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Riederwald Kinder- und Jugendbibliothek vor dem Aus

Das Familienzentrum möchte die Kinder- und Jugendbücherei „Leseratte“ an der Schäfflestraße über eine Spenden-Kampagne retten.

Büchereien in Frankfurt
In der Riederwaldsiedlung werden Kinder bald weniger Anreize zum Lesen haben. Foto: peter-juelich.com

Wer in der Riederwaldsiedlung ein Buch ausleihen möchte, hat es nicht leicht. Die Stadtteilbibliothek dort hat vor sechs Jahren geschlossen. Der Büchereibus soll künftig nur noch 60 statt wie bisher 90 Minuten dort stoppen – nun droht auch der „Leseratte“ das Aus. 

Bislang werde die Kinder- und Jugendbücherei, die zum Kinder- und Familienzentrum (Kifaz) Riederwald gehört, über Spenden und das Zentrum Bildung der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau finanziert, sagt Kifaz-Leiterin Barbara Rettemeier. Das Zentrum habe angekündigt, seine Zahlungen einzustellen. Könne keine neue Geldquelle aufgetan werden, müsse die Einrichtung an der Schäfflestraße spätestens im kommenden Sommer schließen. Dabei werde nur eine kleine vierstelliger Summe benötigt. Die Bibliothekarin erhalte nur eine Aufwandsentschädigung. 

Die Leseratte sei das letzte kostenfreie kulturelle Angebot im Stadtteil, sagt Pfarrer Fred Balke von der Philippusgemeinde, dem Träger. Dort könnten die Kinder lernen mit Büchern umzugehen und ihren Horizont erweitern. Durch die Schließung werde der Riederwald „weiter in die Isolation getrieben“, so Balke. 

Im Stadtteil werde wenig für die Bildung geboten. Dementsprechend gebe es auch „keine Bildungserfolge“. Welche Gefahren eine Entwicklung birgt, in der sich die Menschen immer mehr vernachlässigt fühlen, habe sich bei den Wahlen gezeigt, sagt Rettemeier. „Auch und gerade im Riederwald.“ Die Siedlung zählt zu den Stadtteilen, in denen die AfD in Frankfurt am meisten Stimmen holen konnte. 

Die Bücherei erfreue sich großer Nachfrage, so die Kifaz-Leiterin. Mehr als 200 Kinder und Jugendliche im Stadtteil hätten einen Leseausweis. Auch an Literatur mangele es nicht. Der Büchereibus sei für viele keine Alternative, da er nur einmal die Woche mittags komme. „Für Berufstätige ist das eine sehr ungünstige Zeit.“ 

Um die Leseratte zu retten, hat das Kifaz eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. „Es kann doch nicht sein, dass in Frankfurt jedes Jahr eine Buchmesse stattfindet, für die Unsummen ausgegeben werden, während gleichzeitig den Lesern von morgen der Zugang zu eben jenen Büchern entzogen wird“, sagt Felix Mayer, der zusammen mit Rettemeier das Kifaz leitet. 

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