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Neue Altstadt Altstadt auch für Arme

Das St. Katharinen- und Weißfrauenstift eröffnet in der Frankfurter Altstadt seinen neuen Verwaltungssitz. Im Erdgeschoss wird es ein Seniorencafé mit Vergünstigungen für Inhaber des Frankfurt Passes geben.

Neue Altstadt in Frankfurt
Das Gebäude orientiert sich an einem Bau aus dem 18. Jahrhundert mit zwei Holzgalerien im ersten und zweiten Stock. Foto: Rolf Oeser

Alles habe mit der Lektüre der morgendlichen Zeitung begonnen, erzählte Ursula Poletti, Direktorin des St. Katharinen- und Weißfrauenstifts. Daraus erfuhren die Mitglieder des Pfleg-amtes, so der Name des Stiftsvorstandes, dass der Hof zum Rebstock in der Altstadt rekonstruiert werden sollte. Schnell war die Idee geboren, den Verwaltungssitz der Stiftung genau an jene Stelle zu verlegen. „Unsere alten Räume waren zu klein, deswegen hatten wir sowieso nach Ersatz gesucht“, sagte Poletti bei der Eröffnung der neuen Räumlichkeiten am Mittwochvormittag. Und tatsächlich schließe sich damit der Kreis, denn die Geschichte des Stifts ist eng mit dem Grundstück in der neuen Altstadt verbunden.

Von besonderer Bedeutung ist der Name Katharina zum Rebstock. 1342 wurde Frankfurt von einer schweren Hochwasserkatastrophe heimgesucht. Selbst die immer als hochwassersicher geltenden Hügel auf denen die Stadt errichtet wurde, waren überflutet, so Historiker Björn Wissenbach. Unter dem Eindruck der Katastrophe vermachte Katharina ihrem Schwager Wicker Frosch ihren Anteil an den Rebstockhöfen, damit dieser eine Stiftung einrichten konnte. Es folgte ein Rechtsstreit mit einer auf dem Hof lebenden Patrizierfamilie. Die Patrizier bekamen schließlich den Hof in der Altstadt zugesprochen. Frosch blieben zumindest die Rebstockhöfe im Frankfurter Westen.

1353 stiftete Frosch das St. Katharinenkloster an der damaligen Bockenheimer Pforte. Das Weißfrauenkloster existierte zu jener Zeit bereits. Es wurde etwa um 1227 von Frankfurter Bürgern am Hirschgraben gestiftet. 1876 verschmolzen die beiden Einrichtungen letztendlich zu einem Stift.

Auch der Hof in der Altstadt erlebte ein bewegte Geschichte. 1632 stand an der Stelle ein Gasthaus, dass wohlhabenden Händlern zu Messezeiten ein Quartier bot. Im 19. Jahrhundert war der Rebstockhof eines der bekanntesten Gasthäuser Frankfurts und der Geburtsort des Dichters Friedrich Stoltze. Bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde der Großteil der Gebäude auf dem Hof zerstört.

Damit der Verwaltungssitz vor Schaden bewahrt wird, segneten am Mittwoch der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz und der evangelische Stadtdekan Achim Knecht den Neubau. „Ich segne auch die Menschen ein, wenn sie vom Weihwasser getroffen werden, ist das durchaus Absicht“, rief zu Eltz und spritzte munter in die Menge. Knecht erinnerte, dass in einer säkularen Stadt wie Frankfurt eine solche Segnung keine Selbstverständlichkeit mehr sei.

Künftig wird in dem Neubau nicht nur die Verwaltung des St. Katharinen- und Weißfrauenstifts sitzen, sondern im Erdgeschoss des Hofs zum Rebstock wird der Frankfurter Verband ein Seniorencafé betreiben. Inhaber des Frankfurt Passes erhalten dort Vergünstigungen. „Die Altstadt bietet so auch etwas für nicht so gut betuchte Frankfurterinnen und Frankfurter“, sagte Ursula Poletti.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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