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Schulen in Frankfurt Lernen an der Tunnel-Baustelle

Die Pestalozzischule im Frankfurter Riederwald erhält trotz des Baus des Riederwaldtunnels keine vergrößerte Lärmschutzwand. Laut Gutachten seien die Kosten dafür „unverhältnismäßig“.

Die Pestalozzischule in Frankfurt-Riederwald
Die Pestalozzischule in Frankfurt-Riederwald ist von den Baumaßnahmen für den Riederwald-Tunnel betroffen. Foto: Peter Jülich

Die geplante Lärmschutzwand an der Pestalozzischule soll während des Baus des Riederwaldtunnels nicht länger und höher als bislang vorgesehen werden. Das geht aus einem Zwischenbericht des Magistrats hervor, der im Stadtteil für Ärger sorgt. Gutachter hätten geprüft, ob die Wand, wie von der Stadtverordnetenversammlung gefordert, um 260 Meter in Richtung Westen verlängert und auf zehn Meter erhöht werden kann. Dadurch sei jedoch mit Mehrkosten von rund 1,27 Millionen Euro zu rechnen, die „unverhältnismäßig“ seien.

Zudem müsste durch die verlängerte Lärmschutzwand die Haenischstraße gesperrt werden, die als Zufahrt zur Pestalozzischule und zur Vatterstraße diene, heißt es in dem Schreiben des Magistrats. Nötig werde dadurch eine alternative Zufahrt, durch die der Schulweg um rund 700 Meter verlängert werde.

Der Bau des Riederwaldtunnels soll voraussichtlich 2020 starten. Die Bauzeit wird auf sieben Jahre veranschlagt. Während der Arbeiten wird mit Überschreitungen der Lärmgrenzwerte gerechnet. 

Umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen 

Um den Krach für die Schule zu reduzieren, ist dem Zwischenbericht zufolge zwischen Haenisch- und Flinschstraße eine 380 Meter lange und sechs Meter hohe Lärmschutzwand vorgesehen. Eine weitere, drei Meter hohe Barriere sei direkt an der Baugrube geplant. Ergänzend sollen an der Süd- und Westfassade Schallschutzfenster eingebaut werden. Dadurch sei bei geschlossenen Fenstern ein „ungestörtes Lernen möglich“.

Untersucht hätten Gutachter der Straßenbaubehörde Hessen Mobil dem Bericht zufolge zudem, ob die Grundschule eine Lüftungsanlage erhalten soll. Empfohlen werde jedoch Stoß- beziehungsweise Querlüften – „auch aus energetischen Gründen“. Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich jedoch für den Einbau einer Belüftungsanlage ausgesprochen. Die fordert auch die Leiterin der Pestalozzischule, Miriam Boiar. Ohne eine Lüftung müssten die Schüler während der Bauphase entweder unter Lärm oder Hitze leiden. Zudem könne an der Schule gar nicht richtig gelüftet werden. Nötig seien dafür Umbauten, die jedoch aus Gründen des Denkmalschutzes nicht möglich seien.

Boiar ist schockiert von dem Zwischenbericht. Er mache deutlich, dass der Stadt die Kinder im Riederwald ganz egal seien. „Wir haben keine Lobby.“ Die Schulgemeinde fühle sich im Stich gelassen. Viele Schüler wohnten an der Straße Am Erlenbruch, „die haben den Lärm dann von morgens bis abends“, so die Rektorin, „das ist nicht witzig“.

„Wir sind bitter enttäuscht“, sagt auch der Sprecher der Bürgerinitiative Riederwald, Rainer Frey. Die Römerkoalition habe sich sowohl für die Verlängerung der Lärmschutzwand als auch für eine Lüftungsanlage ausgesprochen. Dass der Magistrat jetzt nicht umsetze, was politisch gefordert werde, könne er nicht nachvollziehen.

Hessen Mobil habe berechnet, dass während der Bauzeit des Tunnels die Lärmgrenzwerte massiv überschritten werden, so Frey. Dadurch sei die Schule, das Außengelände als auch die dortige Kita über mehrere Jahre von Krach betroffen. „Das heißt die Kinder haben beim Lüften Lärm, wenn sie in der Pause sind und in der Nachmittagsbetreuung. Das ist unerträglich!“ Seiner Ansicht nach könne die Schule ohne zusätzlichen Schutz während der Bauzeit nicht genutzt werden. „Dann muss eine Ausweichfläche her.“ Die BI möchte sich mit dem Bericht nicht zufrieden geben. „Wir werden in die Fachausschüsse gehen“, sagt Frey.

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) stehe nach wie vor dazu, dass die Pestalozzischule vor Baulärm geschützt werden müsse, sagt ihre Sprecherin Jetta Lüdecke. „Wir hoffen, dass der abschließende Bericht eine andere Haltung haben wird.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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