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Riederwald Im Rollstuhl den Filzball jagen

Hinter dem Fußballstadion lädt die Tennisabteilung von Eintracht Frankfurt erstmals zum „Tag der Inklusion“ ein.

Rollstuhltennis
Beim Tag des Behindertensports wird auch Rollstuhltennis gezeigt. Zakarias (9) spielt den Ball. Foto: Michael Schick

Benaja und Zakarias sind am Montag die heimlichen Stars auf der Tennisanlage am Riederwald. Die Tennisabteilung von Eintracht Frankfurt hat erstmals zum „Tag der Inklusion“ eingeladen. Die beiden Jungen sitzen im Rollstuhl. Das hat sie nicht davon abgehalten vor rund einem Jahr mit dem Tennis anzufangen. Im Gegenteil: Die „Bewegung“, sei das Schönste an dem Sport, sagt der siebenjährige Benaja. Am schwierigsten sei „den Ball zu treffen“, bemerkt der neunjährige Zakarias trocken. Mit Trainerin Jana Müller hauen sie sich auf roter Asche die neongelben Filzbälle um die Ohren.

Zimperlich geht die 21-Jährige nicht mit ihnen um, und so gibt es auch den einen oder anderen verbalen Schlagabtausch, wenn die Jungen finden, die Trainerin habe ihnen unerreichbare Bälle zugespielt. Immerhin: Die beiden sitzen in Sport-Rollstühlen, Müller steht und kann rennen. Sie berichtet später: „Die beiden Tennis-Cracks sind so motiviert und dadurch leicht im Umgang.“ Auch nach dem Training. Ohne Murren sammeln sie die Bälle ein und richten den Sandplatz, indem sie sich den breiten Rechen an ihre Rollstühle binden lassen.

Benaja sitzt genauso wie Zakarias wegen Osteogenesis Imperfecta, umgangssprachlich Glasknochen-Krankheit genannt, im Rollstuhl. Tennis sei keine Kontaktsportart, deshalb könne Benaja sie ausführen, berichtet Vater Nils Fastenrath. Sein Sohn habe einen ausgeprägten Bewegungsdrang, den er im Rollstuhl nicht immer stillen könne. „Wir versuchen alles an Bewegung zu ermöglichen, weil er die braucht“, sagt Fastenrath. Neben Schwimmen würde Benaja auch Rad fahren. Dazu habe er ein spezielles dreirädriges Liegerad.

Michael Otto, Leiter der Tennis-Abteilung bei der Eintracht, hat den „Tag der Inklusion“ ins Leben gerufen, um „Brücken zu bauen“. Gleichzeitig wolle er „Berührungsängste abbauen“, so der 44-Jährige. Neben Benaja und Zakarias trainierten ein weiterer Rollstuhlfahrer sowie ein geistig behinderter Sportler im Verein. Daneben gebe es neun blinde oder stark sehbehinderte Tennisspieler. Diese spielten mit einem Softball, der mit Metallkügelchen gefüllt sei, sodass man seinen Aufprall hören könne. Im Gegensatz zu den Rollstuhlfahrern, die auf den normal großen Feldern trainierten, sei ihr Spielfeld kleiner und der Ball dürfe vor dem Schlag zwei- statt einmal aufspringen.

Als der Deutsche Meister und Europameister der Junioren im Rollstuhl-Tennis, Anthony Dittmer, auf Hessenliga-Spieler, Sebastian Fauselow, immerhin Weltranglisten-323., trifft, ist bei den Ballwechseln kaum ein Leistungsunterschied zu erkennen. Davon zeigt sich auch Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) beeindruckt, der eigentlich gegen Dittmer spielen sollte, jedoch wegen einer Verletzung passen müsse, wie er berichtet.

Beuth sagt, das Land habe ein Referat für Inklusion sowie Behindertensport eingerichtet, fördere den Behindertensportverband und Veranstaltungen, wie die „Special Olympics Winterspiele“ in Willingen. Es sei wichtig, den „Abbau von Barrieren in den Köpfen“ zu erreichen, sagt der Minister. Zakarias wünscht sich einen Tennisplatz auf dem Hof seiner Schule. Dann könnte er allen zeigen, was er in seinem ersten Trainingsjahr gelernt hat.

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