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Seckbach Beschwerliche Anreise für alte Trecker

Nur wenige Oldtimer-Traktoren schaffen es in diesem Jahr zum Treffen am Mainäppelhaus.

Familienfest mit Traktorschau
Zum Gucken gab es trotzdem was: Altes Ackergerät übt gerade auf Großstadtkinder eine besondere Faszination aus. Foto: Monika Müller

Rund 20 Oldtimer-Traktoren hätten es werden sollen. Doch auch eine Stunde nach Beginn des Traktorfestes stehen lediglich drei Traktoren sowie zwei Transportfahrzeuge und ein Mähdrescher auf dem Grundstück des Mainäppelhauses am Lohrberg. Als „Oldie“ zählt dabei wohl nur der Traktor der Marke „John Deere Lanz“ aus dem Baujahr 1966 – die anderen Modelle sind jüngeren Ursprungs.

Aus Gründau, Büdingen, Gettenbach und Eidengesäß wollten die Traktor-Liebhaber der „Interessengemeinschaft historische Landmaschinen“ anreisen um ihre Schätze am Mainäppelhaus vorzuführen. Doch eine Verkettung unglücklicher Umstände machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Da war zunächst der Ironman: Die Traktorfest-Organisatoren hatten nicht bedacht, dass viele Landstraßen in Richtung Frankfurt wegen dem Rennen gesperrt sind. Viele fuhren nicht los, weil selbst kurze Umwege die langsamen Oldtimer-Traktoren viel Zeit kosten würden. Andere blieben Zuhause, weil sie wegen den hohen Temperaturen in diesem Jahr früher als sonst zur Ernte ausrücken mussten.

Und auch bei denen, die sich auf den Weg machten, lief es nicht rund. „Zylinderkolbenexplosion“ lautet die Diagnose, die Gerhard Weinrich, Vorsitzender des Mainäppelhauses, um kurz vor 11 Uhr per Telefon von einem Traktoristen, der trotz aller Widrigkeiten kommen wollte, hört. „Zylinderkolbenexplosion“ – das hört sich auch für Traktor-Laien nach einem anderen Wort für „Totalschaden“ an. „Der kann nur noch abgeschleppt werden“ bestätigt Weinrich, der selbst Obstbauer ist.

Kolben explodiert

„Ein bisschen Enttäuschung schwingt mit“, sagt der 70-Jährige. Im Jahr 2010 lud das Mainäppelhaus erstmals in Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft für historische Landmaschinen zur Traktorschau. Seitdem findet das Fest alle zwei Jahre statt.

Trotzdem versuchen die Mainäppelhaus-Betreiber das Beste aus dem Tag zu machen. Die sechs aufgereihten Maschinen stammen aus Weinrichs Privatbesitz und werden vom Mainäppelhaus für anfallende Arbeiten, wie die Apfel- oder Kirschernte, genutzt. Dass sie keine Oldtimer sind, ist vor allem den kleinen Gästen egal.

Mit großen Augen werden die Riesenmaschinen bestaunt und beäugt – so nahe kommt man Traktoren in der Großstadt eben nicht alle Tage. Selbst ans Steuer kann der Nachwuchs beim Bobbycar-Parcours, der etwas abseits von den aufgereihten Traktoren aufgebaut wurde.

Dann wird es doch nochmal kurz laut: Gegen 11.30 Uhr knattert Dietmar Marquardt mit seinem weißen Mercedes Benz, Baujahr 1953, vor das Mainäppelhaus. Der Oldtimersammler wohnt in der Stadt Erlensee, rund 25 Kilometer von Frankfurt entfernt. Eigentlich wollte er mit einem Traktor aus dem Baujahr 1936 anreisen. „Schade, dass das wegen dem Ironman nicht geklappt hat“, sagt Marquardt. Der gesperrten Landstraße konnte er mit seinem Mercedes immerhin über die Autobahn ausweichen.

Währenddessen füllt sich der Biergarten langsam aber sicher: Äppler, Handkäs und Bratwurst schmecken den Gästen offensichtlich auch ohne Traktor-Sound im Hintergrund. Schließlich macht es sich auch Weinrich mit einem Äppler auf einer Bank gemütlich. Nachholen möchte er das Traktorfest in diesem Jahr nicht mehr. „An den Wochenenden sind wir schon ziemlich ausgebucht“, sagt er. „Und bald geht die Apfelernte los.“ Da freue er sich dann auch mal über einen ruhigen Sonntag.

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