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Nordend Spontaner Protest an der IGS Nordend

Im Sommer soll das Mensateam ausgetauscht werden. Statt eines in die Schulgemeinschaft eingebundenen lokalen Versorgers wird dann der Großcaterer Sodexo die Verpflegung für die Schule übernehmen.

Mensa-Team der IGS Nordend
Das Mensateam Bettina Wingerter, Claudia Rodrigues Moreina und Sandra Beimfohr (v.l.) mit Schulleiter Uwe Gehrmann.

Die Fenster der Mensa und Schulgebäude sind zugeklebt, auf Plakaten wird für gutes Essen an der IGS Nordend geworben. Am Donnerstagnachmittag hat das Stadtschulamt Schulleiter Uwe Gehrmann mitgeteilt, dass ab den Sommerferien 2018 der Groß-Caterer Sodexo die Mensa übernimmt.

Die bisherige Firma Cantina Buen Barrio von Sandra Beimfohr, die das Essen frisch vor Ort zubereitet hat und individuell auf Wünsche einging, hat laut Bescheid in ihrem Vier-Wochen-Plan eine Vollkornkost zu wenig angeboten und das Beschwerdemanagement war mangelhaft. „Ich habe den direkten Kontakt zu den Kindern, ich wusste nicht, dass ich dann im Formular eine E-Mail-Adresse eingeben muss“, sagt die Köchin, die nun ihr sechsköpfiges Team entlassen muss.

„Frau Beimfohr ist seit 2009 Teil der Schulgemeinde, sie hat zur Entwicklung der IGS beigetragen“, sagt der aufgebrachte Gehrmann. „Und dass nun der schlimmste Caterer überhaupt zuständig sein soll, macht es nochmal schlimmer.“ Aktionen wie mit Beimfohr, die im Zuge der Flüchtlingsdebatte eine Woche lang auf Wunsch der Schule syrisches Essen zubereitete, wird es mit Sodexo nicht geben.

Gehrmann rief Freitagfrüh zu einer Versammlung – drei Stunden vor Beginn der Osterferien. „Hinter dem Zeitplan steckt System“, sagt Gehrmann, „man hat das gemacht, damit wir nicht reagieren können. Das ist gemein.“ Elternvertreter und Schulleitung riefen zum Protest auch in den Ferien auf – am 3. April soll der Vertrag mit Sodexo unterschrieben werden.

Schüler stellten unter den Hastags #IGSfürgutesEssen und #MensaRetten Fotos von gesundem und gutem Essen in das soziale Netzwerk Instagram. Gehrmann führt Telefonate mit Schulbehörden und dem Büro des Oberbürgermeisters. Eine Unterschriftenliste lag an der Schule aus. In einer Mitteilung schreibt er von der „Zerstörung einer schulischen Kultur“. Die IGS würde Schüler animieren, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen – nun würde undemokratisch über ihren Kopf hinweg entschieden.

Aber er ist skeptisch, dass der Protest hilft. „Es ist ein rechtssicheres Verfahren, ohne, dass die Beteiligten gefragt wurden“, sagt er. „Die Rechtssicherheit schiebt die Qualität zur Seite, das ist bei Besetzungen und der Schüleraufnahme schon so, und nun auch beim Essen.“ Es könne nicht sein, dass Bürokratiekenntnisse von großen Anbietern, die dafür spezielle Abteilungen haben, ausreichten, um kleine zu übertrumpfen.

Beimfohr will ihr Angebot nachbessern. Motivation erhält sie auch durch den Zuspruch. „Es wird schwer für uns, aber es ist toll, dass jemand für gutes Essen aufmuckt“, sagt sie.

Das Bildungsdezernat, das zu laufenden Verfahren nichts sagt, macht aber wenig Hoffnung: „Die Auswahl erfolgt nach EU-Recht. Und da die bisherigen Caterer schon einmal bei einer Ausschreibung mitgemacht und gewonnen haben, gehen wir davon aus, dass sie kundig sind“, sagte Sprecher Rüdiger Niemann. Auch wenn er den Ärger verstehen kann, „das ist immer so, wenn jemand gut gearbeitet hat und sich dann was ändert.“ Ausschlaggebend sei auch das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der Sponsorenlauf für Syrien am Freitag wurde von den Schülern spontan auch zum Lauf für ihre Mensa gemacht – mit Plakaten und Shirts. „Wir wollen kein Tiefkühlessen“, sagt die 13-jährige Annie. Badia, 14, ergänzt: „Es gibt eine persönliche Bindung zum Küchenteam und im Vergleich zu anderen Schulen ist unser Essen richtig gut.“

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