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Nordend Gedenken an Gräuel der NS-Zeit

Im Hermesweg soll eine Bronzetafel künftig an den ehemaligen Standort der Synagoge erinnern.

Eine Gedenkstele im Hermesweg soll künftig an den Standort der ehemaligen Synagoge erinnern. Geplant ist eine Bronzetafel, der Text, der darauf zu lesen sein soll, wird am Donnerstag im Ortsbeirat vorgestellt. Im Hermesweg befand sich vom 11. September 1887 an bis zum Jahr 1939 die Löb Elias Reiß’sche Synagoge, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fiel.

Das Gelände ist inzwischen mit einem Wohnhaus überbaut, es gibt keine sichtbaren Spuren mehr. Die jüdische Gemeinde hatte deshalb im Ortsbeirat um Unterstützung für eine Stele gebeten. Den Großteil der 4000 Euro teuren Tafel finanziert nun das Kulturamt der Stadt Frankfurt, der Ortsbeirat wird sich beteiligen. Vertreter des Kulturamtes werden die Pläne in der Sitzung am Donnerstag vorstellen und Fragen beantworten.

Ebenfalls stellt das Kulturamt Ideen für die Neugestaltung der Gedenkstele für die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgten Zeugen Jehovas vor. In der Rohrbachstraße wird seit 2005 an den Bäcker Martin Bertram erinnert, der in der Hausnummer 58 lebte. Der Künstler Clemens Strugalla hatte die Figur entworfen. 1933 weigerte sich Bertram, Juden den Zutritt zu seiner Bäckerei zu verwehren.

1936 wurde sein Geschäft zwangsgeschlossen und Bertram zu einer Haftstrafe verurteilt. Diese saß er zunächst im Konzentrationslager Lichtenburg, später in Buchenwald ab, ehe er am 8. April 1945 befreit wurde. Er öffnete seine Bäckerei wieder und starb 1988 in Frankfurt. Bertram gehörte den Zeugen Jehovas an.

Zuletzt war die Bronze-Stele, die an einem eher unauffälligen Ort vor Bertrams Wohnhaus steht, mit Graffiti besprüht und beschädigt worden. Auch das Umfeld wirkt vergammelt. „Das Kulturamt will die Gedenkstele aufwerten, die Einfassung soll deshalb vorgestellt werden“, sagt Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne). Einen Finanzplan gibt es dafür bislang noch nicht.

Zur NS-Zeit wurden in Frankfurt 150 Zeugen Jehovas aufgrund ihres Glaubens verhaftet, 15 davon starben in Gefangenschaft. 

 

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