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Naxos-Theater in Frankfurt Naxos-Theater droht die Schließung

Kontrolleure entdecken im Naxos-Theater in Frankfurt ungenehmigte Einbauten und Brandschutzmängel. Direktor Willy Praml will die Auflagen erfüllen. Doch das ist nicht ganz einfach.

Naxos-Theater in Frankfurt
„Diese Halle ist die Welt“: die denkmalgeschützte Naxos-Halle. Im Inneren leuchtet das Naxos-Theater, das jetzt gefährdet ist. Foto: Renate Hoyer

Willy Praml ringt noch immer um Fassung. In der eiskalten Naxos-Halle hockt der 77-jährige Theatermacher an einem kleinen Tisch und murmelt immer wieder: „Mit dieser Geschichte sind wir weg“. Bei einer Brandschutzkontrolle haben Spezialisten der Feuerwehr und des Amtes für Bauen und Immobilien (ABI) ungenehmigte Einbauten bemängelt und wegen Brandgefahr deren sofortige Entfernung bis 14. Dezember verlangt. Geschehe dies nicht, so die Botschaft der Kontrolleure, werde das Theater in der denkmalgeschützten Halle im Ostend zum Jahresende geschlossen.

Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) macht deutlich, dass es „beim Brandschutz keinen Spielraum“ gebe, wie sein Sprecher Günter Murr sagt. Wenn Praml aber einen „rechtskonformen Zustand“ herstelle, könne der Spielbetrieb weitergehen.

Eine Auflage hat der Prinzipal sofort erfüllt: Eine zweite, kleinere Bühne im Gebäude, die den Aufführungen des „Studio Naxos“ diente, wurde abgeräumt. Auch die Sitzgelegenheiten für 80 bis 100 Zuschauer sind schon entfernt. Für diese Bühne besaß der Theaterdirektor, wie er im Gespräch mit der FR zugab, keine Baugenehmigung.

Problematischer aus Sicht von Praml ist die zweite Forderung der Brandschützer. Eine im Foyer eingezogene niedrige Zwischendecke muss wieder entfernt werden. Die Spezialisten der Stadt bemängelten, dass sonst im Falle eines Brandes der Rauch nicht abziehen könne und Besuchern der Erstickungstod drohe.

Auch diese Forderung will der Theaterdirektor erfüllen. Das Problem ist nur: Die Zwischendecke sorgte dafür, dass es im Foyer zumindest ein wenig warm wurde. „Wenn wir die Decke entfernen, können wir im Foyer keine Gäste mehr bewirten“, sagte Praml. Auch für den Einbau der Zwischendecke habe er keine Genehmigung der Stadt eingeholt, wie der Prinzipal der FR sagte. „Der Betrieb des Theaters ist immer weiter gewachsen“, sagte er zur Entschuldigung.

Mittlerweile gibt es in der Halle auch Konzerte. Außerdem werden einmal in der Woche unter dem Label „Naxos-Kino“ Filme gezeigt.

Praml verspricht, er wolle er die Zwischendecke bis zum Ende nächster Woche ausbauen lassen. Ob die städtischen Brandschützer sich damit zufriedengeben, blieb am Donnerstag unklar. Ihm liege noch kein Protokoll der Begehung vor, sagte Schneiders Sprecher Murr. Am heutigen Freitagvormittag soll im Amt für Bauen und Immobilien eine Krisenrunde aller Beteiligten tagen. Eingeladen ist auch der Architekt D.W. Dreysse, der seinerzeit im Auftrag der Stadt die Sanierung der Naxos-Halle konzipiert hatte. Dreysse ist, von Praml alarmiert, zum Ortstermin in die Halle gekommen.

Kulturdezernentin Ina Hartwig schaltet sich ein

Der Architekt beklagt, dass die Sanierung des Gebäudes aus den Jahren 1906/1907 von der Stadt nie vollendet worden sei. Noch immer gebe es keinen Schallschutz, noch immer sei der Bau nicht vom alten Industriestaub aus der früheren Produktion gereinigt. Dreysse fordert die Stadt auf, endlich die Sanierung des Gebäudes abzuschließen und „die Baustelle“ zu beenden. Liegenschaftsdezernent Schneider kontert: Er verlangt vom Theaterdirektor, endlich einen Mietvertrag mit der Stadt über das Gebäude zu unterschreiben.Tatsächlich liegt ein Mietkontrakt vor. Schneider hatte die Monatsmiete für das Naxos-Theater ursprünglich auf 20.000 Euro im Monat festlegen wollen. Dagegen gingen SPD und Grüne im Magistrat auf die Barrikaden. Ihr Vorwurf: Schneider wolle das Theater kaputtmachen.

Der neue Vertragsentwurf sieht eine Monatsmiete von nur noch 3000 Euro plus Betriebskosten von 1200 Euro im Monat vor. Außerdem wird das Naxos-Theater verpflichtet, „Instandhaltungsmaßnahmen“ im Gebäude selbst vorzunehmen. Der Theaterdirektor sagt, er sei bereit, zu unterzeichnen, aber das Papier liege ihm nicht vor. Ein unterschriebener Mietvertrag ist aus der Sicht des Liegenschaftsdezernenten „Voraussetzung“ dafür, dass die Stadt über eine grundlegende Sanierung nachdenke.

Am Nachmittag schaltet sich Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) in die Auseinandersetzung ein. „Ich möchte, dass der Theaterbetrieb weitergeht“, sagt die Stadträtin. Sie schätze die Arbeit Pramls sehr, auch seine Einbeziehung von Flüchtlingen in künstlerische Produktionen.

Hartwig bietet ihre Vermittlung in dem Streit an. Sie verweist darauf, dass die Stadt ihren Zuschuss für das Naxos-Theater zuletzt erheblich erhöht habe. 2016 lag sie bei 85.000 Euro. 2017 gab es dann 132.000 für das Theater, zusätzlich 35.000 Euro für das Studio Naxos und eine einmalige Infrastrukturförderung von 225.000 Euro. 2018 erhielt das Theater 83.200 Euro, die Spielstätte 158.700 und das Studio Naxos 48.500 Euro. Vor knapp drei Jahren hatte der Intendant das 25-jährige Bestehen des Theaters gefeiert.

Auch an diesem Tag rappelt er sich wieder auf, gibt sich am Ende kämpferisch. Er werde „16 oder 24 Heizstrahler“ mieten, um das Gebäude zu erwärmen. Praml lacht. Die besondere Ironie. Am morgigen Samstag, 8. Dezember, soll in der Halle der Dokumentarfilm „das 25. Jahr – von der Poetisierung der Welt“ von Otmar Hitzelsberger Premiere feiern. Er erzählt das Vierteljahrhundert Theater Willy Praml. Sein Motto: „Wir sind gekommen, um zu bleiben – diese Halle ist die Welt“.

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