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Riederwald Siedlung im Sumpfgebiet

Bereits 1910 entstanden die ersten Häuser für Arbeiter im Frankfurter Stadtteil Riederwald. Und noch immer hallt das Echo nach.

Torbogen Schäfflestrasse Frankfurt-Riederwald
Der Torbogen Schäfflestraße stellt für viele den Zugang zur Siedlung dar. Foto: Peter Jülich

Früher, so erzählt man im Riederwald, gab es jeden Verein doppelt: Einmal für die Sozialdemokraten und einmal für die Kommunisten. Abends traf man sich im Volkshaus und schlug sich im Streit um den richtigen politischen Kurs gegenseitig die Köpfe ein. Die Anekdote zeigt: Die Geschichte des Riederwalds ist auch die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.

Das lässt sich an den Straßen ablesen. Viele sind nach den großen Denkern der Arbeiterbewegung benannt: Karl Marx, Friedrich Engels, Ferdinand Lassalle. Aber auch nach denjenigen, die während des Nationalsozialismus Widerstand leisteten und ermordet wurden: Johanna Tesch zum Beispiel, die im März 1945 im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück starb.

Im Jahr 1910 baute der Volks- Bau- und Sparverein (VBS), damals die größte Baugenossenschaft Hessens, die ersten Wohnhäuser im Riederwald. Auf dem einstigen Sumpfgebiet sollte Wohnraum für die Arbeiter des neu entstandenen Industriegebiets am Osthafen entstehen. Rund 35 Mark kostete die monatliche Miete für eine Zweizimmerwohnung damals.

Unter dem Architekten und Städteplaner Ernst May wuchs die Siedlung in den 1930er Jahren: Rund um die Lassallestraße entstanden mehr als 300 Ein-, Zwei-, und Mehrfamilienhäuser nach einem Gesamtentwurf des Sozialreformers. May wollte nicht nur billigen Wohnraum schaffen, sondern durch seine Bauweise die Lebensqualität der Arbeiter verbessern. So waren alle Wohnung im Riederwald mit einem eigenen Bad, Ofenheizung sowie Gärten oder Balkon versehen.

Während dieser Zeit gründeten die Bewohner des Riederwalds eigene Turn- und Sportvereine: Etwa den „Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität“ oder die „Freie Turnerschaft Riederwald“. Bei der ersten Arbeiterolympiade, die im Jahr 1925 in Frankfurt stattfand, nahmen auch Sportler aus dem Viertel teil.

Die Arbeiterbewegung ist inzwischen passé, aber ihr Echo hallt nach. Der gemeinschaftliche und soziale Charakter, der durch die Gärten der Wohnhäuser entstanden ist, prägt das Viertel bis heute. Auch das Engagement für den Stadtteil hat sich gehalten. Manch älterer Anwohner bezeichnet den Riederwald heute noch als „gallisches Dorf“.

Gründe um aktiv zu werden, gibt es aus der Sicht der Anwohner viele. Vor allem der geplante Bau des Riederwaldtunnels bereitet den Anwohnern Sorgen: Sie befürchten Lärm und Schadstoffe. Außerdem wurde in den letzten Jahren viel Infrastruktur dichtgemacht. Manche fühlen sich deshalb von den Verantwortlichen in Stadt und Land im Stich gelassen.

Gründe, um aktiv zu werden, gibt es aus der Sicht der Anwohner viele. Vor allem der geplante Bau des Riederwaldtunnels bereitet den Anwohnern Sorgen: Sie befürchten Lärm und Schadstoffe. Außerdem wurde in den letzten Jahren viel Infrastruktur dichtgemacht. Manche fühlen sich deshalb von den Verantwortlichen in Stadt und Land im Stich gelassen.

 

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