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Rock gegen rechts in Frankfurt Mit Rockmusik gegen Rechtsextremismus

Bei Rock gegen rechts in Frankfurt finden sich Tausende Menschen zusammen, um gegen Rassismus und Nazis zu demonstrieren. Viele zeigen sich beunruhigt, über die Lage im Land.

Rock gegen Rechts
Shantel (r.) trat als Letzter auf und heizte dem Publikum noch mal richtig ein. Foto: Rolf Oeser

Als die Sonne am Samstag schon untergegangen war und der Frankfurter Opernplatz nur noch von künstlichen Lichtern erhellt wurde, kuschelten sich die vielen Tausend Menschen noch mal dicht zusammen und tanzten fröhlich umher oder schwangen die Hände im Takt der Musik. Sänger Shantel und das Bucovina Club Orkestar hatten die Massen noch mal richtig gepackt – der Platz rund um die Bühne war brechend voll.

Der „Rock gegen rechts“ auf dem Opernplatz war zwar schon lange geplant, hatte im Vorfeld durch die Ausschreitungen in Chemnitz aber nochmals an Bedeutung gewonnen. In fast allen Reden wurden die Vorkommnisse in der sächsischen Stadt thematisiert und häufig solidarisierten sich die Redner mit den demokratieliebenden Menschen in Chemnitz.

Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags und Mitglied der Grünen, brachte ihre Botschaft am mitreißendsten an die Menschen. Es brauche in diesen Tagen wieder Rock gegen Hass, Hetze und Extremismus. „Nicht mit uns“, schrie sie ins Mikrofon und warnte davor, die Unruhestifter von Chemnitz als Chaoten zu bezeichnen – es seien organisierte Rechtsextreme, die auch keine Opfer seien, sondern Täter. Roth erinnerte daran, dass diese Problematik nicht nur ein sächsisches Problem sei. Überall im Land nähmen die Spaltung und die Anfeindungen zu. „Im Bundestag wollen manche einen Schlussstrich ziehen, das darf nicht sein“, rief die Grünen-Politikerin.

Die Menschen in Deutschland hätten wieder Angst, weil es zu gezielten Angriffen komme. „Nach dem Angriff auf die Menschlichkeit folgt der Angriff auf den Menschen“, warnte Roth. Sie appellierte aufzustehen gegen den Hass und sagte: „Wir sind viel, viel, viel, viel mehr!“

Wie viele genau auf dem Opernplatz waren, da schwanken die Zahlen zwischen 6000, wie die Polizei angab, und 15 000, die der Veranstalter im Laufe des Tages gesehen haben wollte. Egal, welche Zahl am Ende stimmt, Fakt ist, dass es viel zu wenige waren – darin waren sich viele im Publikum und auf der Bühne einig.

Dietmar Walter aus Limburg sagte: „Es ist sehr wichtig, dass die Leute heute hier sind, aber sind noch zu wenige.“ Der Limburger hatte sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das T-Shirt noch mal aus dem Schrank hole“, erzählte er und zeigte auf sein „Refugees welcome“-Shirt. Die Vorkommnisse in Chemnitz, aber auch der Rechtsruck in Europa hätten ihn sehr beängstigt. Im Radio habe er dann zufällig von „Rock gegen rechts“ gehört und für ihn sei klar gewesen, dass er nach Frankfurt müsse. Auch bei „Pulse of Europe“ am Sonntag werde er mit dabei sein, sagte er. Er war sich sicher, dass solche Ausschreitungen überall und jederzeit passieren könnten, deswegen müsse man nun ein Zeichen setzen.

Auch Günter Burkhardt vom Verein Pro Asyl freute sich über jeden, der bei „Rock gegen rechts“ dabei war, war aber auch traurig angesichts der Tausenden, die eben nicht auf dem Opernplatz waren. „Die Rechten besetzen die Straße, da reicht es nicht, wenn wir heute einmal auf die Straße gehen – es muss weitergehen.“ Niemand solle sich jetzt bequem zurücklehnen.

Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt, meldete sich per Videobotschaft bei den Besuchern. Momentan sei es eine schwierige Zeit im Land. Fischer ermutigte die Anwesenden, aufzustehen und sich gegen die Rechten zu wehren. Eine gute Möglichkeit dazu sei die Landtagswahl im Oktober. Jeder müsse mobilisiert werden, um den Rechtspopulisten bei der Wahl nicht das Feld zu überlassen.

Im Publikum stehen Alex und Nora aus dem Frankfurter Dornbusch. Sie seien bewusst zum Opernplatz gekommen, um Position gegen die Rechten zu beziehen. „Es ist wichtig, etwas gegen den aufkommenden Rechtspopulismus zu tun“, sagte Alex. Er finde es gut, dass sich der Widerstand jetzt formiere. Nora fand es gut, dass so viele gekommen waren und freute sich, dass besonders so unterschiedliche Altersgruppen zusammengefunden haben und eine Botschaft gegen Rassismus senden.

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