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Zoo Frankfurt Eine tierisch lange Zeit

Vor 160 Jahren wurden der Zoo Frankfurt und die Zoologische Gesellschaft gegründet - ihre Aufgaben haben sich seither gewandelt. Eine Zeitreise können Zoobesucher am Freitag machen.

Nashorn in Frankfurt
Horn to be alive: Rhinozeros im Zoo. Foto: Peter Jülich

Zum Beispiel Nashörner. Die kamen 1989 aus Simbabwe nach Frankfurt und hießen Kalusho und Tsororo. Erst mochten sie einander nicht so recht und lieferten sich wilde Hetzjagden. Aber dann bekamen sie doch drei Junge, darunter Akura, das erste je in einem Zoo geborene Spitzmaulnashorn, das ins Freiland umsiedelte – und seinerseits Nachwuchs bekam.

Eine von vielen Geschichten aus dem 160-jährigen Bestehen der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), einst gegründet, um den Weg für den Zoo zu ebnen. Ist das ein Jubiläum, 160 Jahre? Ein Grund zum Feiern allemal, und ein Grund zurückzublicken auf die Geschichte des Frankfurter Zoos, der am 8. August 1858 die ersten Besucher begrüßte, damals noch in Bockenheim, im Leers’schen Garten.

Naschwerk zur Eröffnung

In guter Frankfurter Tradition halfen die Bürger mit Spenden und Aktienkäufen. Das Interesse am damals erst zweiten Zoo in Deutschland war riesig. Sogar der Leipziger Dorfanzeiger berichtete. Was da für Verhältnisse herrschten! „Trotz Verbots konnten die Leute es nicht lassen, den Tieren allerhand Naschwerk zuzuwerfen“, meldete das Sachsenblatt. „Am anderen Tag litten fast alle Tiere am verdorbenen Magen.“

Zum Beispiel Serengeti. Donald Boag wurde Finanzchef des Afrika-Programms der ZGF. Die Bank wollte seine Adresse vor Ort wissen. „Das war nur leider in der Serengeti schwierig, denn Straßen, Hausnummern oder gar Postleitzahlen gibt es nicht“, erinnerte er sich später. Die Bank fragte nach einer Wasserrechnung als Beleg. Boag bedauerte: „Wasser kommt in der Serengeti vom Himmel und wird in einer Regenzisterne gesammelt.“ Telefonrechnung? „Festnetz ist Fehlanzeige.“ Wann mag das gewesen sein? 1890? Nein, 2011. Donald Boag, der Finanzchef, erhielt dennoch das Okay von der Bank. Und er gab auch den Weihnachtsmann für die Kinder von Seronera, der ZGF-Station in Tansania.

Der Frankfurter Zoo hat einen exzellenten Ruf. Viele Tierarten bekamen hier erstmals Nachwuchs in einem Zoo. Aber es gab auch stets Kritik: Tiere mussten einst Kunststücke zeigen, die Haltungsbedingungen spotteten zeitweise jeder Beschreibung – etwa Menschenaffen in Badezimmer-artig gekachelten Galerien mit Chromstangen zum Turnen –, mitunter glich der Zoo gar einem Rummelplatz. Als Höhepunkt der Geschmacklosigkeit wurden noch im 20. Jahrhundert Menschen aus fernen Ländern ausgestellt.

Davon sind heutige Zoopläne weit entfernt. Das Tierwohl ist in den Vordergrund gerückt, der Artenschutz gilt als das Prinzip, dem sich die Präsentation der Individuen unterordnet. Künftig sollen verschiedene Arten vergesellschaftet werden, so wie sie auch in der Natur beieinander leben.

Die Aufgaben der ZGF haben sich enorm verändert. Ging es zunächst um den neuen Frankfurter Zoo, wuchs der Aktionsradius um den ganzen Globus. „Der Clou ist, was nach dem Zweiten Weltkrieg weiter daraus wurde“, beschreibt ZGF-Geschäftsführer Christof Schenck in „Gorilla“, der Mitgliederzeitschrift: „Die kleine ZGF entwickelte sich zu einer international tätigen Naturschutzorganisation mit Projekten auf vier Kontinenten.“ Ob bei den Riesenottern in Südamerik oder bei den Orang-Utans in Indonesien, 320 Mitarbeiter versuchten mittlerweile, einzigartige Naturgebiete für die Zukunft zu erhalten.

Zum Beispiel für Nashörner. Tsororo, die Frankfurter Dame, starb 2016 mit 29 Jahren. Kalusho, der Bulle, ist als Botschafter noch da. Die Rhinozeros-Anlage schreit nach Erneuerung. Es gibt viel zu tun für Tiere – im Zoo und weltweit, auch nach 160 Jahren.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zoo Frankfurt

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