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Neue Altstadt Frankfurt Wer hatte eigentlich die Idee zur neuen Altstadt?

Der frühere CDU-Rebell Wolff Holtz sorgt bei einem Abend zur neuen Altstadt in Frankfurt für kritische Töne.

CDU-Erzählcafé  zur Altstadt
Petra Roth am Mikrofon, rechts neben ihr Michael zu Löwenstein, ganz rechts Wolff Holtz. Foto: Rolf Oeser

Es ist doch ein schwierig Ding mit der Wahrheit. Die Frankfurter CDU hat an diesem Abend zur öffentlichen Diskussion eingeladen, um endlich mal unmissverständlich klarzumachen: „Die CDU war die treibende Kraft bei der neuen Frankfurter Altstadt“, so Michael zu Löwenstein, CDU-Fraktionschef im Römer. Er tritt als Moderator auf. Der große Saal im Haus am Dom ist gut gefüllt. Selbst der 96-jährige frühere Stadtkämmerer Ernst Gerhardt ist gekommen. Und die Zeitreise geht zurück zum Anfang der 2000er Jahre.

Tatsächlich hatte am 20. August 2005 der Rechtspopulist Wolfgang Hübner, seinerzeit einziger Stadtverordneter der Bürger für Frankfurt (BFF), den Antrag für eine Rekonstruktion der 1944 zerstörten Altstadt gestellt. Und CDU, SPD und Grüne im Römer hatten dieses Ansinnen selbstverständlich abgelehnt.

Doch das erwähnt Bürgermeister Uwe Becker in der Rückschau nicht. Seine Darstellung: „Hübner hat nur aufgenommen, was schon in der Debatte war.“ Dafür geht der CDU-Politiker lieber die Sozialdemokraten frontal an: „Wenn es nach der SPD gegangen wäre, wäre die Altstadt nie gebaut worden.“

Tatsächlich führte die SPD seinerzeit einen ziemlichen Eiertanz auf. Während der linke Flügel (darunter auch der Sozialpolitiker Peter Feldmann) das Projekt als teuer und überflüssig ablehnte, proklamierte der SPD-Unterbezirkschef Franz Frey in der FR sogar: „Die Bürger haben ein Anrecht auf Fachwerk.“

CDU diskutiert über neue Altstadt Frankfurt

An diesem Abend im Haus am Dom ist es der frühere CDU-Stadtverordnete Wolff Holtz, der Wasser in den Wein gießt. Er war Anfang 2005 als Vorsitzender der Jungen Union Frankfurt-Süd einer der Initiatoren einer Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren zum Wiederaufbau der Altstadt. Holtz, der später die CDU-Fraktion  verließ und eine eigene Liste gründete, erinnert sich: „Es gab Drohungen aus der CDU: Lassen Sie das Thema, sonst werden Sie in der CDU nie was!“

Die CDU habe auch als einzige Partei den Offenbacher Bauingenieur Dominik Mangelmann zunächst nicht eingeladen – er hatte das erste computergenerierte Modell einer neuen Altstadt erstellt. Auch im Ortsbeirat 1 habe man das Projekt Altstadt präsentiert: „Da herrschte nicht helle Begeisterung.“ Doch die Junge Union bekam rasch 10 000 Unterschriften zusammen: „Die CDU wurde sehr nervös“, so Holtz.

Am 15. September 2005 kürte ein Preisgericht den Frankfurter Architekten Jürgen Engel zum Sieger eines Ideenwettbewerbs für das Gelände des Technischen Rathauses. Engel wollte moderne Gebäude in der Altstadt, unter anderem eine neue städtische Zentralbibliothek. Jetzt machte die CDU offen Stimmung gegen Engels Entwurf. Bürgermeister Becker spricht im Haus am Dom noch heute von „betonmäßiger Monumentalität“.

Am Ende ist es die frühere OB Petra Roth, die auf dem Podium das Projekt Altstadt vom Alleinvertretungsanspruch ihrer Partei befreit. „Zur Altstadt gehören alle Parteien und die Frankfurter Bürger“ – vor allem Letztere hätten „Ideen entwickelt“. In den Augen des ehemaligen Stadtoberhaupts ist das neue Quartier zwischen Dom und Römer das Ergebnis von „partizipativer Politik“. An Mangelmann, der auch auf dem Podium sitzt, ein Sonderlob: „Sie gehen in die Geschichte ein.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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