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Radentscheid Radfahr-Aktivisten geben sich kämpferisch

Bei einer Podiumsdiskussion in Bornheim wird über die Chancen des Frankfurter Radentscheids gesprochen.

Radentscheid Frankfurt
Radfahrer in Frankfurt demonstrieren für den Radentscheid. Foto: Christoph Boeckheler

Es ist ein klares Statement, das Alexander Breit vom Radentscheid Frankfurt abgibt. „Wir werden notfalls auch klagen, auf jeden Fall“, sagte Breit am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Bornheim.

Zu der Veranstaltung eingeladen hatte die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen. Sie will auch in der eigenen Partei für mehr Radwege in Frankfurt kämpfen. Ihre Partei wolle alles in den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) stecken. „Aber wer kann sich den Nahverkehr schon leisten?“, fragte Nissen und erhielt dafür Applaus von den etwa drei Dutzend Zuhörern. Am Nachmittag hatten Aktivisten vom Radentscheid Frankfurt ihre Forderungen bereits an Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) übergeben. Oesterling sprach von einem „Achtungserfolg“, den die Initiative mit den gesammelten 40 000 Unterschriften erreicht hätte. Er lud die Radentscheid-Initiatoren zu Gesprächen ein, sobald die juristische Prüfung durch das Rechtsamt abgeschlossen sei. Breit blieb am Abend skeptisch. „Die Stadt wird uns sicherlich noch Probleme bereiten.“

Wie diese Probleme aussehen könnten, davon kann Denis Petri ein Lied singen. Er hat den Berliner Radentscheid vorangebracht. „Es war ein langer Weg bis dahin“, verriet Petri den Frankfurtern und gab auch gleich noch den Lieblingssatz der Politiker beim Vertrösten zum Besten: „Wir müssen mal schauen, was machbar ist.“ Petri vom Verein „Changing Cities“ warnte davor, sich mit Kompromissen abspeisen zu lassen. Letztlich ginge es darum, Flächen wirklich umzuwidmen: „Niemand bringt sein Kind mit dem Fahrrad zur Schule, wenn irgendwo auf der Strecke 500 Meter Radweg fehlen.“

Mit Kompromissen wird auch Sabine Crook konfrontiert werden. Sie ist vom Radentscheid Darmstadt, nach Berlin und Bamberg die bundesweit dritte Stadt, die einen Radentscheid angestrebt hat. Die Frankfurter Aktivisten haben sich ein bisschen was von den Darmstädtern abgeguckt. Die südhessischen Radler bekamen ihren Radentscheid aber zunächst mal nicht durch, die Stadt will aber trotzdem jährlich Geld in den Radwegausbau stecken. „Es ist ein Erfolg, aber man kann das Geld auch mistig verbauen“, sagte Crook und drückte damit ihre Befürchtung aus, dass die Forderung der Aktivisten möglicherweise anders umgesetzt werden könnten.

Die unliebsame Rolle der Gegenposition unter all den überzeugten Radfahrern übernahm Alexander Theiss von der IHK Frankfurt. Er erinnerte daran, dass Frankfurt viele Einpendler habe und der Enthusiasmus fürs Radfahren ab einer Strecke von zehn Kilometern abnehme. Von einer einspurigen Friedberger Landstraße auf der ja auch Busse unterwegs seien etwa, hält Theiss nichts: „Das beste Mittel zur Luftreinhaltung ist fließender Verkehr“, so Theiss im Hinblick auf die hohen Abgaswerte an der Ausfallstraße. Doch darauf ging Nissen nicht ein: „Wir müssen den Autofahrern eine Spur wegnehmen.“ 

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