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Philanthropin Jüdische Schule in Frankfurt wird erweitert

Ab kommendem Jahr wird die Lichtigfeld-Schule im Philanthropin wieder einen eigenen Abiturjahrgang haben.

Philanthropin
Die Lichtigfeld-Schule im Philanthropin will künftig auch eine Oberstufe anbieten. Foto: Peter Jülich

Es ist gut 78 Jahre her, dass zum letzten Mal Schüler an einer jüdischen Schule in Frankfurt das Abitur ablegen konnten. Ab dem kommenden Schuljahr soll dies nun wieder möglich sein. Die Lichtigfeld-Schule im Philanthropin soll dann nämlich eine eigene gymnasiale Oberstufe erhalten. Dies bestätigte der Kulturdezernent der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, Harry Schnabel, der FR.

„Wir wollen wieder dahin, wo wir vor dem Zweiten Weltkrieg waren“, betont Schnabel. 1939 hatten letztmalig am Philanthropin Schüler die Abiturprüfung ablegen können. 1942 wurde die jüdische Bildungseinrichtung durch die Nationalsozialisten endgültig geschlossen. Nach dem Krieg wurde die Lichtigfeld-Schule als Grundschule der jüdischen Gemeinde neu gegründet und später zur Ganztagsschule mit gymnasialer Sekundarstufe ausgebaut. Mitte 2006 bezog sie erneut die historischen Räumlichkeiten im Philanthropin im Nordend – bis dahin war die Schule im jüdischen Gemeindezentrum in der Savignystraße untergebracht.

Ein Teil der Schülerschaft könnte schon in naher Zukunft wieder dorthin zurückkehren – genauer gesagt in unmittelbare Nähe. Denn um im Philanthropin genug Platz zu schaffen für die künftigen Oberstufenklassen zehn bis elf, wird die Jüdische Gemeinde die Grundschule auslagern. Zu diesem Zweck soll auf dem Gelände der Internationalen Bilingualen Montessori-Schule (IBMS) in der Westendstraße ein Neubau errichtet werden. Eine Baugenehmigung und die Zustimmung des hessischen Kulturministeriums lägen bereits vor. Das Gelände schließt unmittelbar an das Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum an.

Die Gesamtkosten für die neue Grundschule beziffert Schnabel auf rund zwölf Millionen Euro, die zu etwa gleichen Teilen von der Gemeinde, der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen getragen werden. Mit dem Abriss des Gebäudes der IBMS soll im Januar 2018 begonnen werden. Im Anschluss rechnet die Gemeinde mit einer Bauzeit von 18 bis 20 Monaten.

Derzeit besuchen rund 474 Schüler die Privatschule. Rund ein Viertel davon sind nicht jüdischen Glaubens. Die Lichtigfeld-Schule ist auf G8 ausgerichtet, also auf das Abitur nach insgesamt zwölf Schuljahren. Um dieses abzulegen, mussten die Jugendlichen bislang allerdings nach der neunten Klasse die Schule wechseln. „Wir fanden das eigentlich immer ganz gut“, betont Schnabel, „die Kinder raus in den Alltag, in das Leben zu schicken.“

In den letzten Jahren allerdings habe diese Zäsur in der Schullaufbahn die Gemeinde vor immer größere Herausforderungen gestellt. „Dieser Übergang ist für viele Familien, die einen religiösen Bezug zum Alltag haben, schwierig“, erklärt Schnabel. So sei vermehrt vorgekommen, dass Familien, die besonderen Wert auf die Einhaltung religiöser Gebote und Riten auch im Schulalltag gelegt hätten, weggezogen wären. „Das bedeutet schon einen spürbaren Verlust an Gemeindemitgliedern“, so Schnabel, „für sie wollen wir ein passendes Angebot schaffen.“

Daneben spielt allerdings auch eine weitere, erschreckende Entwicklung eine Rolle. Unter der Hand ist von Gemeindemitgliedern immer wieder zu hören, dass jüdische Kinder vor allem an städtischen Gymnasien immer wieder antisemitischem Mobbing bis hin zu gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt seien. „Da muss man nicht herumreden: Diese Vorfälle gibt es“, sagt Schnabel. Jedoch sei die Situation von Stadtteil zu Stadtteil und von Schule zu Schule sehr unterschiedlich. Dennoch hätten auch Sicherheitserwägungen bei der Entscheidung für die neue gymnasiale Oberstufe an der Lichtigfeld-Schule eine Rolle gespielt.

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