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Neue Frankfurter Altstadt Denkmal europäischer Kultur

Ein Rundgang durch die fast vollendete „Goldene Waage“, das schönste Haus der neuen Altstadt in Frankfurt, zeigt Originales, aber auch wundervoll Rekonstruiertes.

Goldene Waage
Der glückliche Architekt Jochem Jourdan im Parterre des Hauses. Foto: peter-juelich.com

Bei schönstem Herbstwetter drängen sich die Menschen in der neuen Frankfurter Altstadt. Das Haus „Goldene Waage“ direkt am Dom, das prachtvollste des Quartiers, zieht besonders viel neugierige Blicke auf sich. Immer wieder die Frage an die Wachleute, wann es denn endlich geöffnet werde. „Ich hoffe, dass das Café im Erdgeschoss an Weihnachten fertig ist“, sagt Architekt Jochem Jourdan, der für die acht Millionen Euro teure Rekonstruktion verantwortlich zeichnet.

Noch unsichtbar für die Allgemeinheit liegt im Erdgeschoss der Fußboden aus schwarzem und weißem Carrara-Marmor. Die Säulen aus rotem Mainsandstein, in der Nähe von Miltenberg gebrochen, tragen die Stuckdecke. Sie sind eine Rekonstruktion. Doch die Fassung der Tür zum Treppenhaus ist ein Original aus dem 1944 zerstörten historischen Altstadt-Haus, rund 400 Jahre alt.

Jourdan taucht bei der Führung für die FR tief in die Kulturgeschichte des Mittelalters ein. Der 81-jährige Architekt, ein bundesweit renommierter Experte für historische Bausubstanz, schreibt an einem Buch über die „Goldene Waage“. Zwischen 1616 und 1619 schufen Handwerker im Auftrag des Gewürzhändlers Abraham van Hamel das Haus. Viele Originale sind verbaut: Die Löwenfigur im Parterre, ein Teil der schwarzmetallenen Gitter.

An das Meisterstück legen die Stuckateure im ersten Stockwerk gerade letzte Hand an. An der Rekonstruktion der Stuckdecke arbeiten die Spezialisten von Fuchs und Girke im sächsischen Ottendorf-Krilla bereits seit zwei Jahren. An Hand von Schwarz-Weiß-Fotografien aus den Jahren 1934/35, die im Maßstab 1:1 vergrößert wurden, fertigten zwei Künstler zunächst Zeichnungen an. Dann modellierten die Stuckateure alle Teile in Ton, bevor dann die Stuckdecke entstand.

Die Bauforscherin Barbara Rinn-Kopka, Spezialistin für Stuck des 16. und 17. Jahrhunderts, begleitet die Arbeiten. Die großen, vignettenumrahmten Flächen der Decke zeigen biblische Szenen aus dem Leben Abrahams – etwa die Opferung Isaacs und die Verheißung der Geburt Isaacs.

Mit der Wahl der biblischen Geschichte seines Namensvetters Abraham verwies der Gewürzhändler van Hamel auf seine eigene Geschichte als Flüchtling. Er war als Reformierter aus den katholischen Niederlanden nach Frankfurt am Main gekommen. In der Bibel flieht Abraham aus seiner Heimat Ur im Zweistromland nach Kanaan.

Zahlreiche Details schmücken die Decke – etwa der Affe als Symbol für die Lust, denn der Stuck zierte das Schlafzimmer der van Hamels.

„Das Haus ist ein Denkmal der europäischen Kultur“, urteilt Architekt Jourdan. Im Januar soll die Dependance des Historischen Museums im ersten und zweiten Stock der „Goldenen Waage“ öffnen. Dort finden die Besucher dann originale Möbel und Interieur aus dem 17. Jahrhundert. Etwa Frankfurter Wellenschränke aus Nussbaumfurnier, aber auch ein historisches Schachspiel.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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