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Römerbriefe Müllferkel an den Altstadt-Pranger

Schergen in historischen Kostümen, die zur Altstadt-Eröffnung Müllsünder an den Pranger stellen: Ein tolles Modellprojekt, unterstützt vom Verein der Altstadtfreunde – sie haben sich nicht lumpen lassen. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Neue Frankfurter Altstadt
So geleckt sieht die neue Frankfurter Altstadt sicher nicht lange aus - im Hintergrund die Rekonstruktion “Goldenes Lämmchen“. Foto: Renate Hoyer

Unsere geliebte Stadt Frankfurt erstickt im Abfall. Wir kennen alle die regelmäßigen Hilferufe unserer tapferen Umweltdezernentin („Ich bin pleite“) Rosemarie Heilig. Die wehrhafte Grüne ist entschlossen, sich nicht länger auf der Nase herumtanzen zu lassen.

Da gibt es die Parks, die längst zu Deponien für Kronkorken und Altglas herabgesunken sind. In denen große, schwarz verkohlte Löcher die beliebtesten Grillplätze markieren. Und Reifenspuren präzise anzeigen, dass die Parkbesucher am liebsten mit dem Auto direkt ins Grün fahren.

Wir wollen an dieser Stelle gar nicht über die Mainufer sprechen, die sich gerade im Sommer zur dauerhaften Mülldeponie wandeln. Nein, was dem Ganzen jetzt die Krone aufgesetzt hat: Der Abfall hat die neue Altstadt erreicht. Also das wunderbare Quartier zwischen Dom und Römer, in dem Frankfurt nach (fast) einhelliger Meinung der Politiker im Römer sein Herz wiedergefunden hat. Neuerdings, die FR hat es natürlich als Erste berichtet, finden sich hier nicht nur Bonbonpapierchen auf dem Boden, nein, auch Fäkalien (!).

Zum Glück gibt es die städtische Dom-Römer GmbH mit ihrem engagierten Geschäftsführer Michael Guntersdorf. Er nämlich hat gemeinsam mit der Umweltdezernentin das Modellprojekt ausgeknobelt, das in der Sitzung des städtischen Sonderausschusses Dom-Römer am 20. August vorgestellt werden soll.

Finanziell möglich gemacht wird das Ganze durch die großzügige finanzielle Unterstützung des Vereins der Altstadtfreunde – sie haben sich nicht lumpen lassen. Der Verein hat auch das Motto der Aktion ausgearbeitet: „Müllferkel an den Pranger“.

Die ganze Sache läuft so: Bei der offiziellen Eröffnungsfeier der Altstadt vom 28. bis 30. September wird die Dom-Römer GmbH zum ersten Mal Schergen in historischen Kostümen ausschwärmen lassen. Sie werden mit Argusaugen das Verhalten des Gelichters – äh, der Besucher – beobachten.

Und sobald jemand das erste Bonbonpapierchen, die erste Pommestüte, den ersten Zigarettenstummel fallen lässt, heißt es: Ab an den Pranger! Die Altstadtfreunde finanzieren erst mal neun elegante Nachbauten historischer Prangermodelle auf dem Hühnermarkt. Die Handwerker konnten hier auf alte Konstruktionspläne zurückgreifen, die sich im Fundus des Historischen Museums fanden.

Geschäftsführer Guntersdorf will einen Katalog präsentieren, in dem genau festgelegt ist, für was wie lange am Pranger gestanden werden muss.

Auch der Gestaltungsbeirat für die Altstadt wird ein Wörtchen bei diesem Volksvergnügen mitreden. Hier geht es vor allem um ästhetische Fragen: Passt die Aktion farblich ins Ambiente des Hühnermarkts?

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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