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Nordend Protest gegen Mietervertreibung

Erst luxussanieren, dann bis zu 80 Prozent mehr Miete: Die Bewohner der Mercatorstraße 27 in Frankfurt kämpfen gegen die drohende Vertreibung aus ihren Wohnungen.

Protest
Nun ist der Protest auch an der Hauswand sichtbar. Foto: Christoph Boeckheler

Bei einem Treffen zwischen Hauseigentümern der Mercatorstraße 27 und den Mietparteien gab es kleine Schritte aufeinander zu. Das berichten Mieter des Hauses. Die Eigentümer, eine der zahlreichen Firmen des Immobilieninvestors Vassilios Farmakis, möchte das Haus kern- und luxussanieren, dafür würden die Mieten um bis zu 80 Prozent steigen (wir berichteten).

Zwar stehe der grobe Plan nach wie vor, doch offenbar sind einige Luxusmodernisierungen nicht durchzusetzen. „Der Außenaufzug geht in der angedachten Variante wohl nicht bei der Stadt durch, deshalb wollen die Eigentümer nun darauf verzichten“, sagt ein Mieter, der bei dem Treffen Mitte Juli zugegen war. Deutlich geworden sei, dass die Interessen gegensätzlich seien. „Aber uns wurde signalisiert, dass die Eigentümer daran interessiert sind, einen Kompromiss mit uns zu finden.“

Auch unter den Mietern gebe es keine einstimmige Linie. Während die einen die Sanierung generell ablehnen, sehen andere durchaus Vorteile und auch die Notwendigkeit, dass gewisse Arbeiten an dem seit Jahren maroden Haus verrichtet werden. „Nun gilt es, eine Form zu finden, mit der alle leben können“, sagt der Mieter, der nicht namentlich genannt werden möchte, weil er Sanktionen befürchtet.

Seit die Hausverwaltung Pontarius Real Estate Management die Bewohner über die Pläne informiert hat, treffen sich diese einmal wöchentlich, um den aktuellen Stand und das Vorgehen zu besprechen. Am vergangenen Sonntag bemalten sie ein Plakat, das nun an der Hausfassade hängt und gegen Mietervertreibung protestiert. Auch bei der nächsten Sitzung des Bauausschusses wollen einige der Mieter vorsprechen.

Fragenkatalog erarbeitet

Die insgesamt elf Mietparteien haben nun auch einen Fragenkatalog erarbeitet und an die Investoren gegeben. Darin wird etwa gefragt, ob statt einer Modernisierung nur eine Instandhaltung erfolgen könne, damit alle Mieter im Haus verbleiben könnten, beziehungsweise die Modernisierung aufgeschoben werden könne. Gerne hätten die Bewohner auch, dass auf den Bau von Balkonen verzichtet wird und die Mieten nach der wohl unausweichlichen Erhöhung über einen gewissen Zeitraum dann nicht mehr steigen. Auch Grundrissänderungen, durch die aus kleinen Wohnungen größere entstehen, stehen in der Kritik. In der kommenden Woche gibt es das nächste Treffen mit den Hauseigentümern.

Ein weiterer Fall der Gentrifizierung endete in diesen Tagen in der Nachbarschaft der Mercatorstraße. Nach vielen Jahren Kampf zog mit Wolfram Duncker der letzte verbliebe Mieter der Keplerstraße 14 aus. Seine Wohnung wurde im Zuge des Rechtsstreits zwangsgeräumt. Bei einer Mahnwache Mitte Juli machte ein Bündnis auf die Zustände aufmerksam.

Instandhaltungen waren in der Keplerstraße 14 seit Jahren ausgeblieben. Die Hauseigentümer, eine Erbengemeinschaft aus Stuttgart, kündigten allen Mietern, weil die wirtschaftliche Verwertbarkeit nicht mehr gegeben sei. Das Haus soll nun kernsaniert und neu vermietet werden.

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