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Off Space Kunst in Frankfurt In Kunst versunken

Die erste Ausstellung im „TOR Art Space“ zeigt urbane Werke der Städelschüler ab Samstag. Das Offspace soll ein kreatives Refugium am Allerheiligentor in Frankfurt werden.

Förderer
Die Förderer Anne Nowitzki und Ulf Appel mit Kuratorin Paula Kommoss hinter Balcony. Foto: Boeckheler

Selten ist Kunst vergänglicher als in Gebäuden, die dem Erdboden gleichgemacht werden. Am Allerheiligentor findet eine leerstehende Werkstatt bis zum Abriss einen künstlerischen Nutzen. Das Offspace „TOR Art Space“ soll ein kreatives Refugium werden und eröffnet am heutigen Samstagabend mit der Ausstellung „Sinkhole“ in der Allerheiligenstraße 2–24.

Schon vor der alten Werkstatt am Allerheiligentor fallen zwei neue Bänke auf einer kleiner Wiese auf. „Ich wollte den Bereich öffnen“, sagt François Pisapia. Die Wiese war einst komplett umzäunt, der kanadische Künstler hat sie aufgemacht und zwei Bänke dorthin gestellt, wo bisher nur gelegentlich Betrunkene hinpinkelten. Pisapia ist einer von fünf Ausstellenden, die alle an der Städelschule studieren oder absolviert haben.

Wer die ehemalige Werkstatt betritt, steht direkt auf einem Balkon. Zumindest vor einem weißen Geländer, an dem Jakob Brugge drei Lampen befestigt hat. „Das Werk greift ironisch das typisch Deutsche, dieses Penible auf“, sagt Paula Kommoss. Sie kuratiert die Ausstellung, deren Werke in nur sechs Wochen entstanden sind. Sie alle beziehen die alte Umgebung mit ein. Sei es ein alter Reifen, der wie eine Reliquie vor Teerspuren hängt, die die Künstlerin Viviana Abelson neben Gleisen ausgegraben hat. Dass sie in dem jahrelang verlassenen Gebäude ausstellen, ist den Designern Anne Nowitzki und Ulf Appel zu verdanken. „Heutzutage geht es immer nur um Wettbewerb, wir wollen fördern“, sagt Appel. Die beiden haben sich mit ihrem Frankfurter Büro für strategische Gestaltung einen Namen gemacht. Der Offspace ist ein Leidenschaftsprojekt der beiden, die damit jungen Kunstschaffenden Freiäume ermöglichen möchten - völlig ohne Zwänge. Das komme im Beruf oft zu kurz.

Krank empfindet der Städelschüler M Welch die Berufswelt. Dunkler Schleim scheint sich durch verlassene Tunnel zu ziehen, ein kaum definierbares Stöhnen ist zu vernehmen. Der Künstler hat mit einer Mini-Kamera in Rohren unter dem Haus gefilmt. Das Video ist immer wieder mit den Gedanken des Künstlers unterlegt, der aus „I’m coming up“, seinem anderen Werk, geflohen zu scheint.

Eine weiße Linoleumfläche bedeckt den Werkstattboden. Auf dem Boden glüht eine Zigarette immerzu elektrisch vor sich hin, ein Kühlschrank wirkt noch benutzt. Nur ein Gullideckel ist ausgespart. Ob er zu den Tunneln aus dem Video führt?

„Sinkhole“ soll das Urbane dekonstruieren und neue Utopien entwickeln. Die alte Werkstatt ist dabei mehr als ein Ausstellungssaum, sie lebt in den Werken fort und lässt genug Platz für eigene Assoziationen zum Urbanen. Spätestens 2020 werden die Häuser am Allerheiligentor abgerissen und durch austauschbare Geschäfte ersetzt. Bis dahin sollen noch viele Ausstellungen folgen. Heute um 20 Uhr eröffnen sich die Abgründe des Städtischen mit „Sinkhole“.

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