagern. Dass dort illegal Metalle wie Gold und Coltan abgebaut werden, die dann den Weg in unsere Handys finden. Und weil er das alles weiß, hat er zwei Monate lang Handys zum Recyceln gesammelt. Ist von Tür zu Tür in der Nachbarschaft gelaufen, hat Flyer im Heinrich-von-Gagern-Gymnasium verteilt.

Am Samstag steht er nun mit einem Karton voller Handys im Borgoriwald. 40 Stück sind zusammengekommen. Das ist gut. Aber für Jonas noch nicht gut genug. Er will weitermachen. „An meiner Schule sind 1000 Schüler“, rechnet er vor. „Wenn jeder fünf Handys gibt, dann sind das 5000 Handys.“

Zoo sammelt rund 8000 Mobilfunkgeräte

Große Ziele. Der Zoo hat im ersten Halbjahr rund 8000 Mobilfunkgeräte gesammelt. Vor allem auch über Sammelboxen der ZGF, die bestellt und in Firma oder Schule aufgestellt werden können. Seit vergangener Woche ist das mit der Sammelbox noch viel einfacher: Es gibt eine Kooperation mit der Handysammelstelle der Telekom. Bei der ZGF im Internet registrieren, und dann „kann man eine Sammelbox nach Hause bestellen und dann kostenlos mit der Post zurückschicken“, sagt Kauder. Am besten natürlich voll.

Beim Aktionstag geht es vor allem um die Situation der Berggorillas: Sie sind besonders bedroht. 880 Berggorillas leben nur noch im östlichen Afrika – und kein Zoo der Welt kann etwas zum Arterhalt beitragen. Viatu, Dian, Rebecca und die anderen Gorillas im Zoo sind Flachlandgorillas. „Ihnen kann man einfach Gemüse geben“, sagt Kauder. Die Berggorillas aber, die fressen nur Pflanzen aus ihrer Region. „Unmöglich, die jeden Tag einzufliegen“, sagt Kauder. Die Art kann daher nur durch den Schutz des Lebensraums erhalten werden.

Die zehnjährige Roksara und ihre Schwester Sitara machen unterdessen beim Gorillaraten mit. Welche Nase auf den Bildern gehört zu welchem Gorilla im Zoo? An der Nase unterscheiden auch Wissenschaftler ihre Pappenheimer. Fledermausnase? Müsste Shira sein. Nase mit tiefer Kerbe? Klar, Dian. Und Gorilla mit Astgabelnase? Logisch, Viatu. „Wir haben allen genau ins Gesicht geguckt – und alles richtig“, freut sich Roksara. Ein altes Handy hat die Familie nicht mitgebracht. „Nächstes Mal“, verspricht Vater Abdullah Ghznawy. Zu Hause würden noch welche im Schrank liegen. Und abgeben kann man die Handys auch ganz ohne Aktionstag: Am Zooeingang steht immer eine Sammelbox bereit.

Weitere Informationen unter www.zgf.de.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zoo Frankfurt

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