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Riederwald Retter verderblicher Waren

Rosi Reul und ihre Helfer verteilen ausrangierte Lebensmittel an Bedürftige. Mehr als 20 Menschen kommen jeden Dienstag an die Heilig Geist-Kirche, um sich mit Obst und Gemüse, Wurst und Käse einzudecken.

Lebensmittelretterin
Lebensmittelretterin Rosi Reul an der Heilig Geist-Kirche, Schäfflestraße 19. Foto: Rolf Oeser

Wir sind Lebensmittelretter, nicht die Frankfurter Tafel“, sagt Rosi Reul. Das heißt: Nicht nur Sozialhilfeberechtigte dürfen jeden Dienstag an die Heilig-Geist-Kirche in der Schäfflestraße kommen, um sich mit Waren des täglichen Bedarfs einzudecken. Alle sind willkommen – zumindest jene, die die Produkte tatsächlich verzehren.

Denn Reul geht es weniger um Bedürftigkeit als um Nachhaltigkeit. „Es geht darum, dass die Produkte auch gebraucht werden“, sagt die Riederwälderin. Viele Lebensmittel würden verschwendet. Sie möchte dagegen ankämpfen: Lieber teilen als wegwerfen, lautet ihr Motto.

Zwischen 35 und 40 Kisten stehen jeden Dienstagmorgen an der Rückseite der Kirche bereit. Am Abend zuvor nehmen Helfer sie in Empfang, sortieren und richten sie her. Zum Angebot zählen Obst und Gemüse, Wurst und Käse, Joghurts und Brot, Tütensuppen und Pflegeprodukte. „Wir haben verschiedene Abholer“, erklärt Reul. Alle treffen sich an der Kirche.

Die ausrangierten und kurz vor dem Verfallsdatum stehenden Lebensmittel stammen aus Supermärkten in der Umgebung. Vor allem zur Ferienzeit ist das Angebot groß. „Viele Marktkunden sind im Urlaub“, erklärt Reul. „Deshalb gibt es viel Ware, die übrig bleibt.“

Auf den Geschmack gekommen ist sie über den Verein „Food-sharing“. Auf der gleichnamigen Internetplattform können Privatpersonen, Händler oder Produzenten Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden, kostenlos anbieten oder abholen. Reul gefiel die Idee – und machte sich selbstständig. „Es ist unglaublich arbeitsintensiv und eine Kraftanstrengung, die vielen Kisten zu transportieren.“

Die Arbeit könnte sogar noch zunehmen. Reul möchte einen Mittagstisch im Gemeindesaal der Heilig-Geist-Kirche etablieren, kombiniert mit einer Kleiderausgabe auf dem Vorplatz. Derzeit verhandelt sie mit der Gemeinde über die Modalitäten. „Es ist noch Zukunftsmusik“, sagt sie.

Von daher zurück zu den Lebensmitteln: Mehr als 20 Bedürftige kommen jeden Dienstag an die Kirche, um sich einzudecken. Dafür bezahlen sie einen symbolischen Euro, denn die Helfer organisieren die Waren in ihren eigenen Fahrzeugen. „Abends ist meistens alles weg“, berichtet Helferin Ricarda Grünberg. Sie ist zufrieden: „Die Leute gehen immer mit einem Lächeln nach Hause.“

Drei Kühlschränke

Gemeinsam mit Esther Höxtermann verteilt sie die Lebensmittel – in einem kleinen Raum, in dem drei Kühlschränke, ein Regal und eine Spüle Platz finden. „Jetzt kommen die ganz feinen Sachen“, sagt Grünberg und trägt Rosinenbrot zu den wartenden Menschen herüber. Die freuen sich darüber.

Zu den regelmäßigen Konsumenten gehört Anita. „Ich komme seit Weihnachten jeden Dienstag“, sagt die Riederwälderin. Sie nimmt mit, was verfügbar ist. Weil ihr Partner Sven aus gesundheitlichen Gründen arbeitslos sei, fehle es der Familie an Geld, um gut über die Runden zu kommen. Zumal auch noch zwei eigene Kinder im Alter von zehn und 16 Jahren versorgt werden müssten. „Die haben auch Ansprüche“, sagt Anita. Von daher freut sie sich über die Lebensmittelretter. „Ich bin für jede Hilfe dankbar.“

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