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Kulturdenkmal Paulskirche ist ein Sanierungsfall

Gutachten soll den Zustand des nationalen Kulturdenkmals klären. Im Fokus stehen die Tragfähigkeit der Kuppel und der Brandschutz.

Gdenkveranstaltung
Die Paulskirche ist ein Ort für Gedenkveranstaltungen, aber womöglich auch sanierungsbedürftig. Foto: Peter Jülich

Die Stadt macht ernst mit der Sanierung eines nationalen Kulturdenkmals: der Paulskirche. Baudezernent Jan Schneider (CDU) hat ein Gutachten vergeben, das den tatsächlichen baulichen Zustand des vor 70 Jahren wiedereröffneten Kulturdenkmals klären soll. Das Ergebnis werde noch in diesem Jahr vorliegen, sagt Schneiders Büroleiterin Barbara Brehler-Wald.

Aus Sicht der städtischen Baufachleute ist das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1948 absolut sanierungsbedürftig. Sie gehen davon aus, dass die Kirche für die Phase der Arbeiten geschlossen werden muss. Zugleich drängt die Zeit: Im Jahre 2023, zum 175. Jubiläum der deutschen Nationalversammlung von 1848, soll die Paulskirche in neuem Glanz erstrahlen.

Zwei Aspekte werden die Fachleute eines privaten Unternehmens in erster Linie untersuchen, so Brehler-Wald: „Die Tragfähigkeit der Kuppel“ und den Brandschutz. Im Hochbauamt geht man davon aus, dass die Statik der Kuppel gestärkt werden muss. Das zweite Thema ist der Brandschutz, der schon lange nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Gegenwärtig muss jede Veranstaltung mit eigens abgestellten Brandwachen gesichert werden.

Darüber hinaus gibt es aber auch erhebliche Probleme bei der Belüftung und der Tontechnik der Paulskirche.

Die bisher letzte Sanierung war in den Jahren 1985 bis 1987 organisiert worden. Damals waren unter anderem neue Fenster eingebaut worden.

Vom Zustand der Kuppel wird die Höhe der nötigen Investition abhängen. Braucht es hier umfangreiche Eingriffe, könnte eine zweistellige Millionensumme für die Sanierung erforderlich sein. Brehler-Wald bringt die Haltung des Magistrats auf die schlichte Formel: „Es wird gemacht werden, was gemacht werden muss.“ Die Bürgerinitiative „Pro Altstadt“ fordert, bei der Restaurierung den Originalzustand der Kirche aus dem 19. Jahrhundert wieder herzustellen. Das hieße, das Gebäude müsste erhöht und mit einer umlaufenden Empore versehen werden.

Dazu sieht das Baudezernat freilich keinerlei Veranlassung. „Das steht nicht zur Debatte“, sagte Brehler-Wald. Sie erinnerte daran, dass der Wiederaufbau 1948 bewusst schlicht und nicht prunkvoll erfolgt sei. Die Architekten, aber auch die Stadtregierung wollten sich nach dem Zweiten Weltkrieg von der Zeit des Nationalsozialismus und des Kaiserreiches abgrenzen. Daran, so Brehler-Wald, wolle sich die Stadt auch heute orientieren.

Die Bürgerinitiative „Pro Altstadt“ behauptet dagegen, der Zeitpunkt für eine Rekonstruktion des Gebäudes in seinem Urzustand sei „günstig: Die Zeit ist reif“.

Schließlich wollten sich die Besucher der Kirche vorstellen können, wie dort 1848 Delegierte aus allen Teilen Deutschlands zur ersten deutschen Nationalversammlung zusammenkamen. Das mache der heutige, „karge“ Innenraum aber unmöglich.

Damals im 19. Jahrhundert sei die Paulskirche die evangelische Stadtkirche in Deutschland mit dem größten Versammlungsraum gewesen.

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