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Seckbach Protest gegen Lärm und Lastwagen

Die Seckbacher Anwohner demonstrieren und fordern weniger Verkehr auf der Wilhelmshöher Straße.

Demo in Seckbach
150 Menschen demonstrierten gegen den Autoverkehr. Foto: Christoph Boeckheler

Als Heinz Göppner am vergangen Montag den Zebrastreifen auf Höhe der Wilhelmshöher Straße 20 überqueren wollte, wurde er von einem Auto angefahren. „Ich war mir sicher, dass er mich gesehen hat“, erinnert sich der 79-Jährige. Er hatte noch einmal Glück: Lediglich sein linker Arm hat etwas abbekommen. Der ist jetzt in einen dicken Verband eingewickelt und liegt in einer Schlinge. „Irgendwas mit den Schleimbeuteln im Ellbogen.“

Für Göppner ist es „jedes Mal ein Abenteuer, über die Straße zu kommen“. Die vielen Berufspendler nähmen keine Rücksicht auf die Fußgänger. „Da schenkt keiner dem anderen einen halben Meter.“ Göppner glaubt, dass sich auf der Wilhelmshöher Straße, auf der Tag für Tag Tausende Pendler aus dem Osten in Richtung Innenstadt rollen, etwas ändern muss.

Damit steht Göppner nicht alleine: Rund 150 Menschen, darunter viele Kinder, protestierten am gestrigen Dienstag gegen die angespannte Situation auf der Hauptverkehrsader Seckbachs. Die Aktionsgruppe „Verkehrsberuhigung Wilhelmshöher“ hatte zu der Demonstration aufgerufen.

Um 16 Uhr trafen sich die Demonstranten an zwei verschiedenen Treffpunkten und liefen sich von den beiden Enden der Wilhelmshöher Straße entgegen. Vor der Mariengemeinde trafen sich die Demonstrationszüge zur Abschlusskundgebung.

Viele Teilnehmer trugen selbstgemalte Schilder mit Sprüchen wie „Autoverkehr, Lärm, Dreck, Gestank machen die Seckbacher krank“ oder „Weil die Politik uns ignoriert, wird wieder demonstriert“. Einige trugen zudem T-Shirts mit der Aufschrift „Wir warten nicht auf den ersten Toten“. Der Demonstration schloss sich auch Ortsvorsteher Werner Skrypalle (SPD) an.

Anja Sieger wohnt seit acht Jahren in einem Fachwerkhaus auf der Wilhelmshöher Straße. „Wir kriegen hier jeden Tag den Berufsverkehr ab“, sagt sie. Man könne sich auf der Straße kaum noch verständigen. Sie fordert, dass der Verkehr grundsätzlich reduziert wird, etwa indem auf der Wilhelmshöher Straße Bremsschwellen verlegt werden. „Das ist hier ein Lebensbereich“, sagt Sieger.

Die Aktionsgruppe Verkehrsberuhigung sieht das ganz ähnlich. Auf lange Sicht fordern die Aktivisten eine Entlastung der Wilhelmshöher Straße durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Kurzfristig wären sie schon mit einem dauerhaften Blitzer sowie einem kontrollierten Durchfahrtsverbot für Lastwagen zufrieden.

Bonny Fischer, Mitgründerin der Gruppe, kritisierte in ihrer Rede bei der Abschlusskundgebung die Stadt: Die Probleme seien lange bekannt, doch es passiere nichts. „Die Haltung des Magistrats ist grenzwertig, er sitzt die Probleme einfach aus“, sagte Fischer.

Zumindest vorübergehend war auf der Wilhelmshöher Straße für Autos kein Durchkommen. Gegen 18 Uhr gaben die Demonstranten die Straße wieder für Fahrzeuge frei.

Mit dem Verlauf zeigte sich Fischer zufrieden: „Es hätten mehr Leute sein können, aber es war trotzdem ein Erfolg.“ Nach den Sommerferien will die Aktionsgruppe weiter demonstrieren. Als nächstes Ziel gab Fischer den Römer aus. „Wenn die Verantwortlichen aus dem Römer nicht zu uns kommen, dann kommen wir halt zu ihnen.“

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