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Zoo Frankfurt Brillenbären-Nachwuchs hat ersten großen Auftritt

Im Zoo erobern die drei Monate alten Brillenbären die Außenanlage. Ein entzückender Anblick - wenn sie sich blicken lassen

Frankfurt. Zoo, Brillenbaer, Nachwuchs. TAGESHONORAR.
Tapferer kleiner Brillenbär. Im Hintergrund: besiegte Lamellen nach hartem Ringkampf. Foto: Renate Hoyer (Renate Hoyer)

So, Ruhe jetzt, Achtung – die kleinen Brillenbären dürfen zum ersten Mal raus. Und da kommen sie ja auch schon! Mit einem Riesensatz hechten die beiden Racker aus dem Höhleneingang, rasen wie aufgedreht über das ganze Gelände, klettern an den höchsten Holzstämmen empor, schlagen Purzelbäume, und da: Manu beißt seinem Schwesterchen Suyana in den Popo, der freche kleine Gangster! Dafür schubst sie ihn vom Ast runter, und ... wie? Ja, ja, zugegeben. Alles geschwindelt.

Also noch mal von vorn. Etwa 30 Journalisten drängeln sich am Montag an der Stelle mit dem günstigsten Blick ins Ukumari-Land, der Bärenanlage im Zoo. Warum? Weil die kleinen Bären heute endlich rausdürfen. Wer ist nicht zu sehen? Die kleinen Bären. „Die Mutter ist sehr vorsichtig“, sagt Zoodirektor Miguel Casares. „Die Jungen wollten schon längst raus, aber Cashu hat sie noch gebremst.“

Brillenbären tragen angeblich Brillen

Seltsam eigentlich. Manu und Suyana sind immerhin schon der dritte Wurf der 15-jährigen Bärenmama. Ein Junges brachte Cashu noch in Zürich auf die Welt, wo sie früher wohnte, und in Frankfurt gebar sie 2013 Tupa und Sonco, bald nach dem Einzug in die neueröffnete Anlage. Diese Zwillinge hatte sie im Bauch aus der Schweiz mitgebracht. Für Vater Nobody, ebenfals 15, ist es nun der erste Frankfurter Nachwuchs; er war aber bereits zuvor in Frankreich im Fortpflanzungsgeschäft tätig.

Jetzt: Mama Bär kommt halb aus dem mit Lamellen verhangenen Höhleneingang heraus, schaut in die Ferne – und geht rückwärts wieder hinein. Man nennt es Bärenruhe. Menschen haben für solche Situationen ein eigenes Verhaltensmuster entwickelt. Man nennt es Geduld.

Brillenbären heißen Brillenbären, weil sie Brillen tragen. Jedenfalls sieht es aus 25 Metern Entfernung so aus. Weil viele Menschen schlechte Augen haben, sich aber nicht trauen, ganz nah ranzugehen an einen Brillenbären, glauben sie einfach, dass es stimmt. Manche Menschen mit guten Brillen haben aber erkannt, dass die Bären gar keine richtigen Brillen tragen, und nennen sie deshalb Andenbären, weil sie aus den Anden kommen, einem Gebirge in Südamerika.

Dort lebt auch Hauke Hoops, der Direktor des Peru-Programms der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Er ist am Montag eher zufällig dabei, als die kleinen Bären ihren großen Auftritt haben (sollen), und er freut sich: „Ich bin froh, hier endlich mal Andenbären zu sehen – in drei Jahren Peru habe ich keinen einzigen gesehen.“

Dort läuft ein Programm zur Erforschung der selten gewordenen Brillenbären. Sie stehen auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten, und sie genießen unter den Bauern in der Heimat keinen besonders guten Ruf, weil sie ihnen den Mais wegfuttern. Also kümmert sich die ZGF dort um Aufklärung, bildet Ranger aus und vermittelt zwischen Bär und Mensch. Hauke Hoops und seine Mitarbeiter beobachten die Bären im Gebiet dreier Gemeinden und wissen von zwölf ausgewachsenen Tieren und einem Baby. Aber nur, weil sie Kamerafallen aufgestellt haben. In echt kriegt man sie nie zu Gesicht. Andenbären sind sehr vorsichtig.

Besonders, wenn sie in Frankfurt leben. Aber jetzt erlaubt die Mutti wenigstens mal einen kleinen Ausflug vor die Tür – und wie entzückend sie sind! Zierlich wie zwei junge Dackel, behende wie Katzen. Manu ist nach dem gleichnamigen peruanischen Nationalpark benannt, Suyana heißt Hoffnung, ein beliebter Quechua-Frauenname. Gemeinsam machen sie sich im Ringkampf über die Lamellen im Höhleneingang her. Die Lamellen leisten erbitterten Widerstand, aber wie lange noch?

Am 14. Januar wurden die beiden Frankfurter Brillenbärchen geboren. Als bald darauf ein Fiepen aus der schützenden Wurfbox drang, drückte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) die Daumen, dass alles gutgeht. „Ich wünsche mir für die kleinen Bären, dass sie bei uns im Frankfurter Zoo groß werden und zur Arterhaltung beitragen können“, sagt sie am Montag. Und lobt das Ukumari-Land als wunderbares Beispiel für zeitgemäße Tierhaltung, die Anlage, auf der inzwischen vier Tierarten zusammenleben: Brillenbären, Waldhunde, Brüllaffen und Ameisenbären. Letztere müssen am Montag in ihren Innenanlagen bleiben, denn wenn Mama Bär mit ihren Jungen unterwegs ist, sollte ihr besser nichts und niemand in die Quere kommen. „Sie kann dann sehr aggressiv werden“, sagt Zoodirektor Casares.

Für kleine Brillenbären ist die Welt noch sehr groß

„Kleine, tapsige Brillenbären! Kommt doch mal rüber!“, rufen die Journalisten hinein ins Ukumari-Land, hinüber zu den Felsen, in denen die Innenanlagen untergebracht sind. „Kommt doch mal näher ran!“ – „Würden wir ja gern“, rufen die kleinen, tapsigen Brillenbären zurück und zucken entschuldigend mit den Schultern. „Aber die Mama hat gesagt, wir sollen in der Nähe des Eingangs bleiben.“

Das gilt offenbar selbst dann noch, wenn der Tierpfleger Nüsse vor die Höhle wirft, die sich die große Bärin holt, während Manu und Suyana schüchtern zurückbleiben. Kleine Brillenbären sind wohl sehr folgsam. Für kleine Brillenbären ist die Welt aber auch noch sehr groß. Nur die Lamellen an der Tür, die können sich schon mal auf was gefasst machen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zoo Frankfurt

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