Lade Inhalte...

Neue Altstadt Zank um Bänke und Müll

Peinliche Posse: Fünf Wochen vor der Eröffnungsfeier ist unklar, wer für den öffentlichen Raum in der neuen Altstadt zuständig ist.

Neue Altstadt in Frankfurt
Die neue Altstadt – hier der Hühnermarkt. Foto: Renate Hoyer

Fünf Wochen vor der offiziellen Eröffnungsfeier für die neue Altstadt am 28. bis 30. September verhindert ein Streit im Magistrat, dass Papierkörbe und Bänke im Viertel aufgestellt werden. Der Geschäftsführer der städtischen Dom Römer GmbH, Michael Guntersdorf, berichtete den entgeisterten Stadtverordneten im Sonderausschuss Dom Römer am Montagabend von einem „Behördenkonflikt“.

Die Magistratsmitglieder und Ämter konnten sich bisher nicht einigen, wer für den öffentlichen Raum der Altstadt zuständig ist. In der Folge gibt es bisher auf der 7000 Quadratmeter großen Fläche nur zwei Papierkörbe und zwei Bänke – diese beiden Sitzgelegenheiten musste die Dom Römer GmbH sich vom Frankfurter Kunstverein ausleihen.

„Die ganze Sache ist einer solchen Baumaßnahme wie der Altstadt unwürdig“, urteilte Guntersdorf, der sehr genervt wirkte. Da die Dom Römer GmbH aber nicht Besitzer der Fläche sei, könne sie nicht handeln. „Eigentümer der Flächen ist das Straßenbauamt“, sagte der Manager. Von dort gebe es aber keine Initiative.

Zur Eröffnungsfeier Ende September werden mehr als 500.000 Besucher aus aller Welt erwartet. „Ich hätte bis dahin liebend gerne Sitzgelegenheiten für die Menschen“, sagte Guntersdorf. So wolle er etwa Bänke entlang der Pergola aufstellen, die die Altstadt von der Kunsthalle Schirn trennt.

Für acht weitere Müllbehälter im Quartier habe er der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) Vorschläge unterbreitet. Doch die könne nicht handeln, solange der Magistrat nicht entscheide.

Ungeklärt ist auch die Reinigung

Ungeklärt ist auch die Reinigung der neuen Altstadt. Seit der Öffnung Anfang Mai reinige die FES „aus reiner Kulanz“ täglich das Viertel. Einen Auftrag gebe es dafür nicht. „Die FES war sehr kulant und hat dafür auch noch keine Rechnung gestellt“, erklärte Guntersdorf. Seine GmbH verfüge auch nicht über das Geld, die Reinigung zu bezahlen, solange der Magistrat es nicht bewillige.

Die Stadtverordneten verlangten unisono vom Magistrat, dass er sofort die offenen Fragen kläre. Zu diesem Zeitpunkt hatte das einzige Magistratsmitglied, Planungsdezernent Mike Josef (SPD), jedoch bereits die Sitzung des Ausschusses verlassen. Erbittert hatten die Stadtverordneten zuvor um die Frage gerungen, wie mit Werbung im öffentlichen Raum in der Altstadt umgegangen werden solle.

Die städtische Gestaltungssatzung sieht vor, dass Werbeanlagen nicht mehr als 50 Zentimeter in den öffentlichen Raum hineinragen dürfen. Auch dürfe es pro Gebäude nur einen Namenszug geben. „Die Altstadt ist ja kein Museum und kein Hessenpark“, sagte der Vorsitzende des Gestaltungsbeirates, der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler.

Er zeigte allerdings auf, dass diese Festlegungen schon jetzt an verschiedenen Stellen überschritten sind. So soll die Apotheke am Hühnermarkt beispielsweise über einen Ausleger von mehr als einem Meter Länge verfügen. Mäckler plädierte dafür, Ausnahmen zuzulassen, wie etwa bei der Apotheke. „Dadurch wird die Ecke am Hühnermarkt gut betont“. Der Stadthistoriker Björn Wissenbach hielt dagegen, dass es in der historischen Altstadt vor der Zerstörung 1944 solche Ausleger kaum gegeben habe.

Die Leiterin der städtischen Bauaufsicht, Simone Zapke, bat die Stadtverordneten um „Verlässlichkeit“. Auch Planungsdezernent Mike Josef appellierte an die Politiker, „keine Ausnahmen von der Gestaltungssatzung zu beschließen“. Das würde der Bauaufsicht als Genehmigungsbehörde „die Arbeit erleichtern“. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein hielt ein Plädoyer gegen Ausnahmen.

Am Ende verständigten sich die Stadtverordneten darauf, dass die Gestaltungssatzung eingehalten werden soll: Keine Ausleger von mehr als 50 Zentimeter Länge. Für verschiedene Geschäftsleute bedeutet das jetzt, dass sie von ihren Vorstellungen abrücken müssen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen