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Neue Altstadt in Frankfurt Neue Altstadt füllt sich mit Leben

Die neue Altstadt, Frankfurts Prestige-Projekt, wird langsam lebendiger. An einigen Stellen ist schon zu erkennen, was in der Ladenzeile im Erdgeschoss einziehen soll.

Neue Altstadt in Frankfurt
Die Neugierde treibt Menschen ins Viertel. Foto: Michael Schick

Noch wirkt die Altstadt eher wie eine Filmkulisse. In den Geschäftsräumen und vor den Häusern schuften Bauarbeiter, an einigen Stellen ist zu erkennen, was in der Ladenzeile im Erdgeschoss einziehen soll. „Öffnung im September“ steht in einigen Schaufenstern geschrieben. Zwei haben bereits geöffnet, die Töpferei Bauer sucht nach Mitarbeitern, und vor dem Laden am Hühnermarkt, in dem Stofftiere verkauft werden, steht eine große Giraffe. Kinder spielen mit ihr und versuchen, zum Kopf hochzuspringen.

Vom 28. bis zum 30. September ist die große offizielle Eröffnungsfeier für die neue Altstadt geplant. Bis dahin sollen die 80 Wohnungen von 160 Menschen bezogen, die Regale in den 20 Läden gefüllt sein. 1,5 Millionen Euro lässt sich die Stadt das Fest kosten. Ein Signal weit über Frankfurt hinaus wolle man mit den Feierlichkeiten senden, sagte der Geschäftsführer der städtischen Tourismus und Congress, Thomas Feda, bei der Vorstellung.

Dafür wird es Feierei und Bühnen auch an anderen Orten der Altstadt geben: am Römerberg, am nördlichen Mainufer rund um den Eisernen Steg, vor der Nikolaikirche. Am Main ist eine große „Abendinszenierung“ geplant. Bekannte Musiker und Schauspieler werden auftreten. 

Doch viele Bürger wie Touristen wollen nicht warten, bis Ende September alles seinen alltäglichen Gang geht. Sie wollen die neue Altstadt sehen, seit die Bauzäune am 9. Mai abgebaut wurden. Touristengruppe lauschen am Hühnermarkt ihrem Guide, eine Gruppe Japaner steht vor der „Goldenen Waage“ am Markt und knipst Fotos. 

Pärchen und Familien schlendern durch die Gassen, „hier ist ein schönes Haus“, sagt eine Frau und zieht ihren Sohn in den Innenhof der Gasse Hinter dem Laemmchen. 

Es war im Jahr 2006, als sich ein Verein gründete, der sich für den Wiederaufbau der Altstadt einsetzte. Ein Jahr zuvor hatte der Rechtspopulist Wolfgang Hübner einen dahingehenden Antrag ins Stadtparlament eingebracht. Kritik regte sich, eine Initiative warb für den unbebauten Blick vom Dom zum Römer und umgekehrt. 

Es half nichts: 2010 musste das Technische Rathaus weichen, das an der Stelle stand, seit Mai ist die neue Altstadt eröffnet. Wörter wie Sehnsucht, Heimat und Seele der Stadt fielen in der Zeit der Debatte. 

Rund 200 Millionen Euro hat sich die Stadt das Prestige-Projekt kosten lassen. Einst war angedacht, die Kosten durch den Verkauf von Eigentumswohnungen in den oberen Etagen der 35 Häuser zu erwirtschaften. Das allerdings scheiterte: Nur 70 Millionen Euro hat die Stadt eingenommen, trotz der stolzen Preise von bis zu 7500 Euro pro Quadratmeter. 

Auch das führte wieder zu Kritik: Der Steuerzahler zahlt 130 Millionen Euro für den Wiederaufbau vergangener Zeiten – für 15 rekonstruierte Bauten, die 1944 zerbombt wurden, sowie  20 Neubauten. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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