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Trauercafé in Frankfurt Jeder trauert anders

In der Nord-Ost-Gemeinde im Frankfurter Ostend finden Menschen Halt nach dem Tod eines Angehörigen. Das Trauercafé gibt es bereits seit 2014 und findet immer mehr Zulauf.

Trauercafé in der Nord-Ost-Gemeinde
Jacqueline Leifert leitet das Trauercafé der Nord-Ost-Gemeinde. Foto: peter-juelich.com

Als im November 2014 das erste Trauercafé in der Nord-Ost-Gemeinde stattfand, hat Leiterin Jacqueline Leifert nicht damit gerechnet, dass auch sie in wenigen Jahren den Verlust ihres Ehemanns verarbeiten muss. Als sie von dem FR-Fotograf abgelichtet wird, sagt sie: „Auf dem Foto lache ich zwar, aber innerlich trauere ich trotzdem.“

Der Tod ist ein Tabuthema. „Die Gesellschaft gibt einem drei Wochen. Wer länger trauert, muss sich schnell schon mit Vorwürfen einer psychosomatischen Erkrankung oder anderen psychischen Problemen auseinandersetzen“, sagt sie. „Manche hier trauern um ein Elternteil, viele haben ihren Lebenspartner oder ihr Kind verloren. Bei den einen kam der Tod absehbar ins Leben, bei anderen plötzlich.“

Im November starb Jaqueline Leiferts Mann und Vater ihres Sohnes mit nur 47 Jahren an einer Lungenembolie. Da lernte sie die Trauer von einer anderen Seite kennen. Durch ihr Ehrenamt beim Trauercafé hatten sie und ihr Mann offen über das Thema Tod gesprochen, eine Voraussetzung die viele nicht haben.

„Das Leben ist zerbrechlich“, sagt sie. „Ich lebe seither bewusster, konzentriere mich auf das Wesentliche, spreche die wichtigen Sachen aus“, schildert sie. „Man erfährt auch, wie stark man eigentlich ist.“ Aus der Leitung des Trauercafés zog sie sich dennoch vorerst zurück, ihre Stellvertreterin Christa V. übernimmt seither viele Aufgaben.

Viele Schicksale erlebt

Durch ihre Arbeit beim Nachlassgericht kam Jacqueline Leifert vor einigen Jahren auf die Idee, das Trauercafé ins Leben zu rufen. „Dort habe ich viele Schicksale erlebt“, sagt sie. „Es gibt diesen Zeitraum, in dem man nur zu funktionieren hat. Dann kommt eine Lücke, in der viele gar nicht wissen, wohin mit ihrer Trauer“, beobachtete sie. „Mir ist oft aufgefallen, dass viele genau da einen Ort brauchen, an dem sie sich aufgehoben fühlen.“

Damals habe der Diakonieausschuss neue Projekte gesucht. Zum ersten Trauercafé kamen drei Besucher. Mittlerweile sind es 20. „Manche müssen sich nur mal aussprechen, andere kommen regelmäßig“, sagt Christa V.

Pfarrer Andreas Hannemann führt durch den Raum der Nord-Ost-Gemeinde, in dem am Samstag das letzte Mal in diesem Jahr Betroffene zusammenkommen. „Es gibt ein Kuchenbuffet, alles ist schön dekoriert, wie in einem Café eben“, sagt er. „An jedem Tisch sitzt ein geschulter Seelsorger. Es gibt einen Rückzugsraum, wenn jemand ein vertrauliches Gespräch sucht.“

Seit mehr als zwei Jahren kommt Evelyn F., zu den monatlichen Treffen. „Nach meinen schlimmen Erfahrungen habe ich einen festen Punkt im Leben gebraucht. Das Schöne hier ist: Man kann einfach nur da sein und wird zu nichts gezwungen.“

Das ist eine der Grundideen von Jacqueline Leifert und Christa V.. „Keiner, der hierherkommt, muss reden. Jeder trauert anders. Manche sind lieber stille Beobachter, andere haben einen großen Drang, ihre Gedanken zu teilen“, sagt Christa V.

„Wir wollen auch Impulse geben, wie man den Weg zurück – oft auch in das soziale Leben – findet“, sagt Jacqueline Leifert. „Egal, ob man viel weint oder gleich einen neuen Partner hat, weil man nicht gut alleine sein kann. Jeder trägt Trauer in sich.“

Die Trauer würde zwar bleiben, sich aber verändern, hat Evelyn F. erfahren. „Oft muss man nur einen Schritt machen – hierher zum Beispiel.“

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