Lade Inhalte...

Nordend In der Stadt zur Ruhe kommen

Pfarrer Johannes Sell ist neu im Diakonissenhaus und hat sich ganz der spirituellen Seite des Glaubens verschrieben. Er will Meditationskurse für Mitarbeiter der Diakonie und für Jedermann anbieten.

Pfarrer Johannes Sell auf dem Gelände des Diakonissenhauses an der Cronstettenstraße 57-61. Foto: christoph boeckheler 0049.1702932067 mail@boeckheler.com

Pfarrer Johannes Sell sieht sich zufrieden im Garten des Diakonissenhauses unweit der Hansaallee um. Das Haus mit seinem angegliedertem Altenheim und Kindergarten ist seit April sein neuer Arbeitsplatz. „Die Ruhe, die die Anlage mitten in Frankfurt bietet, ist einfach unvorstellbar“, schwärmt er. Für den Pfarrer ein wichtiger Grund, warum er dort ist. Er hat sich auf die spirituelle Seite des christlichen Glaubens spezialisiert: die Besinnung, das Meditieren, das Zu-Sich-Kommen, wie er es nennt.

Mehr als zwanzig Jahre leitete er das Haus der Stille im Westerwald, ein Tagungshaus der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau mit Meditationsangeboten. Vor zwei Jahren wurde das Haus geschlossen. Nun soll er im Diakonissenhaus ein spirituelles, christliches Angebot für Menschen schaffen, die sich besinnen und Kraft tanken wollen.

„Nach der Schließung des Krankenhauses auf dem Diakonissengelände wollte die Diakonie einen neuen Weg einschlagen“, erklärt Sell. Künftig sollen christliche Tagungsgäste sowie private Touristen dort wohnen und meditieren können. Gerade in einer Großstadt, in der die meisten Menschen zu viel arbeiten, sei es wichtig, auch im Alltag Achtsamkeit zu üben.

„Das christliche Meditieren funktioniert genau wie modernere, östlichen Traditionen des Meditierens, es unterscheiden sich nur die Interpretationen der Tiefenerfahrung“, sagt Sell, der auch chinesischen Zen-Buddhismus kennen gelernt hat. Leider habe das Christentum seine spirituelle Seite etwas unter den Teppich gekehrt, findet er. „Dabei gibt es mit dem christlichen Herzensgebet ganz ähnliche Erfahrungen.“

Zugang zum Glauben über die Musik

Sell fand seinen Zugang zum Glauben über die Musik. „Ich bin eigentlich Kirchenmusiker. Dann habe ich Theologie studiert“, berichtet er. Besonders spannend findet er die Verbindung von Wort und Klang – durch Psalme könnten mantra-ähnliche Meditationshilfen gebildet werden.

Sein Anliegen ist es, die christlich-spirituelle Seite wieder stärker zu fördern. Sein erstes Projekt ist es, Meditationskurse für die Angestellten diakonischer Einrichtungen, etwa für Mitarbeiter der diakonischen Agaplesion-Krankenhäuser, einzurichten. Auch einen offenen Meditationskurs bietet er an. „Da kann jeder kommen, egal ob christlich-evangelisch oder nicht“, sagt Sell. „Ich finde gerade das Aufeinandertreffen verschiedener Interpretationen des Meditierens spannend.“

Für Sell geht es um einen generellen Wechsel der Haltung – weg vom Trend, maximale Leistung zu erzielen. Er will deshalb keine Meditationskurse für Manager zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit anbieten. „Genau die haben das Prinzip nicht verstanden“, sagt er. „Wir haben uns bewusst entschieden, das Diakonissenhaus wider des Immobiliendrucks zu erhalten, um den Menschen eine Oase der Ruhe bieten zu können“, sagt er.

Eine Übernachtung im Diakonissenhaus, Cronstettenstraße 57-61, kostet 55 Euro pro Nacht im Einzelzimmer und 90 Euro im Doppelzimmer. Infos unter www.diakonisse.de. Jeweils dienstags um 19.30 Uhr gibt es ein Offenes Meditieren.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum