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Riederwald Immer weniger Infrastruktur

Im Frankfurter Stadtteil Riederwald ist in den letzten Jahren viel Infrastruktur weggebrochen. Ehrenamtliche versuchen, die Lücken auszufüllen. Sie vermissen vor allem einen Versammlungsraum.

Protest gegen Sparkassenschließung
Rainer Frey und Hanna Letsch von der BI Riederwald ärgern sich über die Politik der Sparkasse. Foto: peter-juelich.com

Wenn die Sparkasse dichtmacht, verliert sie viele Kunden. Da ist sich Hanna Letsch sicher. Die 89-jährige lebt in einer Seniorenwohnanlage in der Schulze-Delitsch-Straße im Riederwald. Die Schließung der Sparkasse an der Schäfflestraße ist hier ein großes Thema. Ende Juli soll die Filiale dichtgemacht werden, nur ein Bankautomat und ein Kontoauszugsdrucker sollen bleiben. Als Ersatz für den Standort im Riederwald, eröffnet die Sparkasse zum 1. August eine Filiale mit Beratungsschalter im Hessencenter.

„Die Leute sind richtig betroffen, das hinterlässt Spuren“, sagt Rainer Frey, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Riederwald. Vor allem Ältere sowie Menschen, die nicht so gut Deutsch sprechen, seien auf die Berater angewiesen. Der Weg ins Hessencenter sei zu weit. Innerhalb von zwei Wochen sammelte die BI mehr als 600 Unterschriften für den Erhalt der Sparkasse, auch der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sprach sich gegen die Schließung aus.

Dabei reiht sich der Wegfall der Sparkasse in das Gefühl vieler Riederwälder ein, von den Verantwortlichen in der Stadt vergessen zu werden. Tatsächlich ist in den letzten Jahren viel Infrastruktur weggebrochen. Angefangen hat es mit dem Abriss des „Haus Riederwald“ im Jahr 1999. „Dort gab es Räume für Vereinstreffen und einen großen Saal“, erinnert sich Letsch. Im selben Jahr wurde die Postfiliale in der Rümelinstraße geschlossen. Ende 2011 kam der nächste Paukenschlag: Die Stadtteilbücherei wurde dichtgemacht. „Das war schon holzhammermäßig“, erzählt Frey. Seitdem kommt einmal die Woche ein Büchereibus, aber ein gleichwertiger Ersatz ist der nicht.

Die nächstgelegene Stadtteilbücherei ist in Bornheim. Dahin zu kommen kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld: Knapp Zehn Euro zahlt Frey mit seinen drei Kindern für eine Fahrt. Auch Sparkassenkunden die ins Hessencenter fahren, weil sie auf Berater angewiesen sind, müssen in Zukunft für Bahntickets in die Tasche greifen. „Wenn hier schon Infrastruktur gestrichen wird, sollte der Nahverkehr günstiger werden“, sagt Frey.

„Hier wohnen halt nicht so viele Professoren und Lehrer, die sich mit Klagen wehren können“, glaubt der BI-Sprecher. Dafür gibt es im Riederwald umso mehr Menschen, die durch ihr Engagement versuchen, die Lücken zu stopfen. Allen voran die BI Riederwald. Rund 20 Aktive setzen sich für die Belange des Viertels ein.

Es gibt noch andere: Als Ersatz für die Stadtbibliothek betreibt das Kinder- und Familienzentrum in seinen Räumen die Kinderbücherei Leseratte.

Auch die „Teachers on the Road“ sind im Riederwald aktiv: In den Räumen der Philippusgemeinde von Pfarrer Fred Balke unterrichten die Ehrenamtlichen Geflüchtete und helfen ihnen beim Ankommen. Die Riederwälderin Rosi Reul sammelt Lebensmittel, die von den Supermärkten aussortiert werden und vergibt sie an Bedürftige, die „Initiative Stadtteiltreff“ lädt jeden Sonntag zum Cafétreff ins Heinz-Ziemer-Haus.

Einmal im Jahr treffen sich alle Ehrenamtlichen und Aktive beim Stadtteilforum, das vom Quartiersmanager Sebastian Wolff organisiert wird. Beim letzten Zusammenkommen hätten viele den Wunsch nach einem großen Stadtteilzentrum im Viertel geäußert, erzählt Wolff. „Ein gemeinsamer Raum würde uns hier enorm weiterhelfen.“

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