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Streit um Schulessen Stadt Frankfurt macht Schülern wenig Hoffnung

Die IGS Nordend protestiert lautstark für ihre Mensa, doch Bildungsdezernentin Sylvia Weber sieht kaum mehr Chancen für den bisherigen Caterer.

Kinder-Demo
Krachmacher für die Zukunft der Mensa: Demonstration auf dem Römerberg. Foto: Christopf Boeckheler

Es ist laut. Sehr, sehr laut. Die gut und gerne 250 Schüler, Eltern und Lehrer schlagen auf Töpfe, trillern auf Pfeifen, hupen mit Hörnern, wie sie sonst nur auf Bahnbaustellen zum Einsatz kommen – und so bald das Wort „Sodexo“ fällt, wird gebuht, und das nicht zu knapp. Erneut hat die IGS Nordend am Montag gegen den Wechsel des Caterers an ihrer Gesamtschule demonstriert. Diesmal aber nicht auf ihrem Pausenhof oder vor dem Bildungsdezernat, sondern direkt im Römer. Nach einer kurzen Kundgebung vor dem Rathaus ging es in den Bildungsausschuss der Stadtverordneten.

Kurz vor den Osterferien hatte die integrierte Gesamtschule erfahren, dass der bisherige Anbieter, die Cantina Buen Barrio, bei der Ausschreibung der Essensversorgung durchgefallen war. Von Sommer an soll der Großcaterer Sodexo die Speisen zubereiten. Die Entscheidung sorgte für einen Proteststurm weit über das Nordend hinaus. Die IGS kämpfte für ihre Cantina, die längst Teil der Schulgemeinde geworden sei und individuelle Wünsche der Kinder berücksichtige.

„Diese Mensa ist ein Stück Kulturgut, das die Stadt gerade verheizt“, rief Schulelternbeirätin Stephanie Dietmann am Montag vor dem Römer. Kleinere Caterer hätten bei Ausschreibungen kaum eine Chance. Dabei könnten große Anbieter wie Sodexo den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht werden. „Wenn in unserer Mensa ein Kind keine Petersilie aufs Essen will, bekommt es keine – ganz einfach“, sagte Dietmann später im Ausschuss, in den zumindest einige der Demonstranten nach einer Diskussion mit dem Ordnungsdienst im Römer vorgelassen wurden.
In den vergangenen Wochen habe er „unzählige Gespräche“ über den Betreiberwechsel geführt, sagte Uwe Gehrmann, Schulleiter der IGS Nordend. Kein einziger seiner Gesprächspartner finde die Neuvergabe gut. Fast 300 Eltern hätten mittlerweile erklärt, dass sie ihr Kind nicht bei Sodexo anmelden würden. 

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), der 5800 Unterschriften gegen den Betreiberwechsel überreicht wurden, machte aus ihren Sympathien für die IGS Nordend keinen Hehl. Sie sagte aber auch: „Die Entscheidung ist gefallen.“ Zwar gebe es Klagen gegen die Vergabe – etwa von einem Schüler, der die Missachtung von Kinderrechten beklagt. Sie könne aber keine Fehler im Verfahren erkennen. Sodexo habe die Vorgaben erfüllt und etwa die Auswahl zwischen verschiedenen Menüs und einen hohen Bioanteil zugesagt. Die Cantina Buen Barrio habe hingegen in keinem Punkt restlos überzeugt.

Große Unternehmen bevorzugt?

Weber räumte aber ein, dass das Vergabesystem größere Unternehmen begünstige. Sie könnten günstigere Angebote machen und hätten mehr Kapazitäten, umfangreiche Bewerbungen abzugeben. Die Dezernentin sprach sich dafür aus, das System zu überarbeiten, auch mit Hilfe des Frankfurter Ernährungsrats, der sich solidarisch mit der Gesamtschule zeigte und neue Ausschreibungskriterien für die Vergabe der Kita- und Schulverpflegung forderte.

Doch das wird der IGS Nordend zumindest kurzfristig nicht helfen. Dominike Pauli, Fraktionschefin der Linken, griff Weber deshalb scharf an. Die Kriterien für die Vergabe der Essensversorgung an der IGS Nordend seien falsch festgelegt worden. Weber habe sich „ohne Not in diese Situation manövriert: Sie haben es versemmelt.“ 

Birgit Ross (Grüne) unterstützte die Schulgemeinde. Konkrete Ideen, die Cantina noch zu erhalten, äußerte sie im Ausschuss aber nicht. Manfred Zieran (Ökolinx) forderte, die Essensversorgung direkt zu vergeben, also ohne Ausschreibung. Im Notfall müsse die Stadt eben Schadensersatz an Sodexo bezahlen.

Schulelternbeirätin Dietmann zeigte sich kämpferisch. „Wir haben juristisch keine Chance, genau deshalb müssen wir mit unserem Protest noch lauter werden.“ Den größten Beifall bekam aber ein Schüler, der nur eine Frage stellte: „Hat eigentlich jemand das Essen von Sodexo mal probiert?“

Ein Unternehmenssprecher von Sodexo betonte derweil im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, der Caterer werde kein fertiges Essen an die IGS liefern, sondern die Menüs vor Ort zubereiten: „So, wie es in der Ausschreibung gefordert war.“ Dem Team der Cantina Buen Barrio werde ein Angebot zur Weiterbeschäftigung gemacht. Ein Interview mit der Frankfurter Rundschau lehnte Sodexo ab. Wegen der Bieter-Rüge des bisherigen Caterers sei das Vergabeverfahren noch nicht entschieden, so dass man keine detaillierten Aussagen zum Konzept machen könne. Die Frage, ob Sodexo die Essensversorgung im Zweifel gegen den Willen der Schulgemeinde übernehmen würde, blieb somit offen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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