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Ostend In die Haut

Beim „Comic & Zine“-Festival können sich Besucher ausgestellte Motive tätowieren lassen. Neben Comics und Postkarten gibt es handgemachte Fan-Magazine zu bestaunen.

Comic-Festival
Annette Köhn an ihrem Stand zum Jaja Verlag. Foto: Michael Schick

Ein gleichmäßiges Surren kommt am Samstagnachmittag aus einem Hinterzimmer des „Atelier Naxos“. Im ersten Stock der ehemaligen Schleifpapier-Fabrik können sich Besucher bei dem zweitägigen „Comic & Zine“-Festival Grafiken der Aussteller tätowieren lassen. Was sonst auf Papier landet, wird dann zur dauerhaften Zierde in der Haut.

Die Veranstalter der kleinen Messe, Johanna Bieber und Adrian Durrani, haben alle etwa 30 Aussteller gebeten, Motive für einen Katalog zu zeichnen, der als Heft zum Festival erschienen ist und als Vorlage für die Tätowierer dient. Spontan hat sich der Neu-Frankfurter Lukas, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, für ein neues Tattoo entschieden. In rund zwanzig Minuten hat er sich eine Kegel-Figur mit einer Kugel an der Spitze stechen lassen. „Als Start in Frankfurt“, sagt der 25-Jährige.

Eine andere Besucherin lässt sich das Motiv, bei dem eine Hand in ein „Wurm-Loch“ greift, auf die Innenseite ihres Oberarms tätowieren. Nach dem Vorbild einer „biblischen Hand“ habe die Grafikerin ihr Motiv gestaltet, wie sie berichtet, während sie bei der Prozedur zuschaut. Erstmals sei ein Entwurf von ihr auf menschliche Haut gebannt worden. Ein Handy-Foto fürs Archiv ist nach Fertigstellung obligatorisch. Die Tätowierte schaut sich das Werk an und lächelt beseelt.

Aus ganz Deutschland, darunter Leipzig, Berlin, Frankfurt und Offenbach sind Grafiker und Zeichner, teils von Hochschulen oder als Selbst-Verleger, gekommen. Daneben sind Vertreter zweier kleinerer Verlage sowie Ateliers aus Frankreich und Wien dabei. Neben Comics und Postkarten werden „Zines“ angeboten. Ein Zine, als Kurzform von Magazin, ist ein Heftchen, oft nur von einem Gummiband zusammen gehalten, in dem Zeichnungen, mit und ohne Text, abgebildet sind. Im Gegensatz zu manch Hochglanzmagazin wird es in kleiner Auflage gedruckt. Vermutlich in den 1970er Jahren hätten sich diese selbst gemachten Magazine aus der Punk-Bewegung entwickelt, um Inhalte zu transportieren, berichtet Veranstalterin Bieber. Heute seien die Formate weniger politisch.

Selbst gemachte  Siebdruck-Postkarten

Jens Roth, Grafikdesign-Student von der Hochschule Mainz, hat in seinem sogenannten „Fanzine“ Abbildungen von Tier- und Fabelwesen abgedruckt, die er für zehn Euro pro Stück an „Fans“ solcher Bilder verkauft. 100 Ausgaben hat er davon gefertigt. Seine Kommilitonin Luise Wüstling hat eine kleinere Menge selbst gemachter Siebdruck-Postkarten, unter anderem mit Tiermotiven, mitgebracht, die sie für je fünf Euro verkauft.

Während die Tätowierer an diesem Nachmittag gut zu tun haben, liefen ihre Geschäfte eher schleppend, berichten die beiden. Das Festival eigne sich aber, um sich zu präsentieren, ergänzt Roth.

Eine Etage tiefer, im hinteren Teil der Naxoshalle herrscht konzentrierte Atmosphäre. Die Kultursoziologin Corinna Wilms und der Designer Martin Dziallas haben zu einem Zine-Workshop geladen. Acht Teilnehmer sitzen einzeln an Bierbänken, auf denen Zeitschriften neben Stiften, Wachsmalkreide, Farben und Pinsel verteilt liegen. Als Thema für ihr Magazin haben sie sich auf „Angst“ geeinigt. Nun gestaltet jeder für sich Beiträge in Bild und Schrift dazu.

Mit Filzstiften zeichnet Sonja Azizaj einen Comic-Strip, bei dem die Architektur-Studentin Angst figurativ darstellt. Mit „Panikattacken“ beschäftigt sich Michael Franzen, der an der Hochschule für Gestaltung studiert. Der 25-Jährige arbeitet mit Collagen, die er aus Zeitschriften zusammenstellt und durch mehrmaliges Kopieren verfremdet. Am Ende des Workshops soll das kleine Magazin noch vor Ort gedruckt werden. Ein Kopiergerät steht am Samstagnachmittag schon bereit.

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